Buero-Dschungel-Survivalguide
Im Büro geht es zuweilen zu wie im Dschungel. Es gilt: Fressen oder gefressen werden. Überall lauern Raubtiere, Faultiere und ganze Affenhorden, die einem das Arbeiten zur immerwährenden Dschungelprüfung machen. Vor allem, wenn man neu im Busch, pardon Büro ist. Wie Sie dennoch im Bürodschungel überleben, erfahren Sie in unserem Survivalguide für Bürobewohner...

Kampf ums Überleben im Büro-Dschungel

In der Wildnis krabbeln fiese Insekten über den Boden oder schwirren in der Luft, während sich ein paar Nagetiere auf Nahrungssuche begeben. Im Menschen-Zoo holen sich die Kollegen Kaffee, Lieferanten bringen Waren und Büroassistenten verteilen die Post. Es herrscht ein unaufhörliches Gewusel. Die meisten haben sich perfekt an ihre Umgebung angepasst, andere führen einen ewigen Kampf um Aufstieg, Anerkennung, sozialen Status und Macht.

Diverse Studien belegen, dass sich dieser Kampf auf Dauer negativ auf die Gesundheit und Psyche der Arbeitnehmer auswirkt. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass rund 40 Prozent und damit die Mehrheit der Arbeitnehmer ihr Dasein in einem Großraum- oder zumindest in einem Mehrpersonenbüro fristet.

Lärm, Hektik, wenig Platz und keine Privatsphäre lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Es stresst uns, dass es ständig so laut ist, dass alle immer hin und her laufen und dass uns jeder unerwartet über die Schulter gucken kann. Der andauernde Stresszustand, in dem wir uns befinden, hindert uns daran uns zu konzentrieren und kratzt an unserem Nervenkostüm. Wir werden zum gehetzten Tier: erschöpft und anfällig.

Täglich stellt uns das Großraumbüro vor – mit Ex-Dschungelcamp-Bewohnerin Sarah Knappiks Worten – "die schlimmsten Dschungelprüfungen von allen, auch von allen, die noch kommen werden".

Überleben im Büro: Wie Sie die täglichen Dschungelprüfungen bestehen

Survivalguide fürs BüroWas die hiesigen Dschungelprüfungen angeht, haben diese – zum Glück – nichts mit Ungeziefer oder Schleim zu tun. Dafür können wir allerdings auch nicht mit dem rettenden Ausruf "Ich bin ein Star – holt mich hier raus!" den Spuk einfach beenden. Das Dschungelcamp Büro endet eben nicht nach nach einer kurzen TV-Staffel, sondern stellt den täglichen Wahnsinn unseres Alltags dar.

Höchste Zeit also für einen kleinen Survivalguide, der uns aus der Bürohölle hilft, sozusagen ein Cheat-Sheet für den Joballtag...

Survivalguide für Bürobewohner

  • Revier markieren

    In einem Großraumbüro haben Sie nicht viel Platz, den Sie beanspruchen können. Man sitzt dicht an dicht neben seien Kollegen an einem winzigen Schreibtisch, auf dem sich Ordner und Unterlagen stapeln. Um das fragile Gleichgewicht der Büroordnung aufrecht zu erhalten, ist es wichtig, dass jeder sein Revier pflegt und hegt. Doch in jedem Büro gibt es mindestens einen bekennenden Chaoten, der Zentimeter für Zentimeter das gesamte Büro beschlagnahmt. Mit den Worten: "Es stört dich doch nicht, wenn ich den Ordner kurz hier ablege" erobert er die umliegenden Schreibtische oder lässt seine Tupperdosen stehen.

    Wie Sie darauf reagieren?

    Entweder Sie räumen dem Kollegen hinterher oder Sie weisen ihn in die Schranken. Zugegeben, die zweite Mission ist ein bisschen heikel, aber überlebenswichtig. Sie müssen dabei ja nicht gleich agieren, wie ein Schüler, der mit Lineal und Bleistift die Hälfte des Tisches für sich markiert. Ein kurzer Hinweis, dass Sie den Platz brauchen, sollte reichen. Falls nicht, hilft stummer Widerstand: Versucht der Kollege sein Hab und Gut zu verteilen, laden Sie es konsequent auf seinem Schreibtisch ab und erhöhen um eigenen Plunder. Holen Sie sich dabei ruhig Hilfe von anderen Kollegen, denen es ebenso geht. Spätestens, wenn der chaotische Kollege seinen Monitor nicht mehr sieht, begreift er die Botschaft.

  • Duftmarken verhindern

    Nichts ist schlimmer als penetranter Körpergeruch oder Essensduft im Büro. Sie haben in Ihrem Büro einen Kollegen, der unangenehm nach Schweiß riecht oder eine Kollegin, die in Parfum gebadet hat? Und mittags bestellen einige Kollegen indisches Essen? Schnelle Abhilfe schafft hier Stoßlüften. Das eigentliche Problem ist damit allerdings nicht behoben.

    Wie Sie darauf reagieren?

    Entweder Sie schweigen und kommen in Zukunft mit einer Atemmaske ins Büro oder Sie suchen das persönliche Gespräch. Beim Essensgeruch dürfte noch jeder Verständnis zeigen, beim Schweißgeruch aber wird es sehr persönlich. Das geht also nur diskret und stets so, dass der Kollege sein Gesicht wahren kann. Ein guter Opener ist die indirekte Anspielung: "Polyester ist ein furchtbarer Stoff. Man schwitzt so leicht darin." Ansprechen sollten Sie das Problem aber auf jeden Fall – manch eine(r) ist sogar dankbar, weil ihm das selbst nicht bewusst ist.

  • Blutsauger abwehren

    Im Dschungel sind es die Stechmücken, die den Kandidaten den Schlaf rauben. Im Großraumbüro sind es die Kollegen, die uns mit ihren Gefallen jede freie Minute stehlen. Neinsagen, besonders gegenüber dem Chef oder befreundeten Kollegen erfordert viel Mut, denn man möchte nicht für einen faulen Mitarbeiter oder schlechten Freund gehalten werden.

    Wie Sie darauf reagieren?

    Der erste Schritt auf dem Weg zum Nein ist das Bitten um Bedenkzeit. Äußern Sie ruhig, dass Sie sich erst einen Überblick über die eigene Arbeit machen müssen und erst dann entscheiden können. Bleibt Ihr Gegenüber beharrlich, erklären Sie konkret, welche Aufgabe stattdessen liegen bleiben würde und bitten um eine Einschätzung. Auf diese Weise ist es nicht Ihre Schuld, wenn etwas anderes liegen bleibt.

  • Brüllaffen zähmen

    Oft ist es nicht das Grundrauschen im Großraumbüro, das einen nervt, sondern serielle Ausreißer. An den Drucker hat man sich schnell gewöhnt; an den Kollegen, der bei jedem Telefonat quer durchs Büro schreit, aber nie.

    Wie Sie darauf reagieren?

    Häufig ist der Person ihre eigene Lautstärke nicht bewusst. Das sollten Sie ihm ruhig zunächst unter vier Augen sagen. Hört derjenige dann immer noch nicht, lassen Sie den Schreihals ruhig mal am eigenen Leib erfahren, wie es ist wenn einer ins Telefon brüllt, während er selbst gerade arbeiten will. Das kleine Kammerspiel sorgt vielleicht zunächst für Belustigung - erst recht, wenn Sie es mit einem Augenzwinkern garnieren. Es wird seine Wirkung aber nicht verfehlen. Vereinbaren Sie in einem zweiten Schritt ein gemeinsames Zeichen, das dem Kollegen ins Bewusstsein ruft, dass die Lautstärke zunimmt.

  • Rudel anschließen

    Die wichtigste Lektion im Bürodschungel aber ist: Alleine schafft es keiner. Selbst der überzeugteste Einzelkämpfer muss irgendwann eingestehen, dass er auf gelegentliche Hilfe durch das Team angewiesen ist - und sei es nur des mentalen Rückhalts wegen. Denn auch wenn uns unsere Mitmenschen manchmal gehörig auf den Zeiger gehen: Wir Menschen sind - wie die Affen auch - ein hochgradig soziales Wesen. Und Einsamkeit oder dauerhafte Isolation sind Gift für Gesundheit, Motivation und Leistungskraft.

    Wie Sie darauf reagieren?

    Bringen Sie sich vom ersten Tag an in Ihr Team ein. Bieten Sie Hilfe an, geben Sie mal einen Kaffee aus oder nehmen Sie sich Zeit für einen Plausch. Denn wir fühlen uns viel weniger genervt von unseren Kollegen, wenn wir Sympathien für sie empfinden. Und auch Konflikte lassen sich so viel leichter lösen. Außerdem wäscht - selbst im Dschungelcamp - immer noch eine Hand die andere. Heißt: Helfen wir einem Kollegen mal aus der Patsche, tut er das womöglich auch für uns.

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