Tarifvertrag: Darauf bitte achten
Wann haben Sie sich das letzte Mal mit dem Thema Tarifvertrag befasst? Wahrscheinlich immer dann, wenn ein großer Streik, beispielsweise der Lokführer oder Piloten, durch die Medien geht und die Forderungen und Angebote der beiden Seiten ausgehandelt werden. Doch nicht über alle Tarifverträge wird so groß verhandelt. Laut der Gewerkschaft ver.di gelten in Deutschland rund 50.000 Tarifverträge, die für viele Arbeitnehmer enorm wichtig sind. Doch welche Arten von Tarifverträgen gibt es, was steht in einem solchen Vertrag und für wen sind die getroffenen Regelungen gültig?

Tarifvertrag: Was ist das?

Viele deutsche Arbeitnehmer sind Mitglied in einer Gewerkschaft. Die Gewerkschaften vertreten die Interessen ihrer Mitglieder, da es für einen einzelnen Arbeitnehmer sehr schwierig ist, etwas an seiner Arbeitssituation zu ändern. In der Gemeinschaft einer Gewerkschaft können die Arbeitnehmer Ihren Forderungen beispielsweise durch einen Streik Nachdruck verleihen.

Ein Tarifvertrag wird zwischen einer Gewerkschaft und einem Arbeitgeberverband geschlossen. Wie jeder Vertrag sind die Inhalte für beide Seiten verpflichtend. Ziel eines Tarifvertrages ist es, alle wichtigen für die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Gewerkschaftsmitglieder festzulegen.

Rein rechtlich haben also nur die Mitglieder der Gewerkschaft einen Anspruch auf die im Tarifvertrag vereinbarten Leistungen. In der Praxis werden jedoch häufig die Regelungen eines Tarifvertrages auch auf andere Mitarbeiter angewendet.

Tarifvertrag: Welche Inhalte gibt es?

Ollyy/shutterstock.comEin Tarifvertrag ist in zwei Teile gegliedert: Dem normativen und dem obligatorischen Teil. Im obligatorischen Abschnitt werden die Rechten und Pflichten der Vertragsparteien festgehalten. Hierzu zählen beispielsweise die Laufzeit oder die Kündigungsfrist des Vertrages. Besonders interessant für die Mitglieder der Gewerkschaft, also die Arbeitnehmer, ist aber der normative Teil. Denn dieser befasst sich mit dem Arbeitsverhältnis und den zugehörigen Fragen. Die wichtigsten Punkte innerhalb eines Tarifvertrages sind:

  • Arbeitszeiten. Nicht jeder arbeitet die gleiche Anzahl an Stunde pro Woche. Mithilfe eines Tarifvertrages kann die Arbeitszeit auch verringert werden, beispielsweise auf maximal 37,5 Stunden pro Woche.
  • Arbeitsentgeld. Ein häufiger Streitpunkt und auch eine der wichtigsten Forderungen der Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen ist das Gehalt beziehungsweise der Lohn der Arbeitnehmer. Hierbei kann festgelegt werden, wie viel die Arbeitnehmer verdienen oder in welchen Schritten das Gehalt erhöht wird.
  • Arbeitsbedingungen. Auch die Art und Weise, wie eine Aufgabe zu erledigen ist, kann im Arbeitsalltag einen großen Unterschied für die Betroffenen machen. Aus diesem Grund setzen fordern Gewerkschaften verstärkt bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder.
  • Urlaubsanspruch. In einem Tarifvertrag kann vereinbart werden, dass der Urlaubsanspruch der Mitarbeiter über den gesetzlichen Mindestanspruch hinaus erhöht wird. So kann durch die Verhandlungen der Gewerkschaft beispielsweise ein Urlaubsanspruch von 30 Tagen durchgesetzt werden, anstatt der gesetzlich vorgeschriebenen 24 Tage.
  • Zusatzleistungen. Auch zusätzliche Leistungen an die Arbeitnehmer, beispielsweise in Form von Weihnachtsgeld, können im Tarifvertrag vereinbart werden. Welchen genauen Leistungen hier vereinbart werden, variiert von Branche zu Branche.

Ebenso finden sich im Tarifvertrag Regelungen zu Kündigungsfristen, Entlassungen aber auch zum Zustandekommen neuer Arbeitsverhältnisse.

Wann gilt ein Tarifvertrag für Sie?

Die Inhalte eines Tarifvertrags können große Auswirkungen auf ein Arbeitsverhältnis haben. Doch wann gilt ein Tarifvertrag eigentlich für Sie? Für diese Frage müssen drei Möglichkeiten unterschieden werden.

  • Tarifwirkung. Sie sind Mitglied in der Gewerkschaft und Ihr Arbeitgeber Teil des Arbeitgeberverbandes, der den Tarifvertrag geschlossen hat? Dann fällt Ihr Arbeitsverhältnis unter die sogenannte Tarifwirkung und die getroffenen Vereinbarungen sind für Sie gültig.
  • Einzelvertragliche Vereinbarung. Die Gültigkeit eines Tarifvertrages kann auch im Arbeitsvertrag festgehalten werden. Selbst wenn Sie nicht Mitglied einer Gewerkschaft sind kann so geregelt werden, dass der Tarifvertrag auch für Ihre Beschäftigung angewendet wird.
  • Allgemeinverbindlichkeit. Es gibt auch die Möglichkeit, dass ein Tarifvertrag durch den Bundesminister in den Status der Allgemeinverbindlichkeit gehoben wird. Dies kann passieren, wenn die Tarifwirkung nicht ausreicht, um die verschiedenen Arbeitnehmer einer Branche zu schützen.

Welche Arten von Tarifverträgen gibt es?

Nicht alle Tarifverträge sind identisch. Es gibt verschiedene Arten von Tarifverträgen, die sich in erster Linie dadurch unterscheiden, wer von den Regelungen, auf die man sich einigen konnte, betroffen ist und welche Bereiche der Vertrag behandelt.

  • Verbandstarifvertrag. Diese Art wird auch Flächentarifvertrag genannt und ist die häufigste Form des Tarifvertrages in Deutschland. Er hat Gültigkeit beispielsweise für eine Branche oder einen vorher festgelegten Tarifbezirk, wie zum Beispiel ein bestimmtes Bundesland.
  • Firmentarifvertrag. Wie Sie sicherlich aus dem Namen schon richtig schlussfolgern, entsteht dieser Vertrag zwischen einer Gewerkschaft und einem einzelnen Unternehmen. Ein bekanntes Beispiel für einen Firmentarifvertrag ist der Automobilhersteller Volkswagen.
  • Mehrgliedrige Tarifvertrag. Hierbei handelt es sich um eine etwas speziellere Form des Tarifvertrages. Als Vertragspartner können in diesem Fall auf beiden Seiten mehrere Parteien stehen. Es können also beispielsweise fünf Gewerkschaften gleichzeitig mit mehreren Arbeitgeberverbänden verhalden.

Wird eine Unterscheidung anhand des Inhalts getroffen, erfolgt eine Gliederung beispielsweise in:

  • Manteltarifvertrag. Der Manteltarifvertrag beschäftigt sich mit einigen wichtigen Fragen des Arbeitsverhältnisses. Dazu zählen in erster Linie die Arbeitszeit, der Urlaubsanspruch oder Kündigungsfristen. Er regelt allerdings auch die Einteilung der Arbeitnehmer in verschiedene Lohn- und Gehaltsgruppen, die aufgrund der Arbeitsinhalte der einzelnen Arbeitnehmer voneinander unterschieden werden. Ein Vorteil dieser Verträge ist ihre lange Laufzeit, die Teilweise sogar unbegrenzt sein kann.
  • Gehaltstarifvertrag. Um eine angemessene Entlohnung der Mitglieder zu garantieren, schließen Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden sogenannte Gehaltstarifverträge ab. Dadurch können Arbeitnehmer, für die der Vertrag gilt, sicher sein, nicht unter Tarif bezahlt zu werden. Allerdings sind die Laufzeiten solcher Verträge deutlich kürzer, als beispielsweise bei einem Manteltarifvertrag.
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