Tschakka! Du schaffst es! – Ich nehme an, auch Sie haben diesen Satz schon ein paar Mal gehört. Nicht? Aber zumindest seine Verwandten kennen Sie? “Du schaffst alles, was du willst.” Oder: “Sag dir immer wieder: Ich kann das! Ich kann das! Ich kann das! Dann gelingt es dir auch.”
Das ist, keine Frage, mindestens gewöhnungsbedürftig. Kommt aber ursprünglich aus dem Umfeld des Neurolinguistischen Programmierens (NLP), wonach man mit derart autosuggestiven Sätzen seine Motivation, Leistungen, ja sogar seine Fähigkeiten positiv beeinflussen können soll.
Kann funktionieren, wird’s aber nicht. Jedenfalls nicht so gut und nicht in dieser Form, sagt Dolores Albarracin von der Universität Illinois. Sie ging der Sache mit den suggestiven Selbstgesprächen nach und experimentierte dabei mit zwei unterschiedlichen Formulierungen:
“Ich werde!” (also dem typischen Tschakka-Duktus) und “Werde ich?”
Albarracin ließ ihre Probanden nun zunächst eine der beiden Phrasen auf einem Zettel notieren. Ein klassisches Prä-Priming also. Anschließend mussten sie einen Test absolvieren und verschiedene Begriffe zu neuen Wörtern kombinieren. Das Ergebnis aber überraschte alle: Von den 50 Teilnehmern bestanden jene Probanden, die zuvor ein “werde ich” notiert hatten, die Aufgabe deutlich öfter. Offenbar war die Motivation bei den Selbstfragern wesentlich größer als bei den Selbsteinflüsterern.
Bei einem zweiten Test sollten die Teilnehmer sagen, ob sie in der kommenden Woche im Studium gut abschneiden wollten. Anschließend wurde per Fragebogen ihre intrinsische Motivation gerprüft. Wieder dasselbe Ergebnis: Die Selbstfrager waren deutlich motivierter. Die These, dass Selbstbestätigung die Fähigkeit von Menschen verstärkt, scheint demnach so nicht zu stimmen. “Wenn es um ein spezifisches Verhalten geht, scheint es vielversprechender zu sein, sich Fragen zu stellen”, sagt Professor Albarrain.
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Andreas Buschmeier
Ich bin zwar weder NLP-Spezialist noch sonderlich überzeugt von dieser Methode, aber die Wirkung von Fragen wird m.W. bereits länger in dem Bereich anerkannt.
Allerdings wäre die Frage im o.g. Beispiel nicht neutral – “werde ich in meinem Studium gut abschneiden?” – formuliert.
Vielmehr sollte implizit ein positives Ergebnis suggeriert werden. Also z.B. “Wie werde ich in meinem Studium gut abschneiden (und dabei Spass haben)?”
Die im Artikel erwähnten Untersuchungsergebnisse lassen mich meine kritische Haltung gerade neu überdenken….
Franz Josef Neffe
Ich erforsche die Autosuggestion seit 35 Jahren in der Tradition von E. Coué. Aus seinen unentgeltlichen, öffentlichen Sitzungen wurden keine Misserfolge berichtet. Durch Coués praktische Erfolge wurde die Autosuggestion in wenigen Jahren eine weltberühmte Selbsthilfe-Methode. Coué schaffte das, weil sehr viel sorgfältiger mit Gabe des Geistes umging als alle. Das könnte man ja nachmachen.
NLP ist eines der Nachfolgemodelle. Die neue Ich-kann-Schule auch. Wenn wir mit den geistigen Kräften so fein umgehen, wie sie sind, bekommen wir auch feine Ergebnisse. Zunehmende Mühe ist immer ein deutliches Zeichen, dass man alles Wesentliche verkehrt macht. Machte man es richtig, ginge es ohne Mühe. Autosuggestion ist also nicht nur eine Einbahnstraßen-Technik: Man bekommt auch Antworten, die einem helfen, seine Autosuggestion weiter zu verbessern.
smiley
Hi Leute,
Ich bin der Meinung das eine Suggestivfrage keine Frage ist. Es ist vielmehr dasselbe wie ein Antwort. Die Motivation dahinter ist doch entscheidend. Die Motivation ist es auch, die dieses ganze Spiel ad absurdum treibt. Wenn man sich wiederum ehrlich die Frage stellt, ob man es schafft, dann will man es vielleicht auch versuchen und versucht dann herauszufinden, ob man es wirklich schafft.
An NLP und das ganze Beiläufige glaube ich nicht. Zunehmende Mühe ist nicht zwangsläufig ein Zeichen, dass man alles Wesentliche verkehrt macht. Nichts geht ohne Mühe. Gibt es doch Bereiche, in denen man Mühe nicht wahrnimmt – ich spreche vom Flow-Zustand – so merkt man doch auch nach dem Flow-Zustand, dass der Flow-Zustand einiges an Mühe gekostet hat.
Jochen Mai
@Andreas: Vielen Dank für den Hinweis. Die Fragen sind durchaus anerkannt – allerdings genießen sie nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie eben die Suggestivsätze. Und das, obwohl ihre Wirkung besser zu sein scheint.
@Franz: Das war jetzt zwar viel Werbung für Coué, aber was das genau ist, wissen wir jetzt immer noch nicht. Mögen Sie das vielleicht noch erklären?
@Smiley: Danke für den wertvollen Hinweis zum Flow und der Mühe. Aber Motivation allein reicht eben auch nicht immer – siehe all die guten Vorsätze zum nicht mehr Rauchen, Abnehmen oder mehr Sport machen. Dass Gedanken Macht über uns haben, wissen wir wiederum von zahlreichen selbsterfüllenden Prophezeiungen – ganz ohne NLP. Und wie die obigen Experimente zeigen, haben spezifische Erfolgsgedanken (ob nun als Imperativ oder Frage formuliert) messbare Wirkung auf uns Menschen. Und das Spannende ist doch, zu sehen, dass bestimmte Fragen eine womöglich stärkere Wirkung besitzen. Meinst du nicht?
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