Überwachung und Kontrolle
Bevor Sie weiterlesen: Das ist kein Plädoyer für Kontrollfreaks oder Chefs, die alles bis ins Detail überwachen und beherrschen wollen und so doch nur große Unsicherheit offenbaren sowie eine Kultur des Misstrauens, der Unfreiheit und Verantwortungslosigkeit schaffen. Aber natürlich ist das auch ein recht einseitiges und negatives Bild Überwachung und Kontrolle im Job. Und es stimmt in dieser Eindimensionalität auch nicht. Tatsächlich haben Kontrolle und Überwachung auch positive Seiten...

Die 5 positiven Seiten von Überwachung und Kontrolle

  1. Da ist zum Einen die Selbstkontrolle. Leidenschaftliche Kollegen, die sich mit Herz und Hirn voll ihren Aufgaben widmen, genauso wie Manager, die mit emotionalem Eifer ihr Unternehmen nach vorne bringen, können enorm begeisternd und anspornend sein – und nicht zuletzt eigene Leidenschaft wecken. Aber jemand, der sich völlig unkontrolliert seinen Gefühlsausbrüchen hingibt – von Euphorie bis hin zu Wut – wirkt immer destruktiv. Und ein Manager darf sich das schon gar nicht leisten, seinen Launen freien Lauf zu lassen. Schließlich fungiert es als Vorbild und prägt damit entscheidend die Unternehmenskultur. Insofern ist ein selbstkontrollierter Chef eine gute Sache.
  2. Dann gibt es aber auch die Realitätskontrolle. Sicher, offenkundige Bremser und Bedenkenträger mag keiner. Sie kritteln überall rum, halten mit ihrer Das-sehe-ich-aber-anders-Attitüde nur auf, verursachen schlechte Laune und zehren an den ohnehin angespannten Nerven. Oder wie Friedrich Schiller in seinem Wilhelm Tell räsoniert: "Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten." Dabei wird vergessen: Die Betonung liegt auf zu viel. Bei vielen neuen Projekten sind üblicherweise viele unsinnige dabei. Denkleistungsträger sind beim Wandel deshalb enorm wichtig. In der Jetzt-wird-alles-besser-Euphorie lassen sie sich nicht von dem Virus anstecken, behalten einen klaren Kopf, hinterfragen Fragwürdiges und bewahren das Unternehmen so vielleicht vor schlimmen, kostspieligen Fehlern. Wer Skeptiker vorschnell entsorgt, begeht deshalb bereits seinen ersten Fehler. Ein Zusammenhang, den René Descartes schon Mitte des 17. Jahrhunderts aufklärte. Dessen eigentlicher Leitsatz war ja nicht etwa Ich denke, also bin ich, sondern vielmehr: Der Zweifel ist aller Weisheit Anfang. Womöglich sind Realitätsknotrolleure in Wahrheit nur Vordenker und somit wichtige Kräfte in der Auf- und Umbruch-Phase. Sie benötigen sicher mehr Aufmerksamkeit und Führung als andere, sind anstrengender und drosseln vereinzelt das Tempo. Sie helfen aber insgesamt das Ergebnis zu verbessern.
  3. Zum Dritten gibt es die Lernkontrolle. In der Schule hieß das noch Test oder Klassenarbeit – und wir alle haben das gehasst. Normal. Vor allem wegen teils abenteuerlichen Kontrollmaßstäben (etwa beim Deutschaufsatz) oder teils ungerechter Noten. Im Beruf gibt es zwar keine Noten, aber wir alle lernen täglich dazu: durch Ausprobieren, durch Beobachten, durch Fehler. Und gerade bei unseren Fehlern ist es wichtig, dass wir sicherstellen, sie hinterher wenigstens gründlich analysiert zu haben, um wirklich daraus zu lernen – und sie natürlich nicht wieder zu begehen. Dasselbe gilt aber auch für unsere Erfolge. Aus der Motivationsforschung ist beispielsweise bekannt, dass es uns insbesondere die Gewissheit stark anspornt, einen Erfolg reproduzieren zu können.
  4. Die Zeitkontrolle. Auch bekannt als Zeitmanagement. Der Schlüssel zu mehr Produktivität ist nicht mehr Dinge zu machen, sondern die richtigen Dinge richtig und zum richtigen Zeitpunkt zu machen. Im Fachjargon heißt das Effizienz. Zeitmanagement ist damit letztlich nichts anderes als Selbstmanagement und bedeutet, anstehende Aufgaben zu kontrollieren, zu gewichten und nach Relevanz zu sortieren. So bekommt man sowohl eine Übersicht über den Arbeitsaufwand als auch über die Arbeiten selbst, beziehungsweise das, was bereits erledigt wurde. Ebenso sehen Sie sehr schnell, was Sie an einem Tag schaffen müssen beziehungsweise können und vermeiden so Überlastung oder Unterforderung. Zeitkontrolle ist also auch Planungs- und Erfolgskontrolle.
  5. Die Qualitätskontrolle wiederum ist sowohl eine persönliche (Sorgfältigkeitspflicht) als auch eine Managementaufgabe. Der zweite Punkt wird aber häufig missverstanden und mündet dann in dem oben beschriebenen Kontrollfreak. Den Erfolg oder die Qualität der Ergebnisse seiner Mitarbeiter zu begutachten, heißt eben nicht, daraus eine Art Persönlichkeitstest zu machen, der zwischen Fortune und Fiasko oszilliert. Oder noch schlimmer: Bei Glanzleistungen sich diese ans eigene Revers zu heften und bei Versagen mit Tadel und Repressalien nicht zu geizen. Das ist die Bankrotterklärung einer jeden Führungskraft. Vielmehr geht es darum, anhand der Ergebnisse seine Mitarbeiter entweder zu motivieren so weiterzumachen oder aber sie zu ermutigen, es anders (sprich: besser) zu machen. Schließlich sollen sie sich dadurch weiterentwickeln und daran wachsen können. Eine positive Qualitätskontrolle lässt immer genug Freiräume für Kreativität und zeichnet sich durch Respekt und den glaubhaften Wunsch aus, anderen dabei zu helfen, erfolgreicher zu werden.

Beobachtung macht uns zu besseren Menschen

Immer wieder haben sich Wissenschaftler mit der Frage beschäftigt, was Menschen zu besseren Menschen machen könnte. Zumindest aber zu solchen, die sich sozialer benehmen. Ein Ergebnis: das Gefühl, beobachtet zu werden.

Schon der US-Präsident Thomas Jefferson ermahnte seine Landsleute seinerzeit: "Was immer du tust, handle so, als würde die Welt dir dabei zusehen." Und tatsächlich zeigen Studien, dass dazu weit weniger erforderlich ist als Nationen. Genau genommen muss einem nicht mal ein Mensch zusehen. Es reicht schon die Illusion von ein paar menschlichen Augenpaaren.

Melissa Bateson und Daniel Nettle vom Center for Behavior and Evolution an der Newcastle-Universität haben damit experimentiert (PDF) und in ihrer Hochschule 32 Tage lang ein paar Poster mit starrenden Augenpaaren (auf Augenhöhe) aufgehängt. Anschließend beobachteten sie die Studenten in ihrem Sozialverhalten - etwa in der Mensa.

Und wirklich: Während der Testphase räumten die Studenten doppelt so oft ihre Teller weg und säuberten beim Verlassen ihre Tische als sonst.

Schon in den Siebzigerjahren konnte Robyn Dawes zeigen, dass die Leute Sozialprobleme besser lösen, wenn andere Menschen im Raum sind. Nur im Raum - nicht mitdiskutierend!

Warum Augen solche Wirkung haben? Es scheint eine Art evolutionäres Urprogramm zu sein, auf Blicke zu reagieren. Letztlich mussten Menschen schon immer binnen weniger Sekunden entscheiden, ob ihnen ihr Gegenüber freundlich oder feindlich gesonnen ist. Und das Gefühl, beobachtet zu werden, scheint diverse Impulse auszulösen.

Ein Trick, den sich etwa Supermärkte zunutze machen könnten, indem Sie Doppelkameras installieren, die wie zwinkernde Augenpaare aussehen, um so Ladendiebstähle zu reduzieren. Oder eben indem Sie Poster aufhängen, mit Gesichtern, die einen anschauen, Motto: Big brother is watching you!

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