Die Online-Reputation wird immer wichtiger. Vor allem für jene, die einen neuen Job suchen. Bereits 40 Prozent der Unternehmen überprüfen die Social-Media-Profile einzelner Bewerber, und jeder fünfte Arbeitgeber gibt zu, schon Kandidaten allein aufgrund ihrer Online-Reputation abgesagt zu haben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Schwartz Public Relations zusammen mit Eurocom Worldwide, an der mehr als 300 Führungskräfte teilgenommen haben.
Überhaupt nimmt die Bedeutung von Social Media in diesem Jahr noch weiter zu. Allerdings verlagern sich im Vergleich zu 2011 die Schwerpunkte, welche sozialen Netzwerke die Unternehmen wie nutzen. So liegt nicht mehr Facebook (64 Prozent), sondern Linkedin (74 Prozent) an der Spitze, wenn die Unternehmen sich im Netz als attraktive Arbeitgeber darstellen wollen (Fachwort: Employer Branding). Danach folgen Twitter mit 67 Prozent der Nennungen und YouTube mit 56 Prozent. Die Inhalte kommen dabei vorwiegend aus internen Quellen (78 Prozent), seltener aus Agenturen (12 Prozent).
Zudem sollen die Investitionen in Social Media in diesem Jahr noch einmal kräftig steigen. Das gab knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) an. Ganze 74 Prozent der Führungskräfte betrachten diese Investition für die Suchmaschinen-Optimierung (SEO) ihres Unternehmens als wichtig – 37 Prozent sogar als sehr wichtig.
Vor allem Blogs sollen dabei das Unternehmensprofil stärken oder zur Meinungsführerschaft beitragen, sagten 57 Prozent der Unternehmen, die schon ein Blog veröffentlichen. Fast ebenso viele (55 Prozent) erklärten, dass das Bloggen die Interaktion mit den Kunden verbessern würde. Und 36 Prozent verfolgen die Absicht, sich durch das Bloggen besser an Debatten in der Branche beteiligen zu können. Lediglich 37 Prozent nannten SEO als Hauptziel ihrer Blogs.
Natürlich gibt es unter den Befragten auch einige Skeptiker oder Bedenkenträger. So gaben 42 Prozent der Befragten an, aus Zeitgründen auf ein Blog zu verzichten. 14 Prozent befürchteten gar negative Kommentare. Dass es die trotzdem geben kann – nur dann eben auf Blogs und Webseiten, die nicht ihre sind, hat ihnen vermutlich noch keiner gesagt.

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Burkhard Mester
Wie einfach sich das doch die Unternehmen machen. Das was sie online über ihre Bewerber finden, hat überhaupt nichts mit den Menschen zu tun. Erst wenn man dem Menschen begegnet hat man den Hauch einer Chance ihn zu erfassen. Und auch dazu gehört eine Menge Erfahrung. Kommunikation ist nicht nur das Wenige, was wir an Bildschirmen aufnehmen.Es geht um Menschen und nicht um Profile im Social Media. Erst wenn die Verantwortlichen umdenken, werden auch Mitarbeiter wieder begeistert für die Unternehmen sein. Siehe GALLUp-Studie.
Jochen Mai
Ich glaube nicht, dass man das so bewerten kann. Die Unternehmen haben früher Kandidaten auch schon aufgrund ihrer Bewerbungsunterlagen ausgesiebt. Und aus anderen Studien weiß man, dass für die erste Durchsicht oft nur zwei bis fünf Minuten bleiben. Heute sind es dann eben nicht mehr nur bedruckte Seiten, sondern auch (!) Online-Profile. Die Methodik scheint sich da wenig verändert zu haben – nur das Medium.
Sven Hansel
Ähem,
also so richtig repräsentativen Charakter hat diese Untersuchung für mich nicht. “jeder fünfte Arbeitgeber gibt zu, schon Kandidaten allein aufgrund ihrer Online-Reputation abgesagt zu haben”
Mich würden da wirklich die Details interessieren: Abgesagt wg. falscher Kontakte auf LinkedIn oder doch wegen eines Partybildes auf FB? Wie wurde diese “Reputation” nachvollzogen, professionell, oder “random by click”?
Derlei Horrorgeschichten von wegen Arbeitsplatzabsage aufgrund Social Media hört man ja nahezu täglich, allein mir fehlt der Glaube …
Jochen Mai
Mehr Details gibt es nicht. Bei ganz argem Interesse frag doch bei den Studienautoren nach – die sind ja angegeben. Und dass die Umfrage repräsentativ wäre, steht da nicht. Hat auch nie einer behauptet.
Jan
In Deutschland ist es Personalern per Gesetz verboten Facebook als Vorabcheck zu nutzen. Da wundert es mich schon, dass jeder fünfte Arbeitgeber zugeben soll, schon Kandidaten allein aufgrund ihrer Online-Reputation abgesagt zu haben.
Jochen Mai
Wieso? Xing und Linkedin sind nicht verboten – die gelten als Business-Netzwerke. Und Twitter ist komplett öffentlich.
Tibor Pinter
@ Jan: Es würde mich sehr wundern, wenn du hierzulande tatsächlich eine Absage erhältst wo drin steht, dass du zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn, leider das falsche Geschlecht, die falsche Hautfarbe, das falsche FB Profil etc. hast (AGG lässt grüßen). Was sich der Personaler wirklich dabei denkt wenn er die Bewerbung in seinen Händen hält, ist jedoch eine ganz andere Sache.
Ich kann die Ergebnisse ganz gut nachvollziehen, wobei durch die Privatsphäreeinstellungen dem Ganzen etwas Einhalt geboten wird. Hinsichtlich des Employer Branding im Social Media würde ich jedoch vermuten, dass Xing vor Linkedin (zumindest in Deutschland) rangieren müsste.
Jochen Mai
Ergänzend muss man sagen, dass es sich dabei um eine europäische Umfrage gehandelt hat. Dabei spielt Xing dann nicht so eine große Rolle. Wobei ich jetzt auch nicht weiß, ob das eine geschlossene Umfrage war – also ob die Befragten nur ankreuzen konnten, was schon auf der Liste stand (und Xing war womöglich gar nicht drauf). In Deutschland wurden übrigens (nur) 53 Personaler befragt.
thomas
Was technisch machbar ist, wird auch gemacht. Das Problem sehe ich dabei weniger in öffentlichen Profilen, die man steuern kann, sondern darin, dass Facebook, Goolge usw. psychologische Profile aus ALLEN anfallenden Daten anfertigen. Dazu gehört auch: Nach was habe ich bei Facebook oder im Internet gesucht? Welche Bilder von welchen Freunden schaue ich an? Welche Daten konnte Facebook aus meiner Browserhistorie entnehmen, z.B. besuchte Seiten, im Downloadcache hinterlegte Dateien. Der Facebookcookie spioniert einem weiterhin nach, wenn man ihn nach dem Facebookbesuch nicht löscht, ausloggen alleine reicht nicht. Die sammeln auch noch den kleinsten Datenkrümel, den sie mit irgendwelchen Tricks dem Browser noch entreißen können und fertigen davon ein internes Profil an, das weit über das öffentliche Profil hinausgeht.
Die große Gefahr besteht nun darin, dass Arbeitgeber gegen entsprechende Geldzahlungen “auf dem kleinen Dienstweg” an solche intern gespeicherten umfangreichen Profile herankommen, in denen auch Dinge gespeichert sind, die man im öffentlichen Profil nicht sichtbar macht.
Facebook und alle anderen wollen ihren Gewinn maximieren – dazu werden sie jeden Datenkrümel und jeden noch so schäbigen Weg verwenden.
thomas
Ich vergaß noch etwas: So ziehmlich alle großen Social Media – Anbieter werten auch das Tippmuster in den Eingabeforularen aus. Die Art und Weise, wie jemand auf einer PC-Tastatur tippt ist bei jedem Menschen einmalig wie ein Fingerabdruck. Darüber ist eine eindeutige Identifikation möglich.
Wenn sich Facebook (wo man mit Realnamen angemeldet ist und über das Geburtsdatum, Wohnort usw. identifizeirt ist) sich in einer geheimen Runde auf einem “inoffiziellen Dienstweg” mit anderen kurzschließt können auch Accounts, die unter einem Pseudonym laufen identifiziert werden.
Merke: Wirklich alles, restlos alles, das man irgendwie an Daten abgreifen kann wird im Internet verwertet. Und kein Mensch weiß, welche Daten über geheime Firmenkartelle verschoben werden. Es ist durchaus möglich, dass ein Arbeitgeber überhaupt nicht im Internet suchen muss, um mehr über einen zu wissen, als man selbst.
fschuetz
Ich finde die Zahlen der Studie eigentlich ziemlich realistisch. Deckt sich auch mit unseren Umfrageergebnissen oder anderen Studien zu diesem Thema aus der jüngeren Vergangenheit. Als Bewerber muss man einfach wissen, wie und mit welchen Informationen man für den Personaler sichtbar ist. Dass diese alle verfügbaren Tools nutzen, ist legitim. Wobei ich persönlich nicht denke, dass die berüchtigten Partyfotos der überwiegende Grund für eine Ablehnung sind, sondern vielmehr einfach fehlende Sichtbarkeit und Referenzen im Netz.
Und zum Thema klassicher Lebenslauf…dazu hatten wir vor einiger Zeit auch mal so eine These, siehe unter http://blog.yasni.de/business/das-ende-des-lebenslaufs-ist-eingelaeutet/. ;-)
BusinessLifeHack
Hallo Jochen, interessante Studienergebnisse … Online-Detektive, wie z.B. Social Intelligence aus Kalifornien, übernehmen für Unternehmen sogar die Schnüffelarbeit auf Facebook, Xing und Co.
Zu ihrem Service gehören nicht nur Background-Screenings von Job-Bewerbern, sondern auch permanentes Monitoring der Social Media-Aktivitäten der aktuellen Mitarbeiten.
thomas
Ich finde Facebook unerträglich. Wir werden zu einem Account genötigt und müssen unseren Arbeitgeber liken, seine Pinwandeinträge liken und positiv kommentieren.
Kollegen müssen wir “freunden”. Ich habe meinen Account nur pro forma angelegt und war sonst nicht weiter aktiv. Beim nächsten Jahresgespräch hieß es prompt “Du scheinst bei den Kollegen nicht besonders beliebt zu sein”. Als ich sagte, dass ich ein paar gute Freunde habe, mit denen ich auch privat zusammen bin und mit den meisten gut auskomme hieß es: “Facebook dokumentiert aber etwas anderes”.
Also verbrachte ich an dem Abend ein paar Stunden damit, meine Kollegen auf Facebook zu suchen und zu freunden. Bis auf 3 wurde ich ebenfalls geadded. Das Verhältnis zu den 3 Leuten war bisher neutral. Seit die mich nicht geadded haben betrachte ich das Verhältnis negativ. Kollegen, die mich nicht adden, um unsere Kollegialität für Vorgesetzte zu dokumentieren, bekommen nichts mehr von mir.
Für einzelne wurde das schon gefährlich. Es gibt da so eine gewisse Kliquenbildung. Wenn es vorkommt, dass die Leute einer Klique einen Kollegen massenhaft unliken, dann ist der bei der nächsten Reorganisation weg oder kommt nicht mehr in neue Projekte rein.
Der abendliche Klick in Facebook ist für mich zur Hölle geworden. Sofort gucken, ob noch alle Kollegen da sind, wenn einer weg ist, dann versetzt das einen gehörigen Schrecken und ich kann die Nacht über nicht schlafen. Habe ich was falsch gemacht? Warum hat mich der Kollege ungefreundet? Bin ich unbeliebt? Was denkt jetzt mein Chef über mich? Soll ich den Kollegen ansprechen? Welche anderen Kollegen kann ich an seiner Stelle adden? … das ist für mich purer Stress. Facebook ist die Hölle geworden.
Ich habe sogar eines meiner Hobbies aufgegeben und mich einem Hobby meines Chefs angeschlossen, weil viel Wert auf Gemeinsamkeiten gelegt wird.
Facebook ist ein unumstößliches Dokumentationsinstrument. Alles wird schriftlich dokumentiert und vom Arbeitgeber bewertet, Freundschaften, Hobbies, Aktivitäten. Und Facebook ist ein Instrument, um Menschen aktiv zu formen. Facebook unterdrückt die Menschen und zwingt sie zur totalen Gruppenkonformität. Und Facebook ist das totale Überwachungsinstrument des Arbeitgebers.
Einmal schaute ich mich in Stellenangeboten um – einmal nicht aufgepasst wie ein Lux und schon postete diese Jobapp auf meiner Chronik! Ich habe dann sofort gelöscht und hoffe, dass das niemand gesehen hat.