Üble Nachrede
Als Mitarbeiter sollte man mit Äußerungen über Chef, Kollegen oder Arbeitgeber besser vorsichtig sein. Wer hier den falschen Ton anschlägt, kann sicher sein, zumindest der Arbeitsatmosphäre nachhaltig zu schaden. Im schlimmsten Fall ist sogar der gesamte Job gefährdet, wenn man mit dem Gesagten über die Stränge schlägt. Üble Nachrede sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, passiert jedoch immer wieder - entweder unbeabsichtigt, aber auch aus Wut oder Kalkül. Diese Fälle landen dann regelmäßig vor dem Arbeitsgericht und hier zeigt sich, dass Arbeitnehmer sich nicht alles erlauben können, wenn sie an ihrem Job hängen...

Üble Nachrede: Was versteht man darunter?

Was eine Beleidigung ist, weiß jeder. Etwas komplizierter ist bei bei über Nachrede. Der Begriff ist zwar sehr geläufig und jeder kann damit auch irgendetwas anfangen, aber wirklich sicher sind sich nur wenige. Daher zunächst einmal zur Begriffserklärung: Allgemein versteht man unter übler Nachrede ein Verhalten und vor allem Äußerungen, die dem Ruf einer anderen Person schaden sollen. Konkret wird dies in §186 des Strafgesetzbuches benannt Hier heißt es...

Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist[...]

Der üblen Nachrede macht man sich also dann schuldig, wenn man Unwahrheiten über jemanden verbreitet, die dessem Ruf und Ansehen - beispielsweise am Arbeitsplatz, in der Branche, aber auch in der Öffentlichkeit - schaden. So ist es beispielsweise möglich, dass ein Kollege durch üble Nachrede bei einer Beförderung übergangen wird oder sogar seinen Job verliert, weil plötzlich die Runde macht, dass dieser seinen Pflichten nicht nachkommt und gegen seinen Arbeitsvertrag verstößt.

Im Gesetz wird auch deutlich, dass üble Nachrede keine Kleinigkeit ist. Wer sich schuldig macht, muss mindestens mit einer Geldstrafe, möglicherweise aber auch mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr rechnen. Schwere Fälle, in denen die üble Nachrede schriftlich verbreitet wurde, sind sogar Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren möglich.

Wann kann üble Nachrede den Job kosten?

wavebreakmedia/shutterstock.comNeben einer möglichen Klage müssen Mitarbeiter bei übler Nachrede auch um ihren Job fürchten. Unternehmen und Arbeitgeber müssen nicht untätig zusehen, wenn ein Mitarbeiter schädliche Lügen verbreitet oder Rufschädigung betreibt. Zu diesem Schluss kommt auch die Rechtsprechung immer wieder, wenn Mitarbeiter versuchen, sich gegen eine Kündigung zu wehren - nicht selten ohne Erfolg. Die Gerichte gehen in ihren Urteilen davon aus, dass es für den Arbeitgeber im Anschluss an die üble Nachrede des Mitarbeiters nicht zumutbar sei, die Zusammenarbeit weiterzuführen und somit bleiben die Kündigungen bestehen.

Ob die üble Nachrede wirklich den Job kostet, wird zwar von Fall zu Fall individuell entschieden, dennoch zeigen sich einige Gemeinsamkeiten, die eine Kündigung zur Folge haben können. Allen voran geht es hier um den nachhaltig rufschädigenden Effekt der Äußerungen. Kritik ist erlaubt und darf auch geäußert werden, muss sich aber auch Tatsachen berufen. Wer sich nur Märchen ausdenkt und damit das Ziel verfolgt, dem anderen zu schaden, hat vor dem Arbeitsgericht schlechte Karten. Als beispielsweise eine Mitarbeiterin gekündigt wurde, nachdem sie ihre Kollegen und auch den Chef des übermäßigen Alkoholkonsums am Arbeitsplatz beschuldigt hatte, gab das Landesarbeitsgericht dem Arbeitgeber recht. Da es nachweislich keinen Grund für diese Anschuldigungen gab, war die Kündigung berechtigt.

Es gibt aber auch die andere Seite, wie ein Beispiel aus Thüringen zeigt. Dort kandidierte eine Dame bei den Kommunalwahlen und trat als parteilose Kandidatin gegen den amtierenden Landrat an. Sie warb für sich unter anderem mit einem Handzettel, der kurz vor der Wahl einem lokalen Anzeigenblatt beigefügt war.

Dort stellte sie ihre politischen Leitlinien vor und kritisierte die Politik des derzeitigen Amtsinhabers – dummerweise gleichzeitig ihres Chefs - wie folgt: Wie der jüngste Umweltskandal in B. und der Subventionsbetrug am Rathaus in C. beweist, deckt der amtierende Landrat sogar die Betrügereien im Kreis. Ich stehe für eine transparente Politik, die Gesetze einhält und die Pflichtaufgaben im Landkreis überprüft. Und wie reagierte ihr Chef darauf? Natürlich mit einer fristlosen Kündigung wegen Beleidigung und übler Nachrede.

Der Streit ging durch die Instanzen bis hin zum Bundesarbeitsgericht, wo die meinungsfreudige Dame schließlich gewann. Für eine fristlose Kündigung reichte es in diesem Fall nicht. Die Meinungsäußerung der Klägerin stand hier im Vordergrund, da ihre Aussagen in dem Handzettel im Zusammenhang mit ihrem politischen Programm im Rahmen des Wahlkampfes erfolgten.

Die Mitarbeiter müssen immer darauf achten, so das Bundesarbeitsgericht, keine unrichtigen Tatsachen zu verbreiten. Denn wer "falsches in die Welt setzt", kann sich eben nicht auf die Meinungsfreiheit berufen. Dagegen sind Werturteile prinzipiell geschützt, solange sie keine Beleidigung oder eine Schmähkritik darstellen.

Auch im Internet ist Vorsicht geboten. Viele fühlen sich hier zwar sicher und lassen ihrem Frust in den sozialen Netzwerken freien lauf, doch auch auf Facebook und Co. ist üble Nachrede strafbar. Im Einzelfall kann dann sogar die fristlose Kündigung drohen, wenn man Kollegen oder Chef mit üblen Beleidigungen oder rufschädigenden Aussagen in Verruf bringt.

Üble Nachrede vom Chef: Was tun, wenn der alte Arbeitgeber lästert?

Leider verhalten sich auch Arbeitgeber bei ihren Äußerungen zu Mitarbeitern nicht immer korrekt, gerade dann, wenn das Arbeitsverhältnis bereits beendet ist. Immerhin ist es üblich, dass Personaler mit ehemaligen Arbeitgebern oder Ex-Chefs von Bewerbern Kontakt aufnehmen, um sich nach deren Leistungen und Verhalten am Arbeitsplatz zu erkundigen. Blöd für den Mitarbeiter, wenn der alte Chef dann wenig Gutes über den ausgeschiedenen Kollegen zu berichten hat - oder sogar üble Nachrede praktiziert.

Dies müssen Mitarbeiter sich aber nicht gefallen lassen und juristisch ist es heikel, dem Ex-Kollegen Übles nachzusagen. Die meisten Arbeitsgerichte verstehen dabei keinen Spaß und verdonnern den ehemaligen Arbeitgeber auch schon mal zu einer saftigen Strafe.

So geschehen bei einem Unternehmen, das dem neuen Arbeitgeber auf Nachfrage lediglich "bestätigte", dass der Zeugnistext im Verlauf eines arbeitsgerichtlichen Prozesses zustande gekommen sei. Die Führungskraft wurde daraufhin prompt nicht eingestellt – und verklagte seinen Ex-Chef. Zu Recht, wie das Landesarbeitsgericht Hamburg (AZ 2 Sa 144/83) urteilte. Für die Richter stand fest, dass das neue Arbeitsverhältnis aufgrund der "üblen Nachrede" nicht zustande gekommen war. Der Ex-Arbeitgeber musste noch einmal ein halbes Jahresgehalt an den Kläger zahlen.

Allerdings ist es schwer, eine solch fiese Mitgift nachträglich zu beweisen. Zumal man selbst dann zwar vielleicht ein paar Euro herausholen kann, den Job bekommt man aber trotzdem nicht. Und der ist im Zweifel mehr Wert. Was also können Sie gegen mögliche Lästereien tun?

Tipps, wie Sie auf üble Nachrede vom Ex-Chef reagieren

  1. Zum Telefon greifen.

    Auch wenn der Ärger groß ist: Bewahren Sie zunächst einmal Ruhe. Falls es stichhaltige Anzeichen dafür gibt, dass Ihr alter Chef nicht vorhat, Sie zu loben, rufen Sie ihn an. Ja, tatsächlich. Ein Versuch ist es allemal wert, und mehr als auflegen kann er nicht. Schildern Sie ihm die Situation, wie Sie ist: "Ich fürchte, wenn Sie Derartiges über mich erzählen, werde ich so schnell keinen neuen Job finden. Ist das Ihr Ziel oder können wir einen fairen Modus finden, der meiner beruflichen Zukunft nicht weiter im Weg steht?" Wichtig ist, dass Sie ein solches Gespräch mündlich führen, E-Maills sind dafür gänzlich ungeeignet. Es sei denn, Sie haben vor, Ihren Ex-Chef in eine Falle zu locken und wollen Beweise für seinen Rufmord sammeln.

  2. Den Stolz zähmen.

    Mal ehrlich: Im Grunde ist es nur der eigene Stolz, der Sie davon abhält, dem Tyrannen von einst einen weiteren Triumph zu gönnen. Jetzt anrufen und womöglich zugeben, dass Sie immer noch von ihm abhängig sind? Niemals!!! Eine ritterliche Haltung. Aber auch dumm, denn genau den Triumph bekommt er jetzt. Überwinden Sie Ihren Stolz und zeigen Sie Einsicht, dass Sie sich damals womöglich falsch verhalten und aus dem Fehler gelernt haben. Und im Zweifel: Spielen Sie dem Widerling die Nummer eben nur glaubhaft vor.

  3. Einen Umweg gehen.

    Wenn es die Unternehmenskultur und -struktur zulässt, können Sie den ehemaligen Boss auch umgehen. Sprechen Sie gezielt die Personalabteilung an. Oder den Chef Ihres Ex-Chef. Schildern Sie, dass Sie keinen Job finden, weil ihr ehemaliger Vorgesetzter Ihnen schaden will. Unternehmen scheuen derlei potenziellen juristischen Sprengstoff. Deshalb wird dann oft eine pragmatische Lösung gefunden. Sicher, beliebter werden Sie dadurch nicht. Aber Sie bleiben so auch nicht unbedingt arbeitslos.

  4. Neue Fürsprecher suchen.

    Eine Alternative ist, sich andere Referenzen innerhalb des Unternehmens zu suchen. Spätestens an diesem Punkt lohnt es sich, wenn Sie vorher ein gutes Netzwerk gepflegt haben. Dann können Sie auf andere vorgesetzte Fürsprecher zählen und den Bremsklotz ebenfalls ausmanövrieren.

  5. In die Offensive gehen.

    Versuchen Sie nicht, eine schlechte Referenz im Lebenslauf zu verheimlichen. Personaler sind trainiert, Lücken im Lebenslauf aufzuspüren. Dort haken sie dann besonders gründlich nach. Besser ist, Sie gehen in die Offensive: Nicht indem Sie sich entschuldigen, sondern indem Sie die Zweifel an Ihrer Reputation Ihrerseits ins Zwielicht setzen. Geben Sie ruhig an, dass Sie bislang ein gutes Verhältnis zu Ihrem Ex-Chef hatten, dieses aber zum Schluss nachhaltig gestört wurde, weshalb Sie annehmen, dass er nicht allzu positiv über Sie redet. Ein guter Personaler wird jetzt mindestens auch Ihre Version hören wollen und Sie nicht sofort aussortieren (vorausgesetzt, der Rest stimmt). In diesem Fall sollten Sie im Vorstellungsgespräch allerdings auch eine anständige Begründung für die atmosphärischen Störungen vorbringen können.

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