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5 von Jochen Mai am 22. Mai 2009 → Artikel in Büro
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U-Turn – Ab wann Leistung schadet

yekesdodsonDas Geheimnis der Managersprache besteht bekanntlich darin, dass sie mehr verbirgt als sie enthüllt. Nur manchmal, wenn man die Sprache beim Wort nimmt, entlarvt sie sich selbst als Hülse. Etwa wenn Manager so Sachen sagen, wie: „An der Spitze wird die Luft immer dünner. Das Einzige, was dann noch hilft, ist ein langer Atem.“ Oder: „Zeig bloß keine Schwächen. Das nutzen die anderen sofort aus. Also sag, wo es langgeht, auch wenn du nicht weißt wohin.“ Und natürlich der Klassiker: „Leistung ist Erfolg.“

Aus der Psychologie weiß man heute, dass der Mensch irgendwann glaubt, was er nur oft genug hört. Die Wiederholung ist zwar die Mutter aller Lerneffekte, dummerweise hat sie aber auch einen Stiefsohn: den Irrtum. Auch der wächst und gedeiht mit ständiger Wiederkehr. Und das ist ziemlich blöd – genauso wie der Satz „Leistung ist Erfolg“.

Tatsächlich glauben viele Menschen, wenn sie nur stärker, härter, schneller arbeiten, dann erzielen sie auch bessere Ergebnisse. Was sie durch ihren überhöhten Selbstanspruch in Wahrheit erzielen, sind aber nur mehr Druck, Stress und weniger Zeit. Und irgendwann entsteht ein Leistungsleck: Man klotzt ran wie verrückt und erreicht immer weniger.

Dieses Phänomen wurde bereits 1908 von den beiden Psychologen Robert Yerkes und John D. Dodson entdeckt. Sie entwickelten daraus die gleichnamige Yerkes-Dodson-Kurve, die wie ein umgedrehtes U aussieht. Den Studien zufolge verhält es sich mit der Leistung so: Mit wachsendem Einsatz und wachsendem Stress steigt zunächst die Produktivität eines Menschen – jedoch nur bis zu einem Scheitelpunkt, dem Leistungsoptimum. Danach bringt Mehrarbeit gar nichts. Im Gegenteil: Die Produktivität fällt nur noch schneller ab. Schlimmstenfalls entsteht so ein Burnout-Syndrom, also das totale Ausgebranntsein.

buroschlafVerstehen Sie mich nicht falsch. Das wird jetzt kein Plädoyer für Dienst nach Plan oder Faulheit nach Fünf. Dafür aber sehr wohl eines für smarteres Arbeiten. Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen: Bei einem Wettlauf bekommt der Sieger eine Prämie von 10.000 Euro, der Zweite nur noch 5000 Euro. Der Sieger erhält also doppelt soviel Preisgeld wie sein ärgster Verfolger – jedoch nicht, weil er auch doppelt so schnell gelaufen wäre! Er war nur eine Nasenlänge voraus. Und das reicht. Die Effizienz der Mittel bringt den Sieg – nicht der Einsatz.

So ist es auch mit der täglichen Arbeit. Nicht wie viel wir machen, sondern wie und wann wir etwas machen, entscheidet über den Erfolg. Denn auch das ist eine interessante Yerkes-Dodson-Erkenntnis: Die Kurve verläuft bei jedem Menschen anders. Mal ist sie runder, mal flacher, mal spitzer, mal symmetrisch, mal unförmig. Das heißt: Auch Stressanfälligkeit und Belastbarkeit, beziehungsweise das jeweilige Leistungshoch liegen bei jedem Menschen unterschiedlich.

Den individuell richtigen Stresslevel zu finden, ist daher der erste Schritt zu größerer Produktivität, Zufriedenheit – und letztlich auch zu mehr Erfolg. Anderen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge liegt dieser Scheitelpunkt in der Regel dort, wo die Überforderung soeben beginnt. Hier herrscht definitiv keine Langeweile, die kontraproduktiv wirkt (der Stress ist links vom Scheitelpunkt zwar gering, die Produktivität allerdings auch). Aber auch noch keine richtige Überforderung, wie rechts daneben, die letztlich zu Frust, Denkblockaden und Totalversagen führt. Diesen Zustand nennen Wissenschaftler den „Flow“.

Der zweite Schritt – und das ist die eigentlich gute Nachricht – besteht darin, sein eigenes Leistungshoch weiter nach oben zu verschieben. Denn die Kurve ist sowohl in ihrer Höhe als auch in ihrer Form veränderbar. Etwa durch mentales Training oder regelmäßige Pausen, wenn der Stresslevel zu weit ansteigt sowie durch körperliche Fitness.

Produktivität ist erlernbar wie das Durchschauen von Managerfloskeln.



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1. Kommentar

connymaniac
25.05.09 um 13:41 Uhr

Dazu gibt’s die nette kleine Story von den beiden Typen, die in der Wildnis einem Bären begegnen: A: “Um Himmels willen, was sollen wir denn jetzt tun?” – B: “Also ich werde wegrennen.” – A: “Du glaubst doch nicht, dass Du schneller bist als ein Bär?” – B: “Muss ich nicht, ich muss nur schneller sein als Du.”

Man muss nicht der Beste sein, nur besser ;-)

2. Kommentar

Jochen Mai
25.05.09 um 21:47 Uhr

Die Geschichte kannte ich zwar schon, aber sie ist wirklich gut – und passt perfekt. Danke.

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