Die Entlassungswellen und Insolvenzen der letzten Jahre haben bei vielen Menschen das Vertrauen in einst sicher geglaubte Arbeitgeber nachhaltig erschüttert. Kein Wunder also, dass immer mehr Arbeitnehmer den Schritt aus der Anstellung hin zur Arbeit als Freiberufler gehen. Doch wer diese Veränderung rein aus Frust und Enttäuschung heraus angeht, wird schnell die Schattenseiten der Selbstständigkeit kennenlernen – und vermutlich daran scheitern. Für einen erfolgreichen Start gilt es in jedem Fall einige Grundlagen zu beachten. Manche davon werden von angehenden Freelancern leider oft übersehen.

Das beginnt – wie bereits angedeutet – bei der Motivation. Wollen Sie als Freiberufler arbeiten, weil Sie damit Ihren Traum verfolgen und mit Leidenschaft hinter Ihren Angeboten Dienstleistungen stehen? Oder wollen Sie “nur” raus aus dem Alltagstrott und fühlen sich in den Unternehmensstrukturen eingeengt? Ist Letzteres der Fall, sollten Sie zuerst Ursachenforschung betreiben und den Schritt in den Freiberuf erst in zweiter Linie in Betracht ziehen. Oft reichen schon kleine Veränderungen, um eine scheinbar verfahrene Situation zu lösen und angenehmer zu gestalten.

Schaffen Sie klare Verhältnisse

Wer in die Selbstständigkeit startet, sollte dies auf jeden Fall aus klaren Verhältnissen heraus tun. Dazu gehört die rechtzeitige Kündigung beim Arbeitgeber ebenso wie die Aktivierung des persönlichen und beruflichen Netzwerks. Auch wenn es sich zu Beginn seltsam anfühlen mag: Informieren Sie alle Freunde, Bekannte, Kollegen und Netzwerk-Partner über Ihren Schritt. Damit diese Information sinnvoll ist, müssen Sie zu diesem Zeitpunkt Ihre Dienstleistungen und Angebote klar benennen und Ihre Stärken deutlich machen können. Nur wenn Ihre Kontakte von der Qualität und dem Nutzen Ihrer Angebote überzeugt sind, werden sie Ihnen auch Kunden und Aufträge vermitteln.

Bei dieser Information gibt es jedoch einen kleinen Haken: Den richtigen Zeitpunkt. Einerseits sollten Sie Ihr Netzwerk nicht zu spät informieren. Ohne ausreichenden Vorlauf können Sie zum Start nicht mit Unterstützung rechnen. Andererseits wird Ihr Arbeitgeber kaum begeistert sein, wenn Sie bereits am Tag nach der Kündigung Ihre Selbstständigkeit bekannt geben. Schließlich sind Sie – je nach Kündigungsfrist – noch einige Wochen oder Monate beim Unternehmen beschäftigt. Im schlimmsten Fall steht Ihnen dann eine Klage ins Haus, weil Sie gegen Teile Ihres Arbeitsvertrages verstoßen und dem Unternehmen – aus Sicht der Geschäftsführung – schaden. Klären Sie daher bitte im Vorfeld mit Ihrem Arbeitgeber ab, wann Sie den Schritt offiziell machen können.

Social Media und Kommunikation

Soziale Netzwerke sind vor allem für Freelancer wichtig. Ein optimales Medium, um Geschäftskontakte herzustellen oder zu pflegen ist die Onlineplattform XING. Es gibt vermutlich kaum eine Berufsbranche, die nicht bei XING vertreten ist.

Das Zitat stammt vom Freelancer-Blog und trifft den Kern der Sache ausgezeichnet. Die wenigsten Freelancer werden ohne eigene Webseite oder Social Media Präsenzen nennenswerte Bekanntheit oder Reichweite erzielen. Diese sind für die Kunden- und Auftragsakquise jedoch zwingend erforderlich. Auch wenn Sie Xing als Arbeitnehmer oder privat kaum genutzt haben: Als Freelancer sollten Sie sich das Netzwerk genauer anschauen. Wenn Sie internationale Kunden gewinnen wollen, kommen Sie auch an LinkedIn nicht vorbei.

Noch ein wichtiger Punkt: Stellen Sie Ihre Angebote auf Ihrer Homepage bitte eindeutig dar. Schwammige und unklar formulierte Beschreibungen vermitteln nur einen Eindruck: Dass Sie selbst nicht wissen, was Sie eigentlich anbieten wollen. Warum sollten sich potentielle Kunden dann überhaupt bei Ihnen melden?

Gewerbe oder Freiberuf?

Ob Sie für Ihre Selbstständigkeit ein Gewerbe anmelden müssen, hängt davon ab, ob Ihre Tätigkeit rechtlich als freiberufliche Arbeit eingestuft wird oder nicht. Freiberufler können auf die Gewerbeanmeldung verzichten, doch auch in diesem Fall gibt es einige rechtliche Vorgaben und Regelungen zu beachten. Kriterien für die Einstufung sowie Beratung rund um den Freiberuf bietet beispielsweise das Institut für freie Berufe an. Die Publikationen des Instituts sind eine klare Leseempfehlung für alle angehenden Freelancer.

Apropos Leseempfehlung: Auch Freiberufler brauchen eine Kranken- und Sozialversicherung. Für viele Berufsgruppen kommen dabei die gesetzlichen Krankenversicherungen in Frage, doch Publizisten und Künstler sollten sich bei der Künstlersozialkasse über die verschiedenen Optionen informieren.

Fazit

Auch die Arbeit als Freelancer ist nicht frei von – rechtlichen und organisatorischen – Vorgaben und Verpflichtungen. Wer sich jedoch gründlich vorbereitet und eines der zahlreichen Beratungsangebote in Anspruch nimmt, kann die notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start schaffen. Ohne Leidenschaft, Ausdauer und eine hohe Motivation wird all das jedoch nicht funktionieren.