„Erfolgreiche tun Dinge, die weniger Erfolgreiche unterlassen“, formulierte einst George Simeon. Dazu gibt es aber auch andere Meinung. Eine davon lautet: „Erfolgreiche unterlassen Dinge, die weniger Erfolgreiche tun.“ Der Grund dafür ist einfach: Alles was Sie nicht tun, bestimmt darüber, was Sie stattdessen tun können. Daher seien zum Beispiel Not-To-Do-Listen für die Verbesserung der Arbeitsleistung wesentlich effektiver als To-Do-Listen.
Darüber kann man geteilter Meinung sein – wie diese beiden Autoren. Eine Kontroverse:
Die Not-To-Do-ListeVon dem Bestsellerautor Tim Ferriss |
Die Tu-ich-doch-ListeVon der Kommunikationsberaterin Kerstin Hoffmann |
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1. Beantworten Sie keine Anrufe von unbekannten Telefonnummern
Überraschen Sie andere, aber lassen Sie sich nicht überraschen. Jeder eingehende Anruf führt zu einer unerwünschten Unterbrechung der Tätigkeit, an der Sie gerade arbeiten. Studien haben gezeigt, dass Angestellte im Schnitt nur rund elf Minuten ungestört an einer Aufgabe arbeiten können, bevor sie unterbrochen werden. Nach der Unterbrechung dauert es 25 Minuten, um wieder voll konzentriert zu arbeiten. Lassen Sie bei unbekannten Anrufern als lieber zuerst den Anrufbeantworter rangehen. |
1. Ich hebe immer ab
Telefonanrufe sind das Salz in der Suppe eines Nur-Büro-Tages. Jeder Anrufer kann ein neuer Kunde sein. Zudem: Viele meiner Kunden sind nur schwer per Rückruf zu erreichen. Das kostet dann viel Zeit, ihnen hinterherzutelefonieren. Wenn ich direkt abhebe, ist die Sache dagegen gleich erledigt. Ebenso haben viele meiner Kunden, etwa Ärzte und Anwälte, aber auch einige Geschäftsführer – eine Rufnummerunterdrückung. |
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2. Mailen Sie niemals morgens als Erstes oder abends als Letztes
Die Angewohnheit, den Arbeitstag damit zu beginnen, kurz seine E-Mails zu checken, stellt einen denkbar ungeeigneten Tagesstart dar. Dies kann Ihre wichtigsten Prioritäten und Pläne für den gesamten Tag durcheinander bringen. Ganz ehrlich: Ihre E-Mails können doch sicher auch bis 10 Uhr warten, nachdem Sie zumindest einen wichtigen Teil Ihrer Aufgaben, vor allem aber die wichtigste Tagesaufgabe abgeschlossen haben? Abends dagegen sorgen Mails für Schlaflosigkeit oder Überstunden, weil Sie kurz vor dem Feierabend noch schnell beantwortet werden wollen. Das ist kein gelungener Tagesabschluss. |
2. Der erste Blick geht zur Mail – der letzte auch
Kaum dass ich aufgestanden bin und noch vor dem Frühstück checke ich meine Mails. Ich tue das gerne. Erstens, weil ich sowieso von Natur aus neugierig bin. Zweitens weiß ich so gleich, was zusätzlich zum geplanten Tagesgeschäft an dringenden Dingen ansteht, kann meinen Spam-Check für den Tag erledigen und wichtige Newsletter lesen. Alles abgehakt. Noch nie hat mir Berufliches den Schlaf verdorben, und lange Arbeitstage habe ich sowieso. Da mein Beruf das ist, was ich im Leben mit am liebsten mache, arbeite ich sogar richtig gerne lange. Wenn das nicht mehr so sein wird, werde ich sofort etwas anderes tun. Dafür kann ich andererseits jeden zweiten Tag vormittags waldlaufen, wenn keine Kundentermine anstehen. |
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3. Lassen Sie Andere nicht abschweifen
Vergessen Sie die Floskel „Wie geht´s?“ wenn Sie jemand anruft. Verwenden Sie stattdessen eine Begrüßung, die sinngemäß lautet: „Ich bin gerade dabei, eine wichtige Aufgabe fertig zu stellen, aber was kann ich für Dich tun?“ Fordern Sie andere auf, ohne Umschweife zum Punkt zu kommen. Auf die Frage „Hast Du kurz Zeit“ antworten Sie prinzipiell „Wie lange genau?“ und auf die Zeitangabe Ihres Gesprächspartners erwidern Sie: „Gerne. Passt es Dir um 17:12 Uhr?“ |
3. Ich lasse andere erzählen
Menschen interessieren mich. Ich kann gut zuhören. Daher muss mit langjährigen und besonders netten Kunden auch mal ein längeres Gespräch drin sein. Auch Netzwerken besteht zu einem guten Teil aus Atmosphärischem, nicht nur hart Faktischem. Ich glaube, meine Kunden schätzen mich auch deswegen, weil ich ihnen wertschätzend zuhöre und mich für sie interessiere. Kurzzeitig die Aufmerksamkeit von einem Thema abzuziehen und einfach locker zu plaudern, kann auch neue Impulse und kreative Schübe bringen. Gerade, wenn es irgendwo hakt oder stockt. Klar: nach einer Weile muss man zum Thema zurückkommen und nicht zu sehr und nicht zu oft schwafeln und abschweifen. |
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4. Kontrollieren Sie nicht ständig Ihre E-Mails
Über diesen Punkt habe ich an dieser Stelle bereits zur Genüge geschrieben. Bei Bedarf finden Sie die Artikel alle in meinem Weblog www.mgeiger.com Sammeln Sie Ihre Mails und überprüfen Sie den Posteingang nur zu bestimmten Zeiten. Und schalten Sie unbedingt auch jede (akustische und visuelle) Erinnerungsfunktion für den Eingang neuer Mails aus. Erstellen Sie einen entsprechenden Autoresponder und kümmern Sie sich maximal zwei- bis dreimal täglich darum. Konzentrieren Sie sich lieber auf die Durchführung Ihrer Top-To-Do´s, anstatt auf selbsterzeugte Notfälle zu reagieren. |
4. Ich schaue sehr oft in meine Mails
Sogar unterwegs. So kann ich auch auf eilige Dinge schnell reagieren. Ich kann mich gut konzentrieren. Ich arbeite besser, wenn ich minutenweise immer mal was anderes tue, gerade wenn ich sehr konzentriert an einem Text oder einer Konzeption sitze. Ich bin danach in Sekunden wieder voll im Thema. |
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5. Kommunizieren Sie nicht zuviel mit Kunden, die nicht zu Ihrem Ergebnis beitragen
Es gibt keinen sicheren Weg zum Erfolg. Aber der sicherste Weg zum Misserfolg ist, zu versuchen, es jedem recht zu machen. Bei einigen Kunden springt nun mal wenig Gewinn ab. Häufig sind dies jedoch auch genau diejenigen, die überzogen hohe Erwartungen haben. Machen Sie nach dem Pareto-Prinzip eine Kundenanalyse: Welche 20 Prozent produzieren über 80 Prozent meines Gewinns und welche 20 Prozent verbrauchen über 80 Prozent meiner Zeit? Setzen Sie die Zeitvernichter auf eine Art Autopilot. |
5. Kommunizieren Sie nicht zuviel mit Kunden, die nicht zu Ihrem Ergebnis beitragen
Gekauft. Keine Einwände. |
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6. Tragen Sie nicht rund um die Uhr ein Smartphone mit sich herum
Nehmen Sie pro Woche mindestens einen freien Tag von Ihren digitalen Sklaventreibern. Stellen Sie sie ab oder besser noch: Lassen Sie sie einfach im Auto zurück. Was passiert schon, wenn Sie ein Anruf eine Stunde später oder erst am nächsten Morgen erreicht? Eben. Oft erwarten Menschen, die 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche für jedermann erreichbar sind, dies auch von Ihren Mitmenschen. Aber wenn Sie nicht die Bundeskanzlerin sind, sollte Sie niemand abends um 21 Uhr noch brauchen. |
6. Ich habe meistens mein Smartphone in der Tasche und auch eingeschaltet
Aber ich entscheide, wann ich reagiere. Abends nach Büroschluss oder am Wochenende antworte ich normalerweise nicht auf Anfragen, sondern erledige das erst am nächsten Werktag. Und: Ja, gut, o.k., ich bin ein Online-Junkie und ein Controlfreak. Aber ich bin es gerne und es macht mir Spaß. |







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Knut O.E. Pankrath
Die Gegenüberstellung der vorgeführten Positionen finde ich wirklich mal wieder eine klasse Idee!
Was mich zu meiner Frage führt, ob der darin erkennbare Purismus des jeweiligen Denkens nicht eine Ausnahme im wirklich gelebten Verhalten der meisten Menschen – sogar im Web – darstellt. Ernähren Sie sich z.B. IMMER gesund und ist das nicht GELEGENTLICH ein Gegensatz zu lecker, den Sie nicht einengend durchhalten wollen? Und besteht Freiheit und (unternehmerische) Handlungsfähigkeit nicht auch darin, von verschiedenen Angeboten und Werkzeugen die Dosis zu verwenden, die einem den höchsten Nutzen bringt, ohne dass man entweder Onlinejunkie oder Spontaneitätshandlungsverweigerer werden muss? Ich merke schon, dass hinter der Tür viele Fragen lauern…
Niels Warnecke
Vielen Dank für die Gegenüberstellung.
Auch wenn die Liste komplette Gegensätzlichkeit vermuten lässt : Beide Standpunkte sind es nur dann, wenn man sie fundamentalistisch betrachtet. Und Fundamentalismus hat meines Erachtens noch nie irgendwem gut getan… Es kommt halt darauf an, was mein Beruf ist, welche Aufgabe ich gerade erledigen will/muss und in wie weit ich da Störungen gebrauchen kann.
Steffen Klaus
Klasse Beitrag! Also ich mache beide Seiten gern.
Elke Meurer (@eMeurerQM)
Danke für die Gegenüberstellung. Beide Aufstellungen sind mir zu allgemein. Die Lösung liegt oft in der goldenen Mitte. Natürlich muss ich mich auf meine Arbeit konzentrieren, aber manchmal ist es eben meine Arbeit, Mails und Anrufe mit Priorität zu beantworten. Manche Aussage ist mir zu dogmatisch und (für meine Arbeit) nicht realisierbar.
Alexander Benker
schöne Idee, die beiden Positionen so gegenüber zu stellen.
Inhaltlich haben beide irgendwo recht – kommt halt auf den Kontext an.
Die Not-To-Do-Liste scheint mir nicht von Herrn Geiger zu stammen, sondern von Tim Fenris (der hatte 2007 eine 9 Punkte Not-To-Do-Liste, die ziemlich genauso aussieht)
Jochen Mai
Also, ich muss dem Plagiat-Vorwurf jetzt doch mal nachgehen. Ich kann das ja gar nicht glauben, dass jemand so dumm sein kann, einen Weltbestseller zu kopieren, das Plagiat dann an Redaktionen zu schicken, um sich zu profilieren. Der Schuss – gesetzt den Fall es stimmt – geht ja sowas von nach hinten los…
Alexander Benker
ob die 9 habits to stop auch im 4Hour-Workweek Buch drin stehen weiß ich gerade nicht – die 9 Punkte Not-To-Do-Liste ist auf Fenris’ Blog hier zu finden: http://www.fourhourworkweek.com/blog/2007/08/16/the-not-to-do-list-9-habits-to-stop-now/
Ich persönlich finde die Ähnlichkeiten schon …äh… auffällig
Jochen Mai
@Alexander: Sie haben absolut Recht. Das ist zwar nicht wortwörtlich abgeschrieben – aber doch zumindest dasselbe Konzept. Ich ändere das mal geschwind…
Julian
Hier ist auch wieder die Frage, wie man die Arbeit an sich sieht. Tim Ferriss sieht sie als Instrument und nicht als Lebensstil. Er will so wenig Zeit wie möglich mit ihr verbringen. Die Gegenseite sieht in der Arbeit weniger etwas sträfliches, als eher etwas “lebenfüllendes” und verbringt eben mehr Zeit mit ihr. Ob man erfolgreich wird, wenn man mehr Zeit mit Arbeit verbringt oder nicht ist durch diese beiden Standpunkte nicht klärbar. Oder doch?
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