Bereits Ende Juli hat Twitter sowohl Linkedin als auch Instagram der Zugriff auf die Twitter API ganz oder teilweise entzogen. Aus heutiger Sicht war das eines der ersten deutlichen Zeichen für die bevorstehenden Veränderungen des Kurznachrichtendienstes. Letzte Woche lüftete Twitter dann das Geheimnis und gab in einem offiziellen Blog-Artikel die kommenden Änderungen der Twitter API bekannt. Diese könnten weitreichende Auswirkungen haben – nicht nur für Entwickler von Twitter-Clients.
Oberflächlich betrachtet handelt es sich bei allen Änderungen um technische Feinheiten, die Endanwender nicht betreffen. So wird Twitter beispielsweise die Authentifizierung für den Zugriff auf die API zur Pflicht machen, die Anzahl der Zugriffe auf die verschiedenen Schnittstellen mit neuen Grenzen versehen und die Entwickler- und Darstellungsguidelines ändern. Genau dieser letzte Punkt betrifft Unternehmen und Social Media Manager jedoch sehr wohl. Denn die Konsequenzen könnten mittelfristig deutlich spürbar werden.
Aus Empfehlungen werden Vorgaben
Die erste tiefgreifende Änderung: Aus den Empfehlungen zur Darstellung von Tweets werden in der Version 1.1 der Twitter API Vorgaben. Jede Applikation, die sich nicht an diese Regeln hält, muss dazu entweder das Okay von Twitter haben oder wird ausgeschlossen. Diese Änderung könnte für Unternehmen sogar von Vorteil sein. Denn auch wenn Twitter das bisher nicht offiziell sagt, sieht alles danach aus, als würde der Kurznachrichtendienst damit seine promoteten Tweets – die als Werbeflächen buchbar sind – in alle Twitter-Clients drücken wollen. Konkret würde das bedeuten, dass Werbe-Tweets automatisch alle Twitter-Nutzer erreichen könnten. Das Ausblenden der promoteten Tweets – wie es aktuell einige Clients praktizieren – ist durch die neuen Regeln nicht mehr möglich. Die Reichweite der Werbung erhöht sich dadurch enorm. Der Preis vermutlich auch.
Keine Clients von Drittanbietern mehr?
Es ist eindeutig zu früh, um den Untergang aller Drittanbieter-Clients zu prognostizieren. Doch Twitter macht in seinem Blog-Artikel deutlich, wo das Unternehmen die Zukunft und Schwerpunkte seiner Entwicklung sieht. Dazu dient unter anderem die folgende Grafik.

Der dazugehörige Text im Twitter-Blog unterstreicht, was die Grafik bereits andeutet: Dienste wie Klout, Hootsuite oder andere, die Twitter-Daten für Analysen, Statistiken und ähnliches nutzen, sind bei Twitter gern gesehen. Doch traditionellen Twitter-Clients – so nennt Twitter die Programme selbst – wird ein Nutzerlimit auferlegt, dass für die größeren Applikationen zu einem echten Problem werden könnte. Hat ein Programm mehr Nutzer, muss es in Zukunft eng mit Twitter zusammenarbeiten und dessen Auflagen erfüllen, um weitere Nutzer annehmen zu können.
Die Konsequenzen
Die Reaktionen auf diese API Einschränkungen waren unterschiedlich. Während viel kritische Stimmen laut wurden, relativierte beispielsweise Tapbots – das Unternehmen hinter der Applikation Tweetbot – die Änderungen und mahnte zur Ruhe. Doch ein nüchterner Blick auf die Twitter API 1.1 zeigt: Twitter ist auf dem Weg sich gegenüber anderen Diensten abzuschotten und sich stärker auf Unternehmen und Business-Anwendungen zu spezialisieren. Überraschend ist das nicht, denn dem populären Kurznachrichtendienst fehlte bislang ein funktionierendes Geschäftsmodell, dass durch die gesteigerte Kontrolle möglich wird.
Für Unternehmen und Social Media Manager bedeutet das:
- Sie sollten alle Dienste, die Sie in Verbindung mit Twitter einsetzen, prüfen und genau beobachten, ob und wie sich die entsprechenden Unternehmen zu einer Kooperation mit Twitter positionieren. Zeigt ein Unternehmen dazu keine Bereitschaft, sollten Sie sich nach einer Alternative umsehen, da der Dienst vielleicht nicht mehr all zu lange funktionieren wird.
- Ähnliches gilt für Twitter-Clients und automatisierte Workflows. Lassen Sie beispielsweise Ihre Blog-Beiträge automatisch auf Twitter veröffentlichen, kann es durchaus sein, dass Twitter diesen Zugriff auf die APi in absehbarer Zeit abschaltet. Legen Sie sich besser rechtzeitig einen Plan B zurecht.
- Wirklich sicher können Sie nur bei den offiziellen Twitter-Clients sein. Diese werden garantiert weiter gepflegt und unterstützt. Doch leider fehlen diesen Apps – je nach Plattform – wichtige Funktionen wie beispielsweise das Planen von Tweets. Auch hier gilt: Beginnen Sie rechtzeitig damit, Ihren Workflow umzustellen und sich auf die neue Situation einzustellen.
- Wenn auch nur ein Produkt oder Dienst Ihres Unternehmens auf Twitter basiert, sollten Sie umgehend Kontakt mit Twitter aufnehmen und sich um eine klare Aussage oder – falls nötig – Kooperation bemühen. Nur so sind Sie auf der sicheren Seite.
- Die Mehrheit der Nutzer wird Twitter voraussichtlich weiterhin treu bleiben. Doch die Technik und Social Media affinen Nerds und Geeks – die oft auch Multiplikatoren in den Sozialen Netzwerken sind – könnten sich auf Grund der fortschreitenden Abschottung von Twitter zurückziehen. Je nach dem, wie Ihre Zielgruppe aussieht, kann das auch Einfluss auf die Zusammensetzung Ihrer Follower und damit Ihrer Inhalte haben.
Aktuell sind viele der Änderungen nur angedeutet und nicht klar formuliert. Twitter selbst gibt an, dass die Änderungen erst in sechs Monaten zum Tragen kommen werden. Es wird spannend zu beobachten, ob Twitter sich mit diesem Schritt einen Gefallen tut oder sich ins Abseits manövriert.
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
Bewerbungsvorlagen: 16 kostenlose Muster zum Download
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.
