Ich persönlich mache inzwischen mehr Fotos mit meinem iPhone 4S als mit einer üblichen Fotokamera. Der Grund dafür ist simpel: Das Smartphone habe ich immer dabei. Ein Schnappschuss, ein spontanes Video kurzfristig eingefangen – mit dem iPhone und seiner 8-Megapixel-Kamera ist das kein Problem. Hinzu kommen diverse Apps und optische Effekte, um die man die Bilder nachträglich bereichern kann. Allerdings nur begrenzt. Denn was auf dem Foto nicht zu sehen ist, lässt sich später auch nicht einholen. Das gilt besonders für die begrenzte Optik…

Schon vor einiger Zeit habe ich mir dazu extra den Olloclip zugelegt – und bin bis heute begeistert: ein hochwertiges Aufsteck-Objektiv für das iPhone mit gleich drei Linsen in einem – eine Fischaugen-, eine Weitwinkel- und eine Makro-Linse. Um sie zu nutzen wird der Olloclip einfach auf das iPhone 4/4S gestülpt. Fertig. Und um die Linsen zu wechseln, wird der Clip kurzerhand umgedreht. Smart!

Zum Testbericht: Hier entlang.

Was mir – insbesondere vor dem Urlaub – aber noch gefehlt hat, ist ein Teleobjektiv. Das iPhone besitzt zwar einen digitalen Zoom, der ist aber nichts im Vergleich zu dem, was ein gutes Objektiv leisten kann. Theoretisch.

Inzwischen werden für das iPhone einige aufsetzbare Teleobjektive mit bis zu 8-fach Brennweite angeboten. Die Preise variieren teils erheblich, die Qualitäten aber kaum. Ich habe mich deshalb für ein Komplett-Set entschieden, das sowohl das Objektiv, eine iPhone-Schale sowie ein Mini-Stativ, Putztuch und Schutzbeutel enthält – für gerade mal 17 Euro. Da kann man nicht viel falsch machen.

Die SpezifiKationen:

  • 18 mm Teleskop-Objektiv: Optisch 8-fach
  • Blende: 1.1
  • Aufnahmebereich: 3 Meter bis unendlich
  • Bildwinkel: 16°
  • Manuelle Fokussierung
  • Länge: 70 mm
  • Durchmesser: 30 mm
  • Gewicht: 45 Gramm

Zunächst zum 3-Bein-Stativ: Das ist aus Metall und Kunststoff und ziemlich robust. Das iPhone wird oben einfach eingeklammt mit einer praktischen Klappfeder. Dank des Kugelkopfs ist das Stativ um 360 Grad in jeden Winkel schwenkbar. Kurz am Schraubverschluss drehen und wieder anziehen. Fertig.

Und ein Stativ braucht man! Denn mit dem starken Tele aus der Hand verwacklungsfrei zu fotografieren ist unmöglich. Ich habs versucht – keine Chance. Allerdings sind mit dem Stativ auch nur Queraufnahmen möglich. Denn bei genauerer Betrachtung ist die Konstruktion ziemlicher Murks. Der Hersteller gibt zwar an, dass damit auch Hochformat-Aufnahmen möglich sind. Das geht aber nur theoretisch. Weil sich die drei Beine des Stativs nicht weit genug spreizen lassen, bekommt das Ding sofort Übergewicht, wenn man das iPhone zur Seite klappt. Kurz: Das Ding kippt um. Ein deutlicher Minuspunkt. Aber bei 17 Euro kann man vielleicht auch nicht mehr erwarten…

Das Teleobjektiv im Test

Bleibt noch das Teleobjektiv: Die Verarbeitung ist ganz okay. Außen Plastik, aber die Linsen sind wenigstens aus Glas. Und ja, es funktioniert ziemlich gut.

Das iPhone muss dazu zunächst in die mitgelieferte Plastikschale geklemmt werden. Die lässt sich übrigens auch als praktische Schutzhülle missbrauchen. Auf der Rückseite ist ein Gewinde, wo das Teleobjektiv anschließend aufgeschraubt wird. Das hält wirklich fest. Jedoch befürchte ich bei dem vielen Plastik, dass die Konstruktion bei einem harten Stoß oder Fall abbrechen kann, womit das Set sofort Müll wäre. Für Grobmotoriker also eher ungeeignet.

Die iPhone-Kamera fokussiert wie gewohnt automatisch, alle Funktionen bleiben voll erhalten – bis auf den Blitz natürlich. Den sollten Sie vorher ausschalten. Was gut ist: Es entsteht beim Fotografieren so etwas wie Tiefenschärfe. Allerdings müssen Sie dazu am Objektiv noch einmal manuell scharf stellen, spricht am Drehrad drehen. Das Scharfstellen ist gar nicht so leicht, sogar unmöglich wenn die Sonne auf den Bildschirm scheint und man praktisch kaum noch Details erkennt. Jedenfalls handelt es sich nicht um ein Autofokus-Objektiv. Auch das macht einen echten Schnappschuss praktisch unmöglich.

Immerhin: Der Tele-Effekt ist echt beeindruckend…

Ohne Teleobjektiv:

Mit Teleobjektiv:

Aber noch etwas fällt beim unteren Bild auf: Es gibt einen unschönen Grauverlauf am oberen Rand. Das passiert, wenn das iPhone nicht 100-prozentig so in der Schale liegt, wie es soll. Dann kann der Rand der Aussparung in der Schale genau diesen Schatten erzeugen. Noch so ein unbefriedigendes Manko.

Über die Dreingaben muss man nicht viel schreiben: Putztuch, Transportbeutel… ja, nett.

Das Fazit

Für 17 Euro bekommt man ein umfängliches Set: Teleobjektiv, Stativ, Zubehör. Der Preis ist fair. Allerdings ist das Stativ nur in eingeschränktem Umfang zu gebrauchen. Das Teleobjektiv liefert ordentliche Bilder (vorausgesetzt, es sitzt richtig in der Halterung), eignet sich aber nicht für Schnappschüsse und muss zum Teil manuell scharf gestellt werden. Auch handelt es sich dabei nicht um ein Zoom-Objektiv, die Brennweite ist fest – also 8-fach oder nix.

Kurzum: Wer unbedingt Teleaufnahmen machen möchte, findet hier eine günstige Alternative – jedoch mit Einschränkungen. Stative lassen sich zwar nachkaufen (ich selbst habe einige – auch für das iPhone), aber ein Must-Have ist es nicht. Eher eine nette Spielerei. Ob einem das 17 Euro Wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Da hatte mich der Olloclip seinerzeit mehr überzeugt. Den habe ich bis heute immer dabei. Trotzdem nehme ich das Teleobjektiv mit in den Urlaub. Man weiß ja nie…