Unternehmenskrisen gibt es immer wieder und mit ihnen auch Sparmaßnahmen und Stellenabbau. Viele Menschen fürchten in dieser Zeit um ihren Job. Die einen werden lethargisch, stumpfen ab, verfallen in Dienst nach Vorschrift; die anderen versuchen durch hektische Betriebsamkeit ihre Unentbehrlichkeit zu unterstreichen. Die Idee ist im Prinzip gut. Nur die Ausführung ist falsch und kommt zu spät.
Jobsicherheit gibt es nicht. Kein Unternehmen kann Ihnen das heute noch versprechen. Der einzige, der etwas dafür tun kann, sind Sie selbst. Ein bedeutender Mitarbeiter zu werden, auf den das Unternehmen nur schwer verzichten kann, ist der beste Schutz davor, seinen Job zu verlieren. Zudem ist es eine exzellente Basis, um Karriere zu machen. Eine solche Schlüsselposition kann man sich in der Krise erarbeiten – meistens aber beginnt der Weg dorthin wesentlich früher.
Verwechseln Sie das aber bitte nicht mit Unersetzbarkeit im Wortsinn. Jeder Mensch ist ersetzbar. Und jeder Chef tut gut daran, sein Unternehmen so aufzubauen, dass es auch dann überlebt, wenn tragende Talente abwandern. Es geht dabei vielmehr um Mitarbeiter, die dem Unternehmen helfen, heutige und künftige Ziele zu erreichen. Die also dank ihrer Leistung und Leidenschaft essenziell sind für den Erfolg des Unternehmens. Um ein solch tragender Mitarbeiter zu werden, ist es unerheblich, wie viele andere Leistungsträger bereits im Unternehmen arbeiten. Davon kann kein Unternehmen genug haben.
Lediglich ein guter Mitarbeiter zu sein, reicht allerdings nicht. Gute Mitarbeiter sind ihr Geld wert, wirklich wertvoll werden sie aber erst, wenn sie Außergewöhnliches leisten. Erst dann schaffen sie Mehrwert. Die meisten Menschen arbeiten für Geld. Daran ist nichts falsches. Aber es macht Sie nicht leidenschaftlicher. Denn aus der Motivationsforschung weiß man, dass Geld allenfalls kurzfristig wirkt. Damit es langfristig wirkt, muss man seine Dosis stetig steigern. Das aber gefährdet sogar eher noch Ihren Job, weil Sie mit der Zeit für das Unternehmen zu teuer werden. Der Schlüssel zu mehr Leistung und Leidenschaft liegt allein in der eigenen Einstellung: Die meisten sehen sich als Angestellter, die für andere arbeiten und dafür bezahlt werden. So wird das nichts. Tatsächlich arbeitet jeder von uns immer auch für sich selbst. Denn je mehr er leistet, desto sicherer sein Job und desto wahrscheinlicher eine steile Laufbahn.
Wie also wird man ein Leistungsträger? Das Erste ist: Strengen Sie weniger an! Nicht: Strengen Sie sich weniger an, sondern machen Sie weniger Mühe. Es gibt Mitarbeiter, die zapfen einem das letzte bisschen Kraft aus dem Leib. Egal, wie gut sie in ihrem Job sind, sie nerven und machen den eigenen Job nur noch aufreibender. Jeder Manager kennt solche Leute und rollt sofort mit den Augen, wenn er an diese Pflegefälle denkt: Ganz vorne dabei ist der Denkfaule. Der ärgert enorm. Er ist nicht zu verwechseln mit den insgesamt faulen, arbeitsscheuen Kollegen. Die sind noch ärgerlicher. Es sind vielmehr jene, die durchaus gute Ideen haben, diese vorbringen, dann aber müde werden, weiter darüber nachzudenken und Unausgegorenes zurücklassen. Diese Leute mögen gute Absichten haben. Weil sie aber nie fertig denken, sind sie eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Sie sind wie Kinder, die sich einen Hund wünschen, ohne darüber nachzudenken, wer hinterher das Tier täglich Gassi führt, den Tierarzt bezahlt und sich im Urlaub darum kümmert. Wer sich selbst und seinem Chef einen Gefallen tun will, sollte seine Analyse abschließen, bevor er Vorschläge macht. Perfekt muss das nicht sein – aber die wichtigsten Einwände sollte es berücksichtigen.
Nachteilig wirkt ebenfalls, sich stets die Rosinen heraus zu picken und die unangenehme Arbeit anderen zu überlassen. Jeder Job hat lästige Teile – und sei es nur den Schreibtisch aufzuräumen. Jeder im Betrieb hat schnell raus, welche Teile das sind. Man sammelt also weder Sympathie- noch Karrierepunkte, indem man sich davor drückt. Leistungsträger sind meist schon daran zu erkennen, dass sie auch diesen Part ohne murren erledigen.
Das Dritte ist: Selbst enorm produktive Mitarbeiter können ein Unternehmen belasten. Dann, wenn sie für ihre Arbeit zu viele Ressourcen beanspruchen. Wenn sie etwa vor Ideen und Eifer nur so sprühen und ihrem Chef jeden Fortschritt mitteilen, erhöht das einerseits ihre Sichtbarkeit, was gut ist. Es senkt aber zugleich die Produktivität des Chefs. Denn der hat auch noch einen Job und nicht bloß Zeit für Tausendsassas. Die Kunst ist, das richtige Maß zu finden – zwischen Engagement und der Energie, die man dabei an sich zieht.
Sie werden in diesem Buch sicher noch mehr dieser Punkte finden. Für heute aber reichen diese drei: fertig denken, rundum arbeiten – ohne zu belasten. Fangen Sie ruhig damit an!


