Was sind Ihre zehn Lieblingsbücher? Was würden Sie alles auf eine einsame Insel mitnehmen? Was sind die 50 beliebtesten Berufe der Welt? Mit wem von den Kollegen würden Sie gerne abends mal einen Wein trinken gehen – oder gar weiter gehen? Für jede Frage, so scheint es, gibt es Antworten in Listenform.
Es gibt Gästelisten, Spendenlisten, Frageliste, Mitgliederlisten, Wahl- und Wählerlisten, Gehaltslisten, Fahndungslisten, Wartelisten, Inventurlisten, Verbotslisten, Ranglisten oder Wunschlisten. Nur chinesische Listen sind etwas völlig anderes. Aber warum bitteschön lieben wir diese Rankings, Tabellen und Hitparaden bloß so sehr – selbst die von zweifelhaftem Wert?
Folgende Gründe fallen mir dazu ein, die ich – es kann bei diesem Thema nicht anders sein – in Form einer Liste aufbereitet habe…
Die Top 10, warum wir Listen lieben
Gott hat es vorgemacht. Als Gott den Menschen seinen Willen mitteilen wollte, gab er Ihnen zehn Gebote auf den Weg. Eigentlich waren es ja deutlich mehr. Aber diese zehn sind die wichigsten – und deshalb wohl auch bekanntesten. Selbst diese gehorchen einer Rangfolge. So schränkte Jesus etwa ein: Die beiden wichtigsten Gebote davon seien: Du sollst Deinen Herrn und Gott von ganzem Herzen lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Und wenn schon Gott selbst Listen liebt – wer sind wir, dass wir sie ablehnen?
Listen verringern Komplexität. Insbesondere wenn es darum geht, Produkte vergleichbarer zu machen, vereinfachen Listen den Arbeitsaufwand enorm. Die Stiftung Warentest macht sich dieses Prinzip regelmäßig zunutze: Statt ewig langen Textwüsten, die beschreiben, was dieses oder jenes Produkt so alles kann oder nicht, legt die Redaktion die wichtigsten Verbraucherkriterien fest, prüft und bewertet diese und fasst die Ergebnisse in einer übersichtlichen Tabelle zusammen. Statusreports und Excel-Tabellen machen teils nichts anderes.
Listen ordnen das Chaos. Wir leben in einer Zeit des Infomationsüberflusses – um nicht gleich vom Infoterror zu sprechen. Das ganze Universum, so kommt es einem jedenfalls manchmal vor, steckt voller sinnloser Zufälle und chaotischer Abfolgen. Listen bringen dieses Durcheinander zumindest scheinbar in Ordnung – auch wenn sich manche Dinge zugegebenermaßen nicht so einfach in eine Liste pressen lassen. Doch selbst wenn sich Äpfel und Birnen nicht vergleichen lassen – auf einer Liste der beliebtesten Früchte existieren sie in friedlicher Harmonie.
Listen machen populär. Wer ist die Nummer eins der deutschen Album-Charts? Wie heißen die 500 reichsten Menschen der Welt? Wer ist Deutschlands Alpha-Blogger? Wer ist heiß – wer nicht? Ranglisten sind ambivalent: Sie erfüllen unser Bedürfnis nach Wettbewerb und Vergleichbarkeit. Wer sie anführt, dem haftet der Nimbus eines Siegers an. Die zweite Dimension ist, auf solchen Listen überhaupt zu erscheinen: Wer ein Buch geschrieben hat, will in der Regel irgendwann auf einer Bestsellerliste auftauchen – und sehen wo die anderen stehen. Zuweilen ist es allerdings auch besser, gar nicht erwähnt zu werden, dann etwa, wenn man Platz 100 auf einer Top100-Liste zugewiesen bekommt. Es sei denn, es handelt sich um eine Negativ-Liste, zum Beispiel die der 100 unsexiest women alive.
Listen erleichtern das Erinnern. Das simpelste Beispiel hierfür ist wohl die Einkaufsliste: Eier, Butter, Zucker, Milch – Was wollte ich doch gleich besorgen? Aber auch Rezepte und die eben schon beschriebenen Ranglisten helfen dabei, Wesentliches zu memomieren. Gezielt und systematisch angewandt, können sie allerdings noch mehr. Was direkt zur nächsten These überleitet:
Listen verhindern das Prokrastinieren. Insbesondere dann, wenn es sich um eine To-Do-Liste handelt. Ihr Sinn besteht vor allem im Selbstmanagement, indem anstehende Aufgaben gewichtet und nach Relevanz sortiert werden. So bekommt man sowohl eine Übersicht über den Arbeitsaufwand als auch über die Arbeiten selbst, beziehungsweise das, was bereits erledigt wurde. Ebenso sieht man sehr schnell, was man am Tag schaffen muss beziehungsweise kann und vermeidet so Überlastung oder Unterforderung. To-Do-Listen sind also beides: Plan und (Erfolgs-)Kontrolle, indem man Erledigtes abhakt. Nächster Punkt…
Listen amüsieren. Das Leben ist kurz – Listen zum Glück auch. Das macht sie nicht nur extrem lesefreundlich, es spart auch Zeit und sorgt für Ablenkung und Amüsement. Vor allem wenn die Listen nicht allzu ernst gemeint sind. Etwa eine Liste über den beliebtesten Wurstbelag, eine Hitparade der schlechtesten Aprilscherze aller Zeiten, ein Ranking der dümmsten Powerpointpräsentationen, der schlechtesten Manager oder peinlichsten Sexunfälle. Solche Übersichten erfüllen nicht wirklich ein Informationsbedürfnis und fallen eher in die Kategorie nutzloses Wissen – jedoch mit so hohem Unterhaltungswert, dass es inzwischen eigens Webseiten dafür gibt, wie zum Beispiel Woobby.
Listen fordern heraus. Deutschlands beliebteste Arbeitgeber; die besten Unis; bin ich sexy? – solche Listen spornen an. Gewiss, manche Menschen mehr als andere. Aber gerade im Wirtschaftsleben, das von Wettbewerb und den Kämpfen um Kunden, Marktanteile und Talente beherrscht wird, fordern sie die Beteiligten heraus, ihren Rangplatz und Status mindestens zu verteidigen. Und nicht zuletzt sind die Listen ein wichtiger Teil der Markenbildung.
Listen fordern uns heraus. Mal ehrlich: Lesen Sie Listen gerne, denen Sie 100 Prozent zustimmen? Eben. Listen sind eine wunderbar kompakte Offerte zum Widerspruch und zur Diskussion. Sie animieren Leser dazu, nach besseren Beispielen zu suchen. Deshalb sind Listen auch erst dann stimmig, wenn Sie Fehler enthalten.
Listen machen den Listenführer populär. Weil Menschen aus den bereits genannten Gründen Listen lieben, verschaffen sie dem Autor solcher Hitparaden viel Aufmerksamkeit – ein Umstand, den insbesondere Zeitungen und Zeitschriften immer wieder Nutzen. Blogger aber auch. Und da wenige Zahlen offenbar mächtiger sind als viele Worte, bringen Listen Leser dazu, jeden Text bis zum Ende zu lesen, egal wie trivial das Thema ist. Wie dieser Beitrag beweist.







Jochen Mai
Apropos Listen… Eine hab ich noch:
Die vier Stadien des Lebens
1. Du glaubst an den Weihnachtsmann.
2. Du glaubst nicht an den Weihnachtsmann.
3. Du bist der Weihnachtsmann.
4. Du siehst aus wie der Weihnachtsmann.
Jochen Mai
Und noch eine:
Die großen Erfolge des Lebens
Mit 4 Jahren ist Erfolg… nicht in die Hosen zu machen.
Mit 12 Jahren ist Erfolg… viele Freunde zu haben.
Mit 18 Jahren ist Erfolg… einen Führerschein zu haben.
Mit 35 Jahren ist Erfolg… Geld zu haben.
Mit 50 Jahren ist Erfolg… Geld zu haben.
Mit 70 Jahren ist Erfolg… einen Führerschein zu haben.
Mit 75 Jahren ist Erfolg… viele Freunde zu haben.
Mit 80 Jahren ist Erfolg… nicht in die Hosen zu machen.
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