Dass die Schrift einiges über den Verfasser verrät, ist den Langzeitlesern dieser Seite nichts Neues. Graphologie heißt diese Form der Handschriftanalyse, gilt zwar vielen als esoterische Kaffeesatzleserei und Hokuspokus, ist aber letztlich eine untergeordnete Disziplin der Psychologie, angesiedelt in der Persönlichkeitsdiagnostik. Dass derlei Rückschlüsse aber auch gedruckter Text zulässt, ist eher ungewöhnlich.
Der Psychologe Daniel Oppenheimer ist der Urheber dieser bemerkenswerten Studie, bei der Studenten der Princeton Universität beurteilen sollten, wie intelligent der Verfasser eines gedruckten Textes auf sie wirkt. Die Probanden musterten dabei Textproben aus Schüler- und Doktorarbeiten sowie philosophischen Werken, die in zwei Schriftarten verfasst waren: der Times New Roman und der eher künstlerisch anmutenden Schrift Juice ITC.
Das Erstaunliche: Wer in der weniger gebräuchlichen Juice schrieb, erhielt durchschnittlich einen halben Prozentpunkt weniger als jene Autoren, die ihren Text in Times New Roman verfassten. Aber auch jene Autoren, die auf hochgestochene Synonyme verzichteten und beispielsweise statt “Syntax” “Satzbau” schrieben, machten auf ihre Leser einen klügeren Eindruck. Fazit: Wenn Sie intelligent erscheinen wollen, schreiben sie kurz, prägnant klar und in Times New Roman. So wie dieser Text, schlau was?



PeterPwn
Naja eine besonders tolle Studie ist das nicht wenn nur die Times und die eher comic-hafte Juice betrachtet werden. Da hätte man genausogut einen Vergleich zwischen Arial/Helvetica und der Horrorfont Comic Sans machen können.
Ein Vergleich zwischen den wirklich gebräuchlichen Schriften wäre viel interessanter gewesen.
Jochen Mai
Das stimmt. Aber interessant ist es trotzdem, ich vermute nämlich, dass Schriftarten tatsächlich solche Wirkungen haben. Bin also für weitere Hinweise auf Studien aufgeschlossen.
Andre
Ja, Schriftarten sind interessanter, als man meinen könnte.
Comic Sans ist problematisch, nicht umsonst hat der Font seinen eigenen Fanclub:
Kontraste, die mir so einfallen: Wirken Witze in Comic Sans witziger als in Times New Roman? Wenn ich einen beliebigen politischen Text in gebrochene Groteskschrift setze, werden ihn die Probanden als rechtsextremen Text einstufen?
Ich fände es auf alle Fälle nachvollziehbar, denn wenn in Schriftarten nicht wie bei jeder Form von Kunst irgendwelche Botschaften (meist vom Autor gewollt) mitschwingen würden, bräuchten wir keine Varietät. Analog wäre ein Versuch, in dem ein Maler durch unterschiedliche Farbenmixturen ein und das selbe Bild (zB Vase mit Blume) einmal frühlingshaft-erblühend und einmal herbstlich-lethargisch malt und anschließend werden die Probanden gefragt, welcher Jahreszeit sie die Bilder zuordnen würden.
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Philipp
Ein Unterschied von einem halben Prozentpunkt? Das ist doch statistisch überhaupt nicht siginifikant.
U. C. A. Stephan
Ich finde die Studie auch nur begrenzt aussagefähig. Meiner Erfahrung nach wirkt Times sogar eher negativ im Vergleich zu anderen “seriösen” Schriften (wie Garamond, Cambria, Palatino Linotype unter den Serifenschriften, oder Arial, Helvetica, Verdana unter den Serifenlosen). Als Voreinstellung von MS Word und anderen Anwendungen taucht es allzuoft im Zusammenhang mit schlechtem / nachlässigem Layout auf und wirkt deshalb allein schon oft amateurhaft, wenn das Dokument nicht insgesamt sehr gut gestaltet ist.
Ich verwende deshalb Times aus Prinzip möglichst nicht, obwohl ich es ästhetisch für die schönste Schrift überhaupt halte.
Jochen Mai
Interessant, interessant. Die Mehrheit spricht sich hier gerade gegen die Times aus. Eine deutsche Geschmacksfrage?