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8 von Jochen Mai am 26. September 2009 → Essay in Psychologie
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Taschenologie – Was ist in Ihrer Tasche?

TascheWas befindet sich gerade in Ihren Taschen? Hausschlüssel, Portemonnaie, Handy, Labello, Taschentücher, Pfefferminzbonbons?

Zugegeben, beim Männern dürfte die Antwort kürzer ausfallen. Sie haben in der Regel zwar mehr, dafür aber nicht so große Taschen. Bei Frauen sieht die Sache anders aus. Sie haben oft nur eine Tasche, aber in der steckt alles. Und mit den Jahren wächst nicht nur der Zeugsfaktor, sondern auch der Begleiter derart an den Arm, dass man ihn nur noch chirurgisch entfernen kann. Sagen wir es, wie es ist: Frauen ohne Handtasche sind wie Junkies auf Entzug. Für sie sind diese Hängepartien vor allem eines: eine mobile Unabhängigkeitserklärung. Ich bin mir sicher, selbst die eiserne Lady im Hafen von New York trägt irgend so ein abgefahrenes Teil von Gucci, Prada oder D&G, das die Amis bis heute für eine Tafel halten. Dabei ist „July IV“ in Wahrheit nur so ein hippes Modelabel, wie „LV“ oder „MCM“. Frauen erkennen das natürlich sofort. Das Auto kann gestohlen werden, das Haus abbrennen – egal. Während ein Mann kreidebleich daneben steht und darüber sinniert, dass es irgendwie blöd war, alle Habseligkeiten und Versicherungspolicen in einem brennbaren Haus aufzubewahren, macht Frau das nichts. Ihr Leben geht weiter wie bisher, denn es steckt ja alles in dem bunten Mehrzweckbeutel. Das macht sie einerseits total unabhängig von Männern und anderen Naturkatastrophen – aber eben auch total abhängig von diesem Beutel Buntleder. Wobei das freilich noch nicht erklärt, warum derselbe Lebensinhalt im Urlaub auf zwei Schrankkoffer plus Reisetasche plus Beautycase anschwillt, während er unter der Woche in einem Ärmelfiffi Platz findet. Aber ich schweife ab.

Hier geht es heute um den Tascheninhalt. Das Interessante daran ist, dass – glaubt man etwa Rachel Ellison – diese Inhaltsstoffe eine Menge über den Taschenbesitzer verraten. Das Ergebnis ist dann so eine Art Taschenologie: Sag mir, was in deinen Taschen steckt, und ich sage dir, wer du bist.

Nun bin ich kein Experte auf dem Gebiet. Meine Taschen sind eher leer als voll, vor allem am Monatsende. Und ein Herrenhandtäschchen käme mir nicht ins Haus, geschweigedenn ans Handgelenk. Non, Monsieur! So eine Detlevschleuder hat mehr Risiken und Nebenwirkungen als jede Packungsbeilage. Trotzdem ist es natürlich interessant, darüber nachzudenken, was jeder gerade so mit sich herumschleppt. Vielleicht weniger als Psychogramm – dafür umso mehr als temporäres Happening und Gesamtkunstwerk am mobilen Darkroom. Also wage ich einen Selbstversuch:

    Tascheninhalt

  1. Geldbörse – ein Geschenk, uralt, hält immer noch. Chronisch zu klein für zu viele Plastikkarten
  2. iPhone – ein eigener Minikosmos
  3. Kopfhörer – für das iPhone
  4. Taschentücher – derzeit ständiger Begleiter, schnupfenbedingt
  5. Schlüsselbund – Hausmeisteranwärter
  6. Kaugummis – man weiß nie…
  7. Mehrzweckstift – Journalisten-Standardausstattung. Seit dem iPhone aber seltener in Gebrauch
  8. Visitenkarten – Irgendwer steckt mir immer eine zu
  9. Lolli – Äh, tja, keine Ahnung woher der ist…
  10. USB-Stick – Bilder, Bücher, Musik: alles drauf

War doch mehr drin als gedacht… Die Dominanz der Technik-Gadgets verrät den Nerd, das überschaubare Ausmaß den Simplizisten.

Jetzt Sie! – Am besten mit Foto…



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1. Kommentar

tanwethwen
26.09.09 um 15:36 Uhr

Irgendwie war meine Tasche heute ziemlich leer:

Tascheninhalt1

2. Kommentar

Zamyat M. Klein
26.09.09 um 16:45 Uhr

Ha- wunderbar! Meine “Handtasche” ist oft sogar ein Rucksack, weil ich zusätzlich zu all den überlebensnotwendigen Dingen auch immer was zu schreiben brauche (weil Ideen ja oft unverhofft angeflogen kommen) und das bedeutet bei mir DIN A 4 Heft oder Klemmbrett sowie Mäppchen mit vielen bunten Textmarkern und meinem “Zauberstift”, dazu noch immer ein Buch (damit ich mich nicht langweile, wenn ich irgendwo warten muss) usw.

Zum Thema “Handtasche” habe ich mal eine Kreativ- Technik entwickelt, in Abwandlung der “Reizwort-Methode”. Das funktioniert aber nur mit mutigen Seminarteilnehmern:

Handtasche auskippen und die Gegenstände als Reizwörter nehmen, zu denen man 1. Assoziationen notiert und diese 2. auf das Thema oder die Fragestellung bezieht. Funktioniert!!

3. Kommentar

Susanna Künzl
26.09.09 um 18:10 Uhr

Mal nachsehen: Portemonnaie, Schlüsselbund, Taschentuch, Smartphone, Schminktäschchen (jaja, ich weiss…), Visitenkartenbox, analoges Schreibzeug (Moleskin, schreibe auch nicht gerne ins Smartphone), Notfall-Einkaufstasche wie von der Oma (man weiss ja nie), Pfefferminzbonbons, Notfall-Lesestoff aktuelle ix (s.o.). Meist auch das Netbook (schön klein und handtaschentauglich, mit besserem Akku auch 8 Stunden ohne Netzteil zu haben).

Wichtiger ist, was nicht mehr drin ist: Windeln und Fläschchen, analoger Planer Din A5. Da kann die Hnadtasche ruhig eine Nummer kleiner sein .

4. Kommentar

el toro
26.09.09 um 20:00 Uhr

Schlüsselbund, Zigaretten, Feuerzeug, Kreditkartenetui, Kleingeld

5. Kommentar

webharvey
27.09.09 um 12:11 Uhr

iPhone, Schlüssel, Kleingeld was der Süssigkeitautomat zurück gegeben hat, Portemonaie, und neuerdings Moleskin-Fake in Hosentaschengröße mit Softcover. Als “externer Datenspeicher” -> wenn ich durchs Büro/Betrieb “schlender” wird man als ITler immer angesprochen und in letzer Zeit vergesse ich bis zum Schreibtisch die Hälfte wieder ;)

6. Kommentar

Asdrubal
28.09.09 um 08:41 Uhr

Sehr unspektakuläre Reporter-Fototasche, fürchte ich: Meine Eos 450, ein Dutzend eigene Visitenkarten, ein Dutzend Bestell-Postkarten für ein Probeabo, der eigentlich nie genutzte Terminplaner, Brille, Bedienteil vom Autoradio, Stenoblock, zwei Kulis, ein Bleistift (für Regenwetter), Ersatzakku, Ersatz-CF-Chip, USB-Stick.

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