Tricks der Chefetage: Wie man jemanden absägt

Ein Gastbeitrag von Peter Groll

Die Sonne scheint, der Tag neigt sich dem Ende zu. Noch das Jahresgespräch am späten Nachmittag mit dem Vorgesetzten führen und dann ab ins Auto zu Frau und Kind. Vielleicht gibt es vorher noch die erhoffte Beförderung... Von wegen! Der Vorgesetzte eröffnet dem Arbeitnehmer, dass er ab sofort keine Führungsaufgaben mehr hat. Er sei jetzt nur noch Sachbearbeiter. Wäre eigentlich schon schlimm genug. Doch es kommt noch schlimmer...

Unschöne Trennungen gehören zum Alltag

Über Nacht wurde den Kollegen schon per E-Mail mitgeteilt, dass der Mitarbeiter ab heute sich wieder hinten anstellen muss. Und weil sie es selbst kaum glauben können und Angst um ihre eigene Position bekommen, springt dem Arbeitnehmer niemand zur Seite.

Um nicht gleich auf der Straße zu stehen, verkneift sich der besagte Arbeitnehmer eine Klage. Schließlich muss er sein Häuschen abbezahlen und den Job braucht er natürlich auch.

Das ist leider kein Einzelfall. Ich kann aus Erfahrung sagen: Es ist eine alltägliche Situation, die sich quer durch alle Wirtschaftszweige zieht: Überall gibt es unschöne Trennungen. Die heißeste Braut und der heißeste Bräutigam sind irgendwann langweilig oder bringen es in den Augen des Partners nicht mehr. Nur hier heißt der Partner Arbeitgeber - und der arbeitet oft mit bösen Tricks.

Arbeitgebertricks: Wie man jemanden absägt

Die Palette der Arbeitgebertricks ist groß. Sie reicht von der Versetzung aus dem Homeoffice in den Dunstkreis des Vorgesetzten in die Zentrale über das fiese Ansetzen von Meetings freitags um 19 Uhr oder montags um 8 Uhr. Beides führt zum Entzug der Familie, welche in Zeiten von Work-Life-Balance so selbstverständlich nah gewesen ist.

Ergiebig ist auch das Setzen von Fristen und Überschütten mit Arbeit, An- und Abmelden beim Vorgesetzten und kurzfristige Versagung von Urlaub. Ein Büro ohne Fenster, ein PC ohne Internet; Nokia 8210 anstelle iPhone 6.

Dabei kalkulieren die Arbeitgeber durchaus ein, dass ihr Handeln nicht ohne gesundheitliche Konsequenzen bleibt. Die Degradierung führt zu Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen, Übelkeit und mieser Laune. So mancher Mandant saß mit seiner Gattin schon beim Anwalt, und diese meinte dann ernst, sie wolle wieder ihren alten Ehemann zurück, sonst stehe die Ehe auf dem Spiel.

Kein Kraut ist gewachsen gegen Chefwechsel. Will der neue Vorgesetzte seine Vertrauten um sich scharen, wird schnell eine neue Hierarchieebene eingezogen und die Berichtslinien geändert. Beides ist rechtlich schwer angreifbar. Wer hier vom Informationsfluss abgeschnitten wird, der schaut schnell in die Röhre.

Dann kann es auch den umgekehrten Weg gehen: vom Headquarter und Dienstreisen in alle Herren Länder ins Homeoffice mit einem Sonderprojekt, welches am Ende keinen interessiert. Und die Einladung zum Führungskräfte-Seminar wird natürlich auch widerrufen.

Die Taktik des Managers derweil, dem früher kein Wochenende zu heilig und kein Urlaub zu unerreichbar war? Durchhalten – irgendwie!

Warum sagt der Arbeitgeber nicht gerade heraus, dass er eine Trennung für das Beste hält?

Dahinter steckt, Sie ahnen es längst, das Geld. Bereits das Gehalt während der regulären Kündigungsfrist zu zahlen, ist manchem Arbeitgeber bei unliebsamen Mitarbeitern zu teuer.

Hinzu kommen bei langjährigen Führungskräften auch entsprechend lange Kündigungsfristen. Wer Druck aufbaut, kommt billiger davon, weil der Ex-Mitarbeiter in spe bereits seine Kontakte während der Druckphase spielen lässt und sich lieber gleich selbst nach einem neuen Job umschaut, statt sich bei so einem Arbeitgeber mit der Arbeitsgericht-Klage den Platz für die Zukunft zu sichern.

Arbeitnehmer: Was können Sie tun?

Was kann man tun, um nicht erst in die Mühlen zu geraten?

Nicht viel. Die meisten raten:

  • Sich an die wichtigen Personen halten.
  • Entscheider von sich überzeugen.
  • Keine Steilvorlagen für Abmahnungen und Kündigungen bieten.

Doch ist eine solche Abwärtsspirale erst einmal in Gang gesetzt, drehen sich die Betroffenen immer schneller, bis anwaltliche Hilfe die Dynamik durchbricht. Mancher Getriebene versteht erst dank eines Beistands, wie er sich verhalten muss:

  • Beweise sammeln
  • Gesprächsnotizen anfertigen
  • Personalakte anfordern und Inhalt kopieren
  • Gesprächsinhalte durch Mails manifestieren
  • Das richtige Spiel von gelbem Schein und Arbeitsaufnahme spielen
  • Die richtigen Dinge kommunizieren und sich nicht in die Karten schauen lassen.

Wer keinen Bock schießt und zum Beispiel Spesen falsch abrechnet, der hat gute Chancen im Verhandlungsprozess mit einer entsprechenden Abfindung dann doch noch ein finanzielles Gefühl von Gerechtigkeit zu bekommen.

Gerechtigkeit selbst wird es dabei aber nicht geben, und erst Recht auch keine gedeihliche Zusammenarbeit mehr. Die war ohnehin vom Arbeitgeber nie beabsichtigt. Wer so denkt und hofft, ist naiv.

Letztlich geht es darum, die Räder der Organisation durcheinander zu bringen. Seilschaften zu zerstören und Risikopotenzial aufzubauen. Nur wenn das funktioniert, kann der betroffene Arbeitnehmer mit einer finanziellen Absicherung einen neuen Job suchen.

Über den Autor

Peter Groll ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt. Für die Karrierebibel analysiert und kommentiert er regelmäßig wichtige und aktuelle Urteile aus dem deutschen Arbeitsrecht.

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