Nörgelnde Chefs, die niemals zufrieden sind, jedoch selbst versagen. Anspruchsvolle Kunden, die aber keine Absprachen einhalten. Endlose Meetings, in denen nie etwas Neues gesagt wird – das aber von jedem. Die Arbeitsbedingungen sind, kurz gesprochen, mittelalterlich, die Entlohung ist als Schmerzensgeld unangemessen. Und als wäre das nicht schon fies genug, hat ein missgünstiger Gott die Kollegen erfunden.

Weil wir mit ihnen Tag für Tag den größten Teil unserer Zeit verbringen, sind sie besonders angetan, uns das Leben zu vermiesen. Mehr noch: Sie sind eine echte Landplage, schlimmer als Schwiegermütter und Gerichtsvollzieher zusammen. Und man kann ihnen nicht entrinnen. Denn selbst, wenn Sie den Arbeitsplatz wechseln: Dort lauern schon die nächsten Kollegen des Grauens.

Welche das sind? Wir hätten da mal ein paar Vorschläge:

Nörgler: Nie ist etwas gut genug, ständig finden sie Fehler. Weil sie so viele schreckliche Dinge ertragen müssen, schreit ihr Leiden an der Imperfektion der Welt zum Himmel. Gelegentlich tun sie ihr Leiden und ihre Verständnislosigkeit mit harten Worten dem Umfeld kund. Meist Grummeln sie aber nur vor sich hin. Doch selbst wenn sie schweigen, spricht ihre Leidensmiene Bände: Seht alle her, ich habe es nicht leicht!
Besserwisser: Ganz egal, was Sie sagen: Der Besserwisser fällt ihnen ins Wort und korrigiert sie. Wenn Sie ihm eine fehlerhafte Arbeit zeigen, nutzt er gern die Gelegenheit, Ihnen anschließend gönnerhaft zu demonstrieren, wie Sie es das nächste Mal selbst richtig machen können. Schließlich hat er die Weisheit mit Löffeln gegessen – und lässt keine Gelegenheit aus, es zu zeigen und so seine Überlegenheit zu demonstrieren. Doch das ist nur die Grundform: Der perfekte Besserwisser zürnt der Dummheit der Welt.
Herrscher: Eigentlich ist er ein ganz normaler Mitarbeiter ohne besondere Befugnisse, doch der geborene Herrscher will immer den Ton angeben: Wann die Abteilung zum Mittagessen geht, welches Ziel der Betriebsausflug hat – bestimmt er. Wer auch sonst? Falls jemand es wagt, seine Autorität anzuzweifeln, greift er zu Machtmitteln: Angreifen, Bloßstellen, Drohen – und stellt so die natürliche Ordnung wieder her. Und den Chef freut’s: So muss er nicht eingreifen.
Intriganten: Kaum ist der Kollege zur Tür hinaus, legt der Intrigant los: “Wisst ihr, was der letzhin für einen Bock geschossen hat?” Anschließend lässt er kein gutes Haar am Kollegen. Der wiederum bleibt ahnungslos. Denn sobald er zur Tür reinkommt, geht im Gesicht des Intriganten das Lächeln an: “Na, wie geht’s dir? Schön dass du da bist! Es ist immer eine Freude, mit dir zusammen zu arbeiten!”
Abwälzer: Ihnen hilft er nie. Dafür ist viel zu sehr beschäftigt. Aber kaum dass der Chef ihn mit einer Arbeit beauftragt hat, steht er an ihrem Schreibtisch und bittet Sie, die Sache für ihn zu übernehmen. Bevor Sie noch zum Protest kommen, blockt er ab: Keine Zeit! Und schon ist er verschwunden. Wenn die Arbeit jetzt liegen bleibt, schwärzt er Sie höchstpersönlich beim Chef an: Nur ein einziges Mal habe er Sie gebeten, ihm etwas abzunehmen, und schon hätten Sie ihn im Stich gelassen. Dabei müsse er Sie doch dauernd unterstützen, weil Sie mit Ihren Aufgaben nicht zurande kämen. Oh ungerechte Welt!
Hypochonder: Nicht nur, dass man ständig ihre Arbeit miterledigen muss, weil sie wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt rennen, obendrein darf man sich auch noch stundenlang jedes Detail ihrer Leidensgeschichte anhören: Schließlich verdienen Sie ja Mitleid, wenn sich trotz der Schwere ihres Leidens zur Arbeit schleppen. Doch die Höhe ist: Weil sie so krank sind, muss jeder auf sie Rücksicht nehmen. Also darf kein Fenster geöffnet werden, weil sie keinen Zug vertragen. Wenn andere kollabieren, ist das ihr Problem – Hauptsache, dem Hypochonder drohen keine Gefahren.
Witzbolde: Sie sind einfach nur penetrant: Stürmen von Büro zu Büro, um die neuesten Witze zu erzählen. Wenn sie einmal losgelegt haben, sind sie – vollkommen überzeugt von ihrer Originalität – kaum noch zu stoppen. Dabei sind ihre Witzeleien so flach, dass sie locker unter der Tür durchpassen. Und als wäre ihr Alltagsverhalten nicht schon Strafe genug, wollen sie ihren Kollegen bei jeder unpassenden Gelegenheit Streiche spielen. Wen wundert’s, dass auch die jedes Niveau vermissen lassen?
Choleriker: Sein Kopf ist ständig hochrot, er steht unter Strom und scheint zu brodeln. Sobald ihm etwas nicht in den Kram passt (und das passiert laufend), brüllt er los und schlägt um sich. Seine Wutanfälle sind gefürchtet, denn er schätzt Mäuse und Keyboards als Wurfgeschosse. Gnade dem, der es wagt, seinen Zorn auszulösen oder ihm einfach nur in die Quere zu geraten: Wen er straft, macht er gründlich zur Schnecke – und sorgt dafür, dass es alle erfahren. Schließlich muss er ein Exempel statuieren.
Egozentriker: Die ganze Welt dreht sich um ihn: Will er telefonieren, darf niemand auf der Tastatur klappern. Wenn er in Ruhe arbeiten muss, haben die anderen den Raum zu verlassen. Doch er tut das nicht aus Herrschsucht oder Boshaftigkeit, sondern aus absoluter Ich-Bezogenheit: Nur, wenn alles so ist, wie er es sich vorstellt, kann er seine Aufgaben erfüllen. Und darauf muss man schließlich Rücksicht nehmen.
Lautsprecher: “HALLO HERR SCHMIDT, LEHMANN HIER! KÖNNEN SIE MICH HÖREN?” Bei dem Gebrüll: sicher. Und das ganze Büro auch. Wenn der Lautsprecher loslegt, verstummen zwangsweise alle übrigen Unterhaltungen. Dabei ist die moderne Telekommunikation eigentlich dafür entwickelt worden, sich ohne zu schreien über große Distanzen verständigen zu können. Den Lautsprecher indes ficht das nicht an: Weil er wichtig ist, darf jeder erfahren, dass er telefoniert – und gern auch mit wem: Schließlich gibt er sich nicht Hinz und Kunz ab, sondern nur mit wichtigen Personen.
Lästermäuler: Lästermäuler sind die Steigerung des gemeinen Witzbolds: Ihr Humor geht auf anderer Leute Kosten. Wie die Intriganten ziehen sie über Kollegen her – nur eben in deren Gegenwart. Ihr Ziel ist es, zu provozieren, Schmerzgrenzen zu testen und, wenn es sein muss, zu verletzen. Inden sie andere herabsetzen, machen sie sich groß. So schaffen sie es, sich trotz Unterlegenheit zu behaupten.

Leider kommen solche Kollegen aus der Hölle in den meisten Unternehmen vor. Weil gegen sie kein Arbeitgeberwechsel hilft, sollten Sie nicht sofort eine Kündigung erwägen, wenn Ihnen Herr Meier oder Frau Schmitz mal wieder tierisch auf den Zeiger gehen. Meistens hilft schon: zurücklehnen, lächeln – und sich seinen Teil denken.

Kollegen sind schließlich auch nur Menschen – und haben vielleicht sogar gute Gründe für Ihr Verhalten. Und, wenn Sie ehrlich sind, erkennen Sie vielleicht den einen oder anderen Charakterzug auch bei sich. Schließlich stört uns an anderen nämlich meist genau das, was wir an uns selbst nicht mögen…