Auf Twitter gibt’s was Neues. Das heißt, eigentlich ist es gar nichts wirklich Neues – eher wird Vorhandenes nur neu genutzt. Hashtags vor allem… Sie verstehen nur Bahnhof? Sorry. Gleich wird’s klarer: Die Rede ist von sogenannten TwitterChats, die sich gerade zunehmender Beliebtheit erfreuen und aus dem Microbloggingdienst so etwas machen, wie ein globales Chatmodul, bei dem jeder mitdiskutieren kann. Und das kann ein großer Spaß werden – oder sehr informativ.
Doch der Reihe nach…
Wie funktioniert ein TwitterChat?
Um einen TwitterChat zu starten brauchen Sie nicht mehr als einen existierenden Twitter-Account, ein paar Leute, die mitmachen – und ein sogenanntes Hashtag – also ein Suchbegriff, dem ein # vorangestellt wird, um ihn als solchen zu kennzeichnen. Dieses Hashtag müssen später allerdings alle im Chat und bei jedem Tweet verwenden, sonst funktioniert der Chat nicht.
Das Prinzip kennen manche Twitterati freilich schon von Messen, Kongressen, Barcamps oder dem Twittwoch. Auch dabei kennzeichnen Besucher ihre Tweets mit einem Hashtag, damit alle Kommentare zu der jeweiligen Veranstaltung zugeordnet werden können. Vorteil: So lassen sie sich später besser in Suchmaschinen finden – oder in speziellen Twitterdiensten, wie Tweetdeck oder Hootsuite, die den Nutzern erlauben, für eben diese Hashtags eine eigene Timeline, eine sogenannte Kolumne, zu eröffnen. Inzwischen gibt es aber auch speziell für TweetChats entwickelte Online-Tools. Eines heißt gleich genauso – Tweetchat eben. Das andere ist Twebevent.
Das weitere Procedere ist denkbar simpel:
- Überlegen Sie sich ein zugkräftiges Thema, über das Sie chatten wollen und nominieren Sie dafür ein möglichst kurzes Hashtag – etwa #Jobchat.
- Soll es ein einmaliges Chatevent werden oder ein regelmäßiges? Dann überlegen Sie sich noch eine gute Uhrzeit, einen regelmäßigen Termin zum Chatten und geben Sie den ebenfalls (im Blog, auf Facebook, auf Twitter natürlich auch, …) bekannt. Zum Beispiel: Jeden Donnerstagabend #Karrierechat zwischen 19 und 20 Uhr.
- Laden Sie noch gezielt Freunde und Bekannte zum Chatten ein – und dann legen Sie pünktlich los. Je mehr mitmachen, desto mehr fällt der Chat auf und erreicht über die öffentliche Timeline eine wachsende Chat- und Fangemeinde.
Was muss ich bei einem TwitterChat beachten?
Jede gute Diskussion braucht einen Moderator. Ohne ufert so ein Chat schnell aus oder ein möglicher Streit eskaliert. Und nicht zuletzt gibt es auch auf Twitter Trolle – Menschen, die nur rumstänkern und destruktive Stimmung verbreiten. Die können Sie hier zwar nicht aussperren, aber bewusst ignorieren, indem Sie die Diskussion steuern, ohne den Störenfrieden Aufmerksamkeit zu schenken. Darüber hinaus können Sie für einen gehaltvollen TwitterChat noch Folgendes vorbereiten:
- Inhalte. Ja, tatsächlich. Auch ein Chat kann zuweilen etwas Substanz vertragen. Etwa, wenn Sie über ein aktuelles Thema aus den Medien disktutieren, können Sie schon einmal die wichtigsten Artikel dazu vorab sammeln und entsprechende Links dann später im Chat posten – als Diskussionsgrundlage oder um der Debatte neuen Schwung zu geben.
- Gäste. Das ist eher was für Fortgeschrittene und eingespielte Chats: Organisieren Sie für die Zeitspanne einen oder mehere prominente Mitdiskutanten. Die ziehen nicht nur Aufmerksamkeit an, sie bereichern – wenn sie sorgsam ausgewählt wurden – auch das Debatten-Pingpong.
- Format. Spielen Sie ein bisschen mit den möglichen Chat-Formaten. Das können mal Chats zu einem Thema oder einer Frage sein. Oder eine Art Fragestunde (mit Experten). Oder ein freies Brainstormen. Hauptsache, es bleibt spannend und abwechslungsreich.
Kann ich bei anderen Chats einfach so mitmachen?
Ja. Absolut! Genau das ist ja der Sinn und Reiz an den TwitterChats. Sie sind offen für alle, die einen Twitteraccount haben und Lust haben, mitzuplaudern und ihr Wissen weiterzugeben. Weil Twitter eine offene Plattform ist, kann jeder jederzeit in die Diskussion einsteigen und auch wieder aussteigen. Natürlich ginge das auch einfach so. Doch gerade dadurch, dass man es Chat nennt, ihm ein Thema, ein Hashtag und einen Moderator gibt, bekommt es einen geordneten Rahmen und damit auch mehr Zugkraft und Fokussierung.
Dennoch gilt es auch bei TwitterChats ein paar Kleinigkeiten zu beachten:
- TwitterChats sind nicht nur offen, sondern auch öffentlich. Das heißt: Alles, was Sie dort sagen oder offenbaren, kann später mit Ihrem Namen in Verbindung gebracht werden. Wählen Sie Ihre wenigen Worte also auch in der Hitze der Debatte weise. Erst recht, wenn es sich um große Chat-Communities handelt. Womöglich werden Screenshots von solchen Chats gemacht und später irgendwo gebloggt!
- Zwitschern Sie nicht sofort drauflos. Lesen Sie ruhig erst mal etwas rein, um den Duktus und auch die Verhaltensregeln der jeweiligen Chat-Gruppe zu erkennen. Warten Sie aber auch nicht zu lange. Das offene Gespräch lebt umgekehrt ja auch von der Spontaneität der Mitstreiter.
- Spammen Sie die anderen auf keinen Fall zu. Also keine werblichen Links posten oder Links zu Blogbeiträgen setzen, die mit dem Thema kaum etwas zu tun haben sowie die Diskussion nicht voranbringen. Es hat etwas mit gegenseitigem Respekt zu tun, sachlich und am Thema zu bleiben. Nur so hilft der Zwitscher-Chat wirklich weiter und auch der Spaß geht dabei nicht flöten.
Lust auf einen Karrierebibel-Chat?
In den USA sorgen regelmäßige TwitterChats bereits jetzt für Furore. Zwölf inspirierende Chattermine und Themen finden Sie beispielsweise HIER. In Deutschland bin ich diesbezüglich noch nicht fündig geworden. Aber das muss ja nicht so bleiben. Daher meine Frage an Sie: Hätten Sie Lust auf einen ersten Versuch – einen ersten Karrierebibel-Chat auf Twitter? Welches Thema brennt Ihnen dabei unter den Nägeln? Worüber wollten Sie mit mir und anderen Lesern schon immer mal chatten? Schreiben Sie es mir in die Kommentare – und wir finden einen Termin…!
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Steffen Peschel
Hab das letztens mal drüber nachgedacht, wie ein tool aussehen würde, das noch mehr aus einem twitterchat holen würde: http://notizen.kultur2punkt0.de/post/6583163438/offene-diskussionsrunden-via-twitter-hashtag
und vor einen ganzen weile hatte ich im blog vom startcamp dresden schon mal den #npochat vorgestellt: http://www.startcamp-dresden.de/vorgestellt-npo-blogparade-und-npochat/
Isabell
Nette Idee – ganz furchtbar, wenn sie umgesetzt wird. Bitte nicht ausweiten! Das Ergebnis ist nichts anderes als eine Timeline, die mit Chatfetzen berieselt wird. Was bleibt ist das dringende Bedürfnis, die Teilnehmer aus der eigenen Liste zu streichen. So interessant sie sonst auch sein mögen.
Vor Jahren gab es mal IRC-Server zum chatten, ich bin sicher, die finden sich noch. Wozu Twitter zweckentfremden? Klares: dagegen.
Es gibt übrigens die Reisenacht, #RN8.
Jochen Mai
Mitchatten könnte ja auch eine Option sein. Ebenso das Mitlesen.
Solange das zeitlich begrenzte Events sind, sehe ich da überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Ich halte diese häufig genannte Sorge um die Timeline eher für vorgeschoben. Einerseits sagen viele, sie wollen über Twitter kommunizieren und informiert werden. Und wenn dann mal wirklich substanziell gechattet wird, heißt es: Weia, meine Timeline wird vollgespammt! Aber all die Befindlichkeitstweets, die ewigen Zitatesammlungen, Gags und “Guten Morgen”-Tweets sind so viel besser??? Glaub ich nicht.
Und bei Ereignissen wie dem Eurovision Songcontest oder Germany’s Next Irgendwas twittern doch auch zig Leute in der Timeline über das Ereignis. Das tolerieren auch alle – eben weil es temporär begrenzt ist. Keiner redet ja von einem Chat-Marathon. Eine Stunde Chat, alle zwei oder vier Wochen offene Diskussion zu einem fokussierten Thema – wieso ist das immer hierzulande so ein Riesenproblem? In den USA wirds einfach gemacht und die meisten finden es völlig ok…
Isabell
“Mitchatten könnte ja auch eine Option sein.”
Betrunkene sind eben am witzigsten, wenn man selbst auch dicht ist /scnr :-)
Tweetdeck & ausblenden, okay. Oder man bleibt bei der herkömmlichen Lösung: An nervigen Tag-Abenden das Zwitschern/Lesen bleiben lassen. Fangen wir an, bei Twitter zu chatten, sind das bald sieben in der Woche. Und wir reden hier nicht von 3-4 Tweets von 3-4 Leuten. Im Zweifelsfall schreibt eine (sonst interessante, sonst wäre es egal) Person 20 Nachrichten, die niemandem etwas sagen.
Ich sehe die Notwendigkeit nicht, wie gesagt. Warum nicht mal wieder ganz altmodisch chatten? Die Chatrooms der Web 1.0-Zeit waren übersichtlich, einfach zu moderieren, technisch anspruchslos. Für die Teilnehmer: viel praktischer als Twitter. Dagegen: “Substanziell gechattet” auf 140 Zeichen? Schwierig, finde ich. Trolle können nicht ausgeschlossen werden, Aussagen werden zerhackt.
Und: “Weia!” trifft es wirklich gut. Ich möchte interessante Neuigkeiten nicht verzögert erfahren, nur weil meine Timeline mir auf den Geist geht.
Jochen Mai
Achso, wer über ein Thema diskutiert (was im Übrigen auch so auf Twitter passiert), kommt einem Betrunkenen gleich?! Na dann doch lieber Katzen-Content… ;)
Und offen gestanden: Die meisten Tweets sagen niemandem etwas, der nicht irgendwie involviert ist. Und womöglich ist es ja auch eine Chance, neue Twitterer oder Themen zu entdecken. Aber wir können auch alles beim Alten lassen. Haben wir ja schon immer so gemacht. Warum was Neues ausprobieren? Wo kämen wir da hin?!
Isa
Das ist der Punkt: Es wurde bereits ausprobiert.
Öffentliche Chats bei Twitter finde ich, den Stalkern gegenüber, rücksichtslos. Aber da sind wir endgültig bei der individuellen Meinung angekommen.
Starten Sie was.
Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Teilnehmer Spaß daran haben werden. Derzeit läuft doch Germany’s Next Topmodel; ich bin klar für Donnerstag, 20:15, als Termin :)
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