Der Weg führte allein über den Abgrund. Unter ihnen eine 70 Meter tiefe Schlucht, vor ihnen eine 136 Meter lange, wackelige Hängebrücke, die Capilano Suspension Bridge. Auf der anderen Seite der Brücke allerdings wartete auf die Männer eine attraktive Studentin. Natürlich überschritten sie alle die Brücke – vor einer so hübschen Frau würde sich keiner als Weichei outen. Und siehe da: Gegenüber angekommen, wurden sie von der jungen Frau auch noch angesprochen. Sie würde einen Artikel über die Gegend recherchieren, über Sehenswürdigkeiten und ob sie ihnen dazu ein paar Fragen stellen könnte… Das alles war jedoch pure Kulisse für das eigentliche Experiment, das nun folgte.
Die Studentin gab den Männern ihre Telefonnummer. Der Vorwand: Falls die noch Fragen zu ihrem Artikel hätten oder wissen wollten, wann er erscheint, könnten sie sich gerne melden. Sie ahnen, was passierte: Die meisten Männer riefen an – auch, um sich mit der Frau zu verabreden. Allerdings – und das ist der interessante Teil – wurde das Experiment noch einmal wiederholt. Diesmal allerdings ohne Mutprobe über eine klapprige Brücke, sondern irgendwo an einer langweiligen Straßenecke. Und nun klingelten deutlich weniger Männer bei der Studentin an.
Fehlattribution (pdf) nennen Psychologen das Phänomen. Der Versuch selbst stammt aus dem Jahr 1974 und wurde von den Psychologen Donald Dutton und Arthur Aron initiiert. Obwohl der Adrenalinkick vom heroischen Erlebnis der Brückenüberquerung kam, dachten die Probanden, die hübsche Frau hätte ihnen weiche Knie und Herzklopfen bereitet. Emotional völlig berauscht, wollten sie sie anschließend wiedersehen – und im zweiten Fall eben nicht.
Was das für Sie bedeutet? Nun, das nächste Mal, wenn Sie jemanden kennenlernen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen wollen, treffen Sie sich vielleicht besser nicht an einem langweiligen Ort. Es muss ja nicht gleich eine morsche Brücke sein, über die Sie Ihre Verabredung lotsen, aber etwas mehr Pep als eine lauschige Restaurantecke darf es haben – und Ihr Gegenüber wird denken, Sie seien (so) aufregend.







Torsti
Hmm, ist doch eigentlich ein alter Hut. Schon lange wissen wir, dass Beziehungen, die aus Gefahrensituationen heraus entstehen nicht lange halten. Wusste doch schon die Omi.
Bzw… wie viele langweilige Menschen tummeln sich jedes Wochenende in hecktisch zuckenden Adrenalin peitschenden Clubs um sich dem anderen Geschlecht zu offerieren? Wenn man(n) dann endlich im Schlafzimmer ist, liegen Diddlmäuse auf dem Nachttisch und die Realität hat einen wieder.
Jochen Mai
Ich glaube, das hat mit dem hier beschriebenen Phänomen wenig zu tun.
Torsti
Findest du? Für mich ists das exakt selbe. Klassische Fehlattribution wenn ich von dem fetzigen Konzert oder der heissen Clubnacht auf die Personen dort schliesse.
Jochen Mai
Das waren aber nicht deine Beispiele… Im ersten Fall schilderst du einen möglichen Grund dafür, warum Beziehungen scheitern. Darum geht es aber gar nicht – es geht darum, warum man andere Menschen aufgegend findet. Zu diesem Zeitpunkt existiert noch gar keine Beziehung.
Bei zweiten Beispiel beschreibst du den Kontrast zwischen Clubatmosphäre und Dildomäusen, bzw. Sex. Das scheint mir jedoch – um es vorsichtig zu sagen – eine sehr enge Definition für “aufregend” zu sein.
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