Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Der Blick geht nur noch geradeaus, Sie schotten sich von allem anderen ab und kriegen kaum noch mit, was um Sie herum passiert. Ein klassischer Tunnelblick. Gerade im Job ist dieses Phänomen weit verbreitet, macht Arbeitnehmern das Leben schwer und sorgt regelmäßig für Fehler, die von außen betrachtet kaum nachvollziehbar sind. Zwar könnte argumentiert werden, dass ein Tunnelblick zu einem größeren Fokus führt, doch die Nachteile und Gefahren überwiegen diesen möglichen Vorteil bei weitem. Aber weil ein Tunnelblick unterbewusst einsetzt, ist es schwer, diesen gänzlich zu verhindern. Sie müssen aber nicht darin gefangen sein, sondern können dem Tunnelblick ein schnelles Ende setzen...

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Was genau ist ein Tunnelblick?

Tunnelblick Definition Ursache Gründe Tipps überwinden loswerden negative GefühleAls Tunnelblick wird eine verengte Wahrnehmung bezeichnet, bei der Sie das große Ganze aus den Augen verlieren. Sie verlieren sich in Details, bekommen kaum noch mit, was um Sie herum geschieht, nehmen wichtige Informationen vielleicht gar nicht mehr wahr und verrennen sich immer weiter. Anstatt das Gesamtbild zu betrachten, ist Ihre Wahrnehmung auf einen winzig kleinen Teilaspekt konzentriert, wodurch Ihnen alles andere entgeht.

Bildlich gesprochen können Sie sich vorstellen, Sie hätten Scheuklappen auf. Was links oder rechts passiert, bekommen Sie überhaupt nicht mit. Der Blick ist nur noch geradeaus gerichtet. Im Job tritt ein Tunnelblick oftmals bei sehr umfangreichen und komplexen Projekten oder Aufträgen auf. Gerade hier wäre es wichtig, alle Puzzleteile zu einem Gesamtergebnis zusammenzufügen und den Überblick zu behalten, doch stattdessen wird sich nur auf ein einzelnes Problem oder einen eher unwichtigen Aspekt konzentriert.

Auch wenn Sie nur noch Ihre eigene Sichtweise sehen und andere Meinungen oder Standpunkte gänzlich ignorieren, handelt es sich um eine Form des Tunnelblicks. In diesem Fall wird stur darauf bestanden, dass die eigene Ansicht stimmt und unantastbar ist. Wer gegensätzlich argumentiert oder Informationen vorbringt, die gegen die eigene Meinung sprechen, wird einfach ausgeblendet und gar nicht beachtet.

Ein Tunnelblick kann auch für bestimmte Bereiche auftreten. Viele Menschen neigen beispielsweise dazu, nur das Negative um sie herum zu sehen, sich ausschließlich auf Kritik zu fokussieren und Positives gänzlich auszublenden.

Was löst den Tunnelblick aus?

Im Berufsleben ist in der Regel Stress die Ursache für einen Tunnelblick. Wenn immer mehr auf Sie einprasselt, die Aufgaben und Unterlagen sich auf Ihrem Schreibtisch stapeln und Chef oder Kollege im Minutentakt vor Ihrer Tür stehen und weitere Anliegen mitbringen, schotten Sie sich immer weiter nach außen ab. Dahinter verbirgt sich erst einmal eine normale Schutzreaktion.

Wird der Stress um Sie herum zu groß, droht die Überforderung Sie komplett in die Knie zu zwingen. Um das zu verhindern und überhaupt noch in der Lage zu sein, mit Ihrer Arbeit weiterzumachen, konzentrieren Sie sich nur noch auf einen sehr kleinen Teil - den Sie aber unter Kontrolle haben, ohne das Gefühl zu haben, von der Arbeitslast erdrückt zu werden.

Ein weiterer möglicher Grund für einen Tunnelblick ist Müdigkeit. Ob nun körperlich oder mental, wenn Ihnen die nötige Energie fehlt, fangen Sie an, Dinge auszublenden und nicht mehr wahrzunehmen.

So kann auch Mobbing für einen Tunnelblick am Arbeitsplatz verantwortlich sein. Auch hier wollen Sie sich selbst schützen und sind vermutlich bereits so frustriert, dass Sie sich nur noch um Ihre eigenen Anliegen kümmern wollen - was die anderen um Sie herum machen, wollen Sie überhaupt nicht wahrnehmen.

Die Ursachen für einen Tunnelblick können aber auch in einem Mangel an Organisation begründet liegen. Wenn Sie den Überblick verlieren, nicht mehr wissen, wo Ihnen der Kopf steht und überhaupt keinen Plan mehr haben, welche ToDos anstehen, wie diese mit dem Gesamtergebnis zusammenhängen und wo die Prioritäten liegen, bleibt Ihnen kaum etwas anderes übrig, als sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren.

Darum ist ein Tunnelblick so schädlich für Sie

Tunnelblick überwinden loswerden Ursachen Definition Nachteile GefahrenVermutlich ist jeder schon einmal in einen Tunnelblick verfallen - dafür müssen Sie sich nicht schämen, bei den vielen möglichen Ursachen ist es nur allzu nachvollziehbar. Gerade Stress ist heutzutage im Job allgegenwärtig und so ist es schwer, sich dem Tunnelblick vollkommen zu entziehen und immer das Gesamtbild im Blick zu halten. Manchmal vertieft man sich einfach so sehr in die eigenen Aufgaben, dass alles andere in den Hintergrund tritt.

So verständlich es auch sein mag, kann es dennoch problematisch sein, wenn Sie mit einem Tunnelblick durch den Arbeitstag laufen. Die größte Gefahr sind dabei vermeidbare Fehler. Wenn Ihre Wahrnehmung eingeschränkt ist und Sie nicht wissen, was um Sie herum passiert, entgehen Ihnen wichtige Informationen oder neue Daten, die für die Erledigung Ihrer Aufgaben vielleicht benötigt werden.

Oder Sie sehen tatsächlich den Wald vor lauter Bäumen nicht und sind so sehr auf Ihren kleinen Teil fokussiert, dass Sie offensichtliche Lösungen zu einem Problem schlichtweg übersehen und für Stunden an einem Problem festhängen, dass eigentlich keine Herausforderung sein müsste. Dies tritt besonders dann auf, wenn Sie die Meinungen und Ansichten Ihrer Kollegen oder anderer Beteiligter komplett ignorieren und nur noch Ihre eigene Perspektive betrachten und für richtig halten.

Problematisch ist außerdem die Abschottung durch den Tunnelblick - wenn Sie sich nicht von toxischen Menschen oder einem negativen Arbeitsumfeld trennen. Sie grenzen sich vom Team ab und schließen sich selbst aus der Gemeinschaft aus. Anstatt gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten, machen Sie Ihr eigenes Ding. Eine Botschaft, die Ihren Kollegen wahrscheinlich nicht entgeht.

So können Sie dem Tunnelblick ein Ende setzen

Ein Tunnelblick kommt meist ganz plötzlich und ehe Sie es überhaupt richtig mitbekommen haben Sie keinen Überblick mehr, sondern konzentrieren sich nur noch auf Ihren kleinen Bereich. Nur wie kommen Sie da wieder raus und überwinden den Tunnelblick? Glücklicherweise gibt es gleich mehrere Wege, mit denen Sie Ihren Blick wieder weiten, andere Meinungen zulassen und das Gesamtbild der Situation betrachten können:

  • Reduzieren Sie den Stress

    Der erste Schritt sollte es sein, die Ursachen zu bekämpfen und den Stress zu reduzieren, der den Tunnelblick überhaupt erst ausgelöst hat. Schaffen Sie sich mehr Freiräume, reduzieren Sie die Arbeitslast, die auf Ihren Schultern liegt oder verteilen Sie die Projekte neu, um sich selbst mehr Platz zum Atmen zu verschaffen.

    Auch Entspannungsübungen können helfen, weniger gestresst zu sein. Mit wachsender Entspannung im Job wird sich auch Ihre Wahrnehmung wieder verändern und der Tunnelblick schwindet in kurzer Zeit.


  • Betrachten Sie die Situation aus einer neuen Perspektive

    Um innerhalb weniger Minuten aus dem Tunnelblick hinaus zu kommen, sollten Sie versuchen, die Perspektive zu wechseln. Versetzen Sie sich in die Position Ihres Kollegen, des Chefs oder auch eines Kunden und betrachten Sie die Lage durch deren Augen. Was verändert sich aus dieser Sicht? Was haben Sie bisher vielleicht nicht mitbekommen?

    Mit Ihrem Tunnelblick schränken Sie sich selbst ein und ignorieren, was für alle anderen offensichtlich ist. Gerade wenn Sie sich festgefahren haben und nicht von Ihrer Meinung abrücken wollen, kann der Perspektivwechsel sofortige Ergebnisse erzielen, wenn Sie diesen offen angehen und sich darauf einlassen.


  • Suchen Sie eine neue Umgebung

    Um etwas neues zu sehen und wahrzunehmen, ist es tatsächlich empfehlenswert, an einen anderen Ort zu gehen. Sind Sie an Ihrem Computer im Tunnelblick gefangen, gehen Sie in einen anderen Raum oder besser noch nach draußen in den Park oder in ein Cafe. Bringen Sie sich auf andere Gedanken und lenken Sie sich für eine gewisse Zeit ab. Wenn Sie sich anschließend wieder der Arbeit widmen, sehen Sie die Dinge meist schon mit ganz anderen Augen, haben neue Ideen oder sind offener für die Vorschläge, die Sie zuvor rigoros abgelehnt haben.

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