Moderne Kommunikationsmittel hin oder her – das Telefon ist im Berufsalltag noch immer das Medium Nummer eins. Insbesondere beim Erstkontakt. Damit ist es zugleich eines der wichtigsten Aushängeschilder von Mitarbeitern und Unternehmen. Denn die Art, wie wir mit Anrufern sprechen oder reagieren, wenn wir angerufen werden, reflektiert sofort, wie offen und kundenorientiert wir und damit das Unternehmen, für das wir arbeiten, ist. Und manchmal spiegelt es sogar das Betriebsklima wider – etwa, wenn im Hintergrund keiner Rücksicht darauf nimmt, dass Sie gerade telefonieren müssen.
Ein Mindestmaß an Manieren ist deshalb Pflicht. Konkret heißt das: Wer anruft, grüßt und stellt sich selbstverständlich auch vor; wer angerufen wird, meldet sich mit Nachnamen oder mit Vor- und Nachnamen, nicht aber in der dritten Person mit Herr oder Frau („Hier ist Frau Mustermann …“) und grüßt zurück. Bewährt hat sich bei Angerufenen die Formel: Firma, Name, gegebenenfalls noch ein „Guten Tag“. Der Anrufer hat so etwas Zeit, um sich auf Ihre Stimme einzustellen und merkt gleich, ob er richtig verbunden ist.
Es kommt allerdings vor, dass man von einem Wüterich angerufen wird, der sofort mit der Tür ins Haus fällt und mit übelsten Beschimpfungen loslegt. Auch in diesem Fall gilt: souverän und ruhig bleiben und versuchen, den Streit zu deeskalieren. Also nicht: „Sie vergreifen sich im Ton! Wenn Sie nicht aufhören, lege ich sofort auf.“ Das wäre zwar gerechtfertigt, ist aber der letzte Schritt. Besser Sie sagen erst: „Sie werden gerade persönlich. Ich gehe davon aus, dass das nicht Ihre Absicht war. Worum geht es denn genau?“ Wer dabei noch seine Stimme im Zaum hält, langsam und entspannt weiterspricht, bekommt einen Diplomatiepreis.
Darüber hinaus gibt es drei klassische Methoden, wie sich Vielschwätzer stoppen lassen. Die erste und simpelste ist der Namensruf. Dabei nennt man so lange den Namen des Anrufers, bis der- oder diejenige sich angesprochen fühlt und innehält: „Frau Schmidt … Frau Schmidt! … Frau Schmidt!!!“ Voraussetzung ist allerdings, dass Ihr Gesprächspartner seinen Namen nennt. Und bei Anrufern mit Doppelnamen empfehle ich diese Technik gar nicht. Das führt allenfalls zu unfreiwilliger Komik. Hier eignet sich eher die zweite Taktik, die im Fachjargon Unterbrechung mit Simultansequenzen genannt wird. Das klingt komplizierter als es ist: Gemeint ist, die Schwatzbacke einfach tot zu reden. Dazu schnappen Sie sich ein Stichwort aus dem unheiligen Monolog, holen tief Luft und reden dann möglichst laut über sein Gelaber hinweg. Verloren hat, wer leiser ist und wem zuerst die Puste ausgeht. Die dritte Masche ist zum Teil nonverbal und funktioniert daher nur bedingt am Telefon, verfügt aber über enorme Durchschlagskraft. Dabei wird der Permaplauderer durch Räuspern, verstärkte Gestik und eifriges Mitschreiben derart verunsichert, dass er aus dem Konzept kommt. Entscheidend dafür ist aber, dass der andere das alles mitbekommt. All diese Manöver sind freilich nur mit Bedacht einzusetzen. Schließlich ist der Kunde König, richtig?
Falsch. Denn wie immer gibt es auch hier Ausnahmen. Dann etwa, wenn Sie es mit einem völlig durchgeknallten Tyrannen zu tun bekommen. Solche Kunden (oder Klienten) blockieren nur wertvolle Ressourcen und treiben Mitarbeiter wie Chefs in den Wahnsinn. Die fünf klassischen Typen hat vermutlich jeder schon erlebt, der im Vertrieb arbeitet oder regelmäßig Kunden betreut. Da gibt es etwa…
Ob Sie diese Nervensägen nun in Reinform kennen oder als Komposita aus mehreren Typen – es gibt für Sie nur eine sinnvolle Empfehlung: Trennen Sie sich von solchen Leuten, so schnell wie möglich. Und wenn Sie das nicht dürfen, überzeugen Sie Ihren Boss davon. Die Erfahrung lehrt: Solche Kunden bringen nur selten großen Umsatz, belasten aber das Unternehmen und die Mitarbeiter über Gebühr. Falls Sie also den Entschluss fassen, auf diese fleischgewordenen Konfliktherde zu verzichten, stehen Ihnen dazu ein paar Trennungsoptionen zur Auswahl. Je mehr Sie davon umsetzen, desto besser:
1. Kommentar
Torsten
07.04.10 um 12:09 Uhr
Sehr schöner Beitrag. Ich habe auch schon jeweils mindestens einen Vertreter der oben genannten Spezies am Hörer gehabt. Musste ich doch glatt mal den Link an einen Freund weiterleiten, der auch mit vielen solcher “freundlichen” Zeitgenossen als Geschäftspartner zu tun hat. Jetzt muss ich mich vorsichtig an die eigene Nase fassen und mich fragen, ob ich nicht selber in eine der Kategorien falle?! ;)
2. Kommentar
Strangerli
08.04.10 um 17:01 Uhr
Dieser Beitrag war sehr aufschlussreich und passt in die allermeisten Branchen. Telefongespräche mit Kunden hat man immer einmal. Selbst wenn man Telefonate nicht als Hauptaufgabe tätigt, vereinzelt kommen sie immer wieder einmal vor. Einige der Tipps kannte ich noch nicht und sind vielleicht nicht nur für Kunden sondern auch für interne Gespräche nutzbar.
3. Kommentar
Lars Hahn
08.04.10 um 19:47 Uhr
Danke!
Hatte kürzlich den Durchblicker-Nimmersatt-Reklamierer-Zeitfresser-Terroristen in ein und derselben Person. Habe tatsächlich fast alle Tipps beherrschen können – und mich auch.
Dennoch war auch Neues dabei, was beim nächsten Mal helfen wird.
In diesem Sinne
Gewappnet für mehr!
Lars Hahn
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