Um Gefallen bitten
Beruflich wie privat brauch mal manchmal eine kleine Hilfestellung, jemanden, der ein bisschen unter die Arme greift: Sie müssen an einem Tag früher nach Hause, sind mit einer Aufgabe aber noch nicht ganz fertig, Sie brauchen Hilfe bei der Erstellung einer Präsentation, weil Sie selbst nicht gerade ein Powerpoint-Akrobat sind oder Sie hoffen, dass der Chef Sie einem wichtigen Kunden vorstellt und erhoffen sich davon, beruflich weiter zu kommen. Es gibt viele gute Gründe, warum Sie jemanden um einen Gefallen bitten können und sollten - aber wie macht man das am besten? Schließlich möchte man nicht Bitten und Betteln, um einen Gefallen gewährt zu bekommen. Das muss aber auch gar nicht sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie richtig um einen Gefallen bitten...

Gefallen sind eine wichtiger zwischenmenschlicher Faktor

Im Job folgen viele Abläufe einer strengen Ordnung. Erstmal wird ein Meeting einberufen, dann werden die Verantwortlichen für die Umsetzung bestimmt, es wird ein Plan erstellt und erst dann wird tatsächlich gehandelt. Alles sehr bürokratisch.

Ein Gefallen ist anders. Es ist der kurze Dienstweg, der persönliche Kontakt, der ihn auszeichnet. Und genau das kann einen Gefallen für die zwischenmenschliche Beziehung so wichtig machen. Er ist Ausdruck es gegenseitigen Respekts und kann sogar die Beziehung zwischen den Beteiligten stärken und verbessern. Wer jemand anderem einen Gefallen tut, zeigt damit, dass er ihm gerne helfen möchte - und zwar am besten vollkommen uneigennützig, ohne im Hinterkopf bereits Pläne zu schmieden, was man tun kann, um möglichst von der Situation zu profitieren.

Tatsächlich macht es sogar sympathischer, um einen Gefallen zu bitten. Dies besagt der sogenannte Benjamin-Franklin-Effekt. Wenn Sie einen Kollegen also um einen Gefallen bitten, tun Sie damit aktiv etwas für ein positives Betriebsklima und erhöhen sogar die Chance, dass dieser Ihnen auch eine weitere Gefälligkeit nicht abschlagen kann.

Allerdings kommt es immer auch auf das Wie? an, denn einen Gefallen zu benötigen, bedeutet noch lange nicht, dass man diesen auch bekommt.

Um Gefallen bitten: Worauf es dabei ankommt

dotshock/shutterstock.comKönntest du bitte für mich... Grundsätzlich ist es nicht schwer, um einen Gefallen zu bitten. Gerade bei Freunden oder bei Kollegen, mit denen man sich gut versteht, kommt es regelmäßig vor. Um mit seinen Gefallen nicht auf Ablehnung zu stoßen oder einen falschen Eindruck zu hinterlassen, sollte man dabei aber trotzdem auf einige Dinge achten. So lässt sich verhindern, dass die anderen beim nächsten Mal bereits genervt mit den Augen rollen, bevor man seine Bitte überhaupt geäußert hat. Wenn Sie um einen Gefallen bitten, können diese fünf Tipps helfen:

  1. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran

    Es ist leicht, zu jeder Gelegenheit einen Gefallen einzufordern und davon zu profitieren. Die meisten Menschen schlagen einen Gefallen nur ungern aus. Wird es hingegen zu einem Dauerzustand, entsteht der Eindruck, Sie würden andere ausnutzen. Achten Sie auf das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen. Wenn auch Sie regelmäßig anderen helfen und bereitwillig einem Gefallen zustimmen, wird man auch Ihren Anliegen gegenüber offener sein.

  2. Nehmen Sie es nicht als selbstverständlich hin

    Egal ob großer oder kleiner Gefallen: Gehen Sie nie davon aus, dass es selbstverständlich ist. Auch ein Nein ist eine akzeptable Antwort, wegen derer Sie nicht gleich wütend oder beschuldigend werden sollten. Auf der anderen Seite bedeutet es, dass Sie sich aufrichtig bedanken sollten, wenn jemand Ihnen einen Gefallen tut.

  3. Übertreiben Sie es nicht

    Zwar gibt es keine konkreten Zahlen, doch erkennen Sie vermutlich selbst am besten, wann Sie ein gesundes Maß überschreiten. Sparen Sie sich die Gefälligkeiten von Kollegen und Freunden für Situationen auf, in denen Sie diese wirklich benötigen. Bitten Sie bei jeder Kleinigkeit um einen Gefallen, haben die anderen vielleicht die Nase voll, wenn es gerade einmal wirklich wichtig wäre.

  4. Achten Sie darauf, worum Sie bitten

    Ein Gefallen sollte immer etwas sein, was man mit gutem Gewissen erledigen kann. Anders ausgedrückt: Bringen Sie Ihren Gegenüber nicht in eine unangenehme Lage und bitten Sie nicht um etwas, dass den anderen in Schwierigkeiten bringen könnte.

  5. Versprechen Sie keine großen Gegenleistungen

    Sie fühlen sich vielleicht verpflichtet, Ihre Schuld auszugleichen und versprechen direkt große Gegenleistungen. Dies ist aber das genaue falsche Vorgehen, denn kaum jemand erwartet etwas im Gegenzug für einen Gefallen. Tatsächlich widerspricht eine vereinbarte Gegenleistung sogar den Charakter eines Gefallens.

    Es ist ein gutes Gefühl, jemandem zu helfen und ihm in einer misslichen Lage unter die Arme zu greifen. Verbindet man die Frage nach einem Gefallen gleich mit einem Wenn du das tust, lade ich dich zum Essen ein... nimmt man diese positiven Emotionen.

Um Gefallen bitten: Das rechte Ohr hört besser

Rechtes-Ohr-Gefallen-SprechenMit dem rechten Ohr hören wir besser - vor allem auf das, worum uns ein anderer bittet. Kurios, aber experimentell belegt: Falls Sie Ihr Gegenüber um einen Gefallen bitten möchten – etwa um einen Rat, einen Drink, die Telefonnummer –, sprechen Sie der Person unbedingt ins rechte Ohr. Das verbessert Ihre Chancen enorm. Diese eigentümliche Empfehlung geht auf Luca Tommasi und Daniele Marzoli von der Universität in Chieti zurück. Die beiden Forscher wollten zunächst nur herausfinden, in welches Ohr Menschen am liebsten sprechen, wenn sie sich in lauten Nachtclubs begegnen und unterhalten.

Bei den Experimenten fiel den Wissenschaftlern allerdings schnell auf, dass sich 72 Prozent der 286 Discobesucher hauptsächlich über das rechte Ohr ansprachen. Das machte die beiden neugierig...

Also begannen Sie eine Reihe von Experimenten und besuchten weitere Nachtclubs. Dabei brabbelten sie zunächst unverständliche Worte zu 160 beliebigen Besuchern.

Bemerkenswert: Obwohl es nichts zu verstehen gab, hielten insgesamt 58 Prozent der Discobesucher spontan ihr rechtes Ohr hin. Am meisten jedoch waren es die Frauen, die den Forschern intuitiv ihr rechtes Ohr schenkten.

Im nächsten Versuch mit 176 Clubbern sprach das Hörtest-Duo die Besucher wahllos, mal von rechts, mal von links an, um eine Zigarette zu schnorren. Resultat: Wer die Gäste von rechts um die Gefälligkeit bat, hatte hinterher deutlich mehr zu rauchen.

Die Erklärung der Wissenschaftler dazu: Rein medizinisch betrachtet hören wir im Normalfall natürlich auf beiden Ohren gleich gut. Das rechte Ohr habe aber einen direkteren Draht zur linken Gehirnhälfte und die verarbeitet verbale Informationen und Aufforderungen besser. Zudem reagiert diese Gehirnhälfte vor allem auf positiv besetzte Emotionen. Diese wirken also weniger bedrohlich - und so wir sagen eher: "Ja".

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