Jeder Mensch ist ersetzbar. Es gibt keinen Job für den es nur einen Spezialisten auf diesem Planeten gäbe. Und jeder Chef ist auch gut beraten, sein Unternehmen so aufzustellen, dass es auch dann überlebt, wenn tragende Talente kündigen und abwandern. Wer also versucht, durch hektische Betriebsamkeit seine Unentbehrlichkeit zu unterstreichen, hat zwar im Prinzip einen guten Gedanken. Nur ist die Ausführung völlig falsch. Selbst Leistungsträger sind vor Entlassungswellen nicht sicher. Aber schon mal sicherer als irgendwelche Butterköpfe, die allenfalls lustlos Dienst nach Vorschrift schieben. Leistung und Leidenschaft sind essenziell für den persönlichen Erfolg – aber eben auch für den eines Unternehmens. Deshalb ist das Bestreben schon gut und richti, Leistungsträger zu werden. Und das völlig unabhängig von der jeweiligen Hierarchiestufe. Nur…

Wie wird man ein Leistungsträger?

Lediglich ein guter Mitarbeiter zu sein, reicht dazu nicht. So viel steht schon mal fest. Gute Mitarbeiter sind ihr Geld wert, sicher, wirklich wertvoll werden sie aber erst, wenn sie Außergewöhnliches leisten, Überdurchschnittliches, positiv Überraschendes. Erst dann schaffen sie den sprichwörtlichen Mehrwert, nach dem sich jeder Chef sehnt. Das gelingt zwar keinem jeden Tag – es sei denn, Sie sind Superman. Aber die Tendenz sollte in diese Richtung gehen. Und das geht sie, wenn Sie neben guter Arbeit, diese vier Attitüden beherzigen:

Das Erste ist: Strengen Sie weniger an! Nicht: Strengen Sie sich weniger an, sondern machen Sie weniger Mühe. Es gibt Mitarbeiter, die zapfen einem das letzte bisschen Kraft aus dem Leib. Egal, wie gut sie in ihrem Job sind, sie nerven und machen den eigenen Job nur noch aufreibender. Jeder Manager kennt solche Leute und rollt sofort mit den Augen, wenn er an diese Pflegefälle denkt: Ganz vorne dabei sind die Denkfaulen. Sie sind nicht zu verwechseln mit den insgesamt faulen, arbeitsscheuen Kollegen. Die sind eine Katastrophe. Es sind vielmehr jene, die durchaus gute Ideen haben, diese vorbringen, dann aber müde werden, weiter darüber nachzudenken und als Folge Unausgegorenes zurücklassen. Diese Leute mögen gute Absichten haben. Weil sie aber nie fertig denken, sind sie eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Sie sind wie Kinder, die sich einen Hund wünschen, ohne darüber nachzudenken, wer hinterher das Tier täglich Gassi führt, den Tierarzt bezahlt und sich im Urlaub darum kümmert. Wer sich selbst und seinem Chef einen Gefallen tun will, sollte seine Analyse abschließen, bevor er Vorschläge macht. Perfekt muss das nicht sein – aber die wichtigsten Einwände sollte es berücksichtigen.

Nachteilig wirkt auch, sich die Rosinen herauszupicken und die unangenehme Arbeit anderen zu überlassen. Gewiss, jeder Job hat lästige Teile, und jeder im Betrieb hat schnell heraus, welche das sind. Und keiner reißt sich darum. Man sammelt aber weder Sympathie- noch Karrierepunkte, indem man sich davor drückt. Leistungsträger erledigen diesen Part schnell, unsichtbar, vor allem aber ohne zu murren.

Das Dritte: Sparen Sie Zeit. Selbst produktive Mitarbeiter können ein Unternehmen belasten – wenn sie für ihre Arbeit zu viele Ressourcen beanspruchen. Wenn sie etwa vor Ideen und Eifer nur so sprühen und ihrem Chef jeden Fortschritt mitteilen, erhöht das einerseits ihre Sichtbarkeit, was gut ist. Es senkt aber zugleich die Produktivität des Chefs. Denn der hat auch noch einen Job und nicht bloß Zeit für Tausendsassas, die ein paar Streicheleinheiten brauchen. Die Kunst ist, das richtige Maß zu finden – zwischen Engagement und der Energie, die man dabei bindet.

Viertens: Arbeiten Sie für sich! Kein Scherz. Zwar ist damit nicht gemeint, in die eigene Tasche zu arbeiten oder heimlich Kopierpapier einzustecken. Die meisten Menschen aber arbeiten für Geld. Daran ist nichts Falsches. Dennoch wundern Sie sich darüber, dass es sie nicht leidenschaftlicher macht. Kann es aber nicht. Aus der Motivationsforschung weiß man heute, dass Geld höchstens kurzfristigen Antrieb geben kann. Durch eine Prämie oder ein hohes Gehalt fühlen sich die Leute gewertschätzt und strengen sich kurzfristig mehr an. Doch schon nach ein paar Wochen ist die Wirkung verpufft. Also müsste die Dosis – wie bei einem Junkie – stetig gesteigert werden. Das aber gefährdet sogar eher noch den Job des betroffenen Mitarbeiters, weil der mit der Zeit für das Unternehmen zu teuer werden kann. Davon abgesehen ist die Botschaft auch völlig falsch: Wir arbeiten eben nicht nur für Geld oder einen Arbeitgeber. Wir arbeiten immer auch für uns selbst. Und genau das wissen Leistungsträger: Je mehr sie in ihrem gewählten Job leisten, desto mehr erfüllt er sie. Erfolge wiederholen zu können, zu wissen, dass man seinen Job beherrscht und zu beobachten, wie man daran wächst – das motiviert.

Natürlich gibt es noch mehr Punkte, wie man ein Leistungsträger werden kann. Aber diese vier sind aus meiner Sicht schon mal ein guter Anfang und Herausforderung genug. In dem Sinne: Eine erfolgreiche Woche!