Studenten kennen das Problem: Die Pflichtvorlesungen sind häufig so umfangreich, dass auch für hochinteressante Wahl-Seminare oder Orchideen-Fächer keine oder nur wenig Zeit bleibt. Die Vorlesungen zum wissenschaftlichen Arbeiten sind meistens – leider nicht immer – Pflichtveranstaltungen, doch Schreibtrainings werden kaum besucht. Dabei sind gerade diese Seminare für Studenten wichtig. Doch nicht nur Studenten profitieren von einem professionellen Schreibtraining, auch Arbeitnehmer und Freiberufler können dadurch enorm weiterkommen.
Vielleicht reagiert der eine oder andere Leser gerade so, wie viele meiner Coachees. Die häufigste Reaktion lautet: “Schreiben kann ich schon, die Zeit spare ich mir lieber.” Verständlich – und ein großer Fehler. Klar, wenn Sie das Schreiben auf den rein mechanischen Vorgang reduzieren, stimmt diese Aussage. Doch so bald es darum geht, strukturierte und gut lesbare Texte zu verfassen, sieht die Sache anders aus. Diese Fähigkeit beruht einerseits auf Übung, andererseits jedoch auf grundlegenden Fähigkeiten und Regeln, die bis zu einem gewissen Grad lernbar sind.
Ein professionelles Schreibtraining wird aus Ihnen nicht automatisch einen Star-Autor machen. Doch sowohl Ihr Schreibstil als auch Ihre Fähigkeit, Texte strukturiert anzugehen, können sich dadurch spürbar weiterentwickeln. Um diese Wirkung zu erzielen, muss jedoch eine Voraussetzung erfüllt: Gehen Sie offen und lernbereit in das Training. Klingt einfach, doch gerade wenn Sie bereits längere Zeit schreiben, kann es schwierig sein, sich ganz auf ein Schreibtraining einzulassen. Denn ein guter Schreibcoach wird Sie höflich aber bestimmt auf Fehler und Verbesserungspotenzial hinweisen. Um wirklich vom Training zu profitieren, müssen Sie Ihr Ego ausschalten und die Hinweise des Trainers annehmen.
Kriterien für die Wahl des Seminars
Google findet unter dem Stichwort “Schreibtraining” aktuell mehr als 80.000 Ergebnisse. Darunter befinden sich naturgemäß viele Trainer und Schreibwerkstätten, die alle mit eigenen Schreibkursen werben. In jeder größeren deutschen Stadt finden Sie inzwischen mehrere Angebote dieser Art, die oft auch von Universitäten und Hochschulen durchgeführt werden und externen Teilnehmern offenstehen.
Die folgenden Kriterien können Ihnen bei der Wahl des Schreibtrainings als Orientierung dienen:
- Der Trainer hat bereits mehrjährige Erfahrung in diesem Bereich.
- Sie können Texte des Trainers im Vorfeld online oder offline durchlesen.
- Sie finden – glaubwürdige – Erfahrungsberichte ehemaliger Teilnehmer.
- Die Kursbeschreibung deckt zwar Ihre Themenfelder ab, ist jedoch nicht zu breit aufgestellt.
- Der Trainer antwortet auf Ihre Kontaktaufnahme im Vorfeld und geht auf Ihre Fragen ein.
Aus meiner eigenen Erfahrung als Coach bitte ich Sie jedoch, sich beim letzten Punkt auf die notwendigen Fragen zu beschränken. Wer versucht, sich durch ausführliche Fragen im Vorfeld das Seminar zu sparen, wird vermutlich keine Antwort erhalten.
Die meisten Schreibtrainings konzentrieren sich auf ein Thema oder einen Themenbereich. Überlegen Sie daher bitte genau, welche Fähigkeiten Sie in Angriff nehmen wollen. Mögliche Themen sind:
- Literatur- und Zitatarbeit
- Erstellung einer Gliederung
- Wissenschaftliches Schreiben
- Strukturierung von Texten
- Schriftliche Argumentation
- Kreatives Schreiben
- Schreiben von Geschäftsbriefen
- Erstellung von Quartals- oder Projektberichten
- Planung und Umsetzung großer Schreibprojekte
Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Entscheidend ist, dass Sie den für sich passenden Kurs wählen und Zeit und Geld sinnvoll investieren.
Die noch offene Frage nach den Kosten lässt sich nicht pauschal beantworten. Persönlich kenne ich Preise zwischen 150 und 500 Euro für einen Tageskurs, es gibt jedoch auch Angebote darunter, nach oben existiert ohnehin keine Grenze. Wenn Sie einen guten Trainer und das passende Seminar finden, wird sich die Investition – meiner Meinung nach – auszahlen. Sie schreiben dann nicht nur überzeugender und strukturierter, Sie verlieren auch die vielleicht vorhandene Angst vor der leeren Seite. Dadurch verfassen Sie Ihre Texte schneller und in besserer Qualität. Und das bringt Sie sowohl im Studium als auch im Job weiter.
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