Dass es zunehmend wichtiger wird, im Internet eine Art Eigenmarke zu kreieren – das sogenannte Personal Branding –, wurde hier schon ausgiebig beschrieben. Derlei Selbstmarketing sollte allerdings nicht auf die virtuelle Welt beschränkt bleiben, im Gegenteil: Stark wird eine Marke erst durch das entsprechende Echo in der realen Welt.
Besonders wirkungsvoll sind dabei Netzwerktreffen, Kongresse, Messen. Klassischerweise stellen sich Fremde, die sich dort zum ersten Mal begegnen, spätenstens im dritten Satz nahezu immer dieselbe Frage: “Und was machen Sie so?” Und ebenso klassisch wird diese Frage mit dem aktuellen Job beantwortet: “Ich bin Key Account Manager bei XX” oder: “Ich bin Ingenieur bei YY”. Falsch! Ihr Job ist nicht Ihre Marke.
Warum das so ist? Weil Jobs und damit auch die Arbeitgeber heute häufiger wechseln als früher. Einer US-Studie zufolge hat jeder Arbeitnehmer heute bis zu seinem 40. Lebensjahr rund zehn verschiedene Berufe ausgeübt. Forester Research kommt sogar zu dem Schluss, dass wer noch früher mit dem Arbeiten beginnt, in dieser Zeit gar auf bis zu 15 Jobs kommt. Die Angehörigen der sogenannten Generation Y (geboren zwischen 1979 und 2000) kommen auf eine Verweildauer von zwei bis drei Jahren in einem Beruf, im IT-Sektor wechseln die Professionen gar mit einer Geschwindigkeit von bis zu sechs Monaten.
Zugegeben, das sind vor allem US-Zahlen. In Deutschland ist die Jobwechselbereitschaft vielleicht nicht ganz so ausgeprägt. Trotzdem ist die Entwicklung hierzulande vergleichbar – wenn auch mit verminderter Geschwindigkeit. Ein Beispiel: Mein Vater hat in seinem Erwerbsleben nur zweimal seinen Beruf gewechselt. Damals war das eben so. Entsprechend sinnvoll war es da auch noch, sich mit seinem Beruf vorzustellen und so eine Art Kurzbeschreibung seines Markenkerns abzugeben. Doch das ist inzwischen vorbei. Was einer beruflich macht, kann sich heute inhaltlich enorm wandeln. Ich selbst bin zwar seit rund 20 Jahren journalistisch tätig. Aber inhaltlich hat sich dabei viel verändert: Angefangen habe ich als Lokaljournalist. Danach wurde ich Freier Fotograf, Paparazzo (aber nur kurz), Agenturfotograf, TV-Journalist, Kinokritiker, Medienberater, Freier Journalist, Boulevardjournalist, Wirtschaftsjournalist. Seit rund zehn Jahren bin ich bei der WirtschaftsWoche, zuerst als Redakteur, dann als Ressortleiter. Daneben habe ich Sonderhefte konzipiert und realisiert; Gründerwettbewerbe entworfen, organisiert, durchgeführt; seit sieben Jahren blogge ich, vor zwei Jahren habe ich damit angefangen Bücher zu schreiben (das zweite erscheint im Dezember 2009), heute beschäftige ich mich zusätzlich mit Webvideos, Grafikdesign (für die Fotos und Logos im Blog), mit Seitenprogrammierung, Social Networks wie Xing, Twitter, Facebook, mit SEO und Online-Marketing, ich betreibe ein Forum und und und. Und keiner weiß genau, wie sich mein Beruf in den kommenden fünf Jahren noch verändern wird. Kurzum: Wäre eine spezifische Tätigkeit davon meine Marke? Kaum. Allenfalls Journalist und Autor trifft es vielleicht noch.
Bei Ihnen und Ihrem Beruf ist es nicht viel anders. Was Sie heute tun, sieht in zwei bis drei Jahren vielleicht schon ganz anders aus. Deshalb wäre es nicht klug, wenn die Leute aus Ihrem Umfeld Sie allein mit Ihrem aktuellen Job assoziieren. Kreiieren Sie also lieber eine Eigenmarke, die zu Ihren langfristigen Karrierezielen passt und auch einige Jobwechsel verträgt – interne wie externe.
Das Flussdiagramm zum Personal Branding




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Andre
Und was antworten Sie jetzt konkret auf die Frage, was Sie denn machen?
Jochen Mai
@Andre: Steht doch da… und im Impressum.
Rebecca
Auf die Gefahr hin, mit meinen bescheidenen Italienischkenntnissen ein wenig besserwisserisch zu wirken: Sie waren bestimmt ein Paparazzo, auch wenn Sie wahrscheinlich für vier geschuftet haben.
Aber eine schöne Marke; das simple “Journalist und Autor” wäe zuviel Scheffel über dem Licht.
Jochen Mai
@Rebecca: Du hast recht, habs verbessert. Allerdings wars kein Job für vier. Ich saß im Auto, kippte Kaffeebecher um Kaffeebecher und wartete auf Harald Schmidt um den frischgebackenen Vater mit Kinderwagen “abzuschießen”. Die Pointe: Er kam nicht. Und ich wäre fast an einer Überdosis Koffein draufgegangen. Paparazzo ist kein Job für mich…
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