Hochschulstudium, Duales Studium oder Ausbildung – Abiturienten haben in Deutschland die Qual der Wahl. Die Entscheidung für eine der möglichen Bildungslaufbahnen ist dabei von vielen Faktoren und Voraussetzungen abhängig und gestaltet sich oft relativ kompliziert. Immerhin handelt es sich um eine nicht ganz unwichtige Entscheidung mit langfristigen Auswirkungen. Um angehenden Studenten und Auszubildenden die Wahl der richtigen Bildungslaufbahn zu erleichtern, fassen wir die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bildungswege für Sie zusammen.
Eines vorweg: Natürlich gibt es auch innerhalb der jeweiligen Fachrichtungen Unterschiede und Besonderheiten. Auf diese gehen wir im folgenden Artikel jedoch nicht ein, wir konzentrieren uns stattdessen auf die verschiedenen Bildungswege in Deutschland. Die Zulassungs- und Einstiegsvoraussetzungen sind je nach Studien- und Ausbildungsweg so unterschiedlich, dass wir diese bewusst ausklammern. Grundsätzlich sollte die Entscheidung für eine der möglichen Bildungslaufbahnen nach den Fähigkeiten und Neigungen des künftigen Studenten oder Auszubildenden erfolgen. Der teilweise verbreitetet Automatismus, bei dem nach einem Abitur auf jeden Fall ein universitäres Studium folgt, mach dem Ruf der Eltern dienen, für Sohn oder Tochter kann dies jedoch der völlig falsche Weg sein.
Hochschulstudium
Institutionen: Universitäten und Fachhochschulen
Dauer: Ab sechs Semestern
Gebühren: Studiengebühren werden je nach Bundesland in unterschiedlicher Höhe erhoben. Verwaltungsgebühren und Co. kommen dazu.
Vergütung: In den Praxissemstern möglich, jedoch nicht zwingend
Abschlüsse: Diplom oder Bachelor sind möglich, aufbauend auch Master oder Promotion
Vorteile
Das Studium an einer Universität oder Fachhochschule bietet in der Fachtheorie die fundierteste aller drei Bildungswege. Sowohl Universitäten als auch Fachhochschulen behandeln die Studienthemen ausführlich und gehen teilweise sehr in die Tiefe. Die Organisationsformen des Studiums unterscheidet sich zwischen Universität und Fachhochschule, denn an der Universität haben die Studenten in der Regel deutlich mehr Möglichkeiten, Ihren Vorlesungsplan selbst zu gestalten. An Fachhochschulen gibt es hingegen mehr Vorgaben und Pflichtveranstaltungen, dadurch muss der Student nicht alles selbst organisieren und planen. Studenten an Universitäten und Fachhochschulen haben meist ausgedehnte Semesterferien, die teilweise sicherlich für Studien und Nebenjobs genutzt werden müssen.
Nachteile
Das Studium an einer Universität oder Fachhochschule ist der mit Abstand längste – und damit auch teuerste – Bildungsweg. Die Studiendauer liegt bei mindestens sechs Semestern, in der Regel sind es eher mehr. Gerade an Universitäten besteht auch die Möglichkeit, die Regelstudienzeit deutlich zu überschreiten, dies ist dann natürlich auch mit höheren Kosten durch zusätzliche Studiengebühren verbunden. Das Hochschulstudium ist im theoretischen Bereich fundiert, lässt in manchen Fachbereichen jedoch praktische Komponenten vermissen. Dies gilt nicht für alle Fachrichtungen, grundsätzlich ist die Verzahnung zwischen Theorie und Praxis jedoch nicht optimal.
Fazit
Wer im theoretischen Bereich seine Stärken hat und beispielsweise durch studienbegleitende Praktika Praxiserfahrung sammelt, ist mit einem Hochschulstudium gut bedient. Die finanzielle Belastung ist hier jedoch am höchsten.
Duales Studium
Institutionen: Duale Hochschulen, Kooperationsbetriebe
Dauer: In der Regel sechs Semester
Gebühren: Studiengebühren werden je nach Bundesland in unterschiedlicher Höhe erhoben. Verwaltungsgebühren und Co. kommen dazu.
Vergütung: Wird von den Kooperationsbetrieben gezahlt, die Höhe ist je nach Studiengang unterschiedlich.
Abschlüsse: Ursprünglich Diplom, seit dem Bologna-Prozess hauptsächlich Bachelor und Master
Vorteile
Duale Studiengänge bieten eine gute Kombination aus Praxiserfahrung und theoretischer Ausbildung. Die Studenten wechseln in einem festgelegten Rhythmus zwischen Theorie- und Praxisphasen ab. Die Praxisphasen finden bei den jeweiligen Kooperationsbetrieben statt, diese zahlen den Studenten auch eine Studienvergütung. Studiengebühren werden – je nach Bundesland – zwar dennoch fällig, die Studenten sind während des gesamten Studiums jedoch versicherungspflichtig bei ihren Kooperationsbetrieb beschäftigt. Die Dualen Hochschulen geben – im Gegensatz zu Fachhochschulen und Universitäten – einen deutlich größeren Teil der Vorlesungen und Fächer vor, die Studenten haben dadurch wenig Aufwand bei der Organisation des Studiums. Die normale Studiendauer beträgt sechs Semester, duale Studenten können daher vergleichsweise schnell in den Arbeitsmarkt einsteigen.
Nachteile
Durch die relativ kurze Studiendauer und den recht hohen Praxisanteil werden die theoretischen Inhalte stark komprimiert. Dies führt einerseits zu einem erhöhten Zeitdruck und großen Arbeitsumfängen für die Studenten. Andererseits ist die theoretische Ausbildung – auch wenn dies die Dualen Hochschulen natürlich bestreiten – etwas oberflächlicher als an Fachhochschulen oder Universitäten. Duale Hochschulen geben Ihren Studenten den größten Teil der Vorlesungen vor, viel Gestaltungsspielraum gibt es daher im Hinblick auf den Vorlesungsplan nicht.
Fazit
Wer eher praktisch veranlagt ist und dennoch eine fundierte Ausbildung im theoretischen Bereich anstrebt, ist in einem dualen Studium bestens aufgehoben. Weitere Vorteile sind die durchgehende Bezahlung während des Studiums und dessen kurze Dauer. Dadurch entsteht jedoch auch ein gewissen Zeitdruck und große Arbeitsumfänge. Um einen dualen Studienplatz zu erhalten, müssen sich angehende Studenten in der Regel bei einem Kooperationsbetrieb bewerben. Stellt dieser sie als dualen Studenten ein, ist der Studienplatz gesichert. Im Gegensatz zu Hochschulstudenten haben duale Studenten nur den vertraglich vereinbarten Urlaubsanspruch.
Ausbildung
Institutionen: Berufsschulen, Fachschulen, Ausbildungsbetriebe
Dauer: In der Regel zweieinhalb bis drei Jahre
Gebühren: Fallen je nach Bundesland und Ausbildungsgang unterschiedlich an
Vergütung: Wird in der Regel während der gesamten Ausbildung gezahlt, wenn ein Ausbildungsbetrieb vorhanden ist
Abschlüsse: IHK-Abschlüsse, Facharbeiter und ähnliche
Vorteile
Grundsätzlich muss zwischen betrieblichen und schulischen Ausbildungen unterschieden werden. Wie die Bezeichnungen bereits vermuten lassen, findet eine schulische Ausbildung hauptsächlich an der Berufs- oder Fachschule statt, während eine betriebliche Ausbildung – ähnlich wie ein duales Studium – eine Kombination aus Theorie- und Praxisphasen darstellt. Bei beiden Ausbildungsformen ist der Praxisanteil in der Regel jedoch deutlich höher als in jedem Studium, da auch an der Berufsschulen praxisorientiert gelehrt wird. Handwerkliche Berufe lassen sich beispielsweise größtenteils nur über eine Ausbildung erlernen. Während einer betrieblichen Ausbildung wird der oder die Auszubildende von seinem oder ihrem Ausbildungsbetrieb bezahlt und ist über diesen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ausbildungen sind in der Regel von ähnlicher Dauer wie ein duales Studium, teilweise besteht die Möglichkeit, die Ausbildung früher abzuschließen. Durch die Schulstruktur in den Theoriephasen müssen sich die Auszubildenden nicht um die Zusammenstellung ihres Stundenplanes kümmern.
Nachteile
In manchen Fachrichtungen und Branchen werden Ausbildungen nach wie vor geringer geschätzt als Studienabschlüsse. Außerdem bieten zwar auch Ausbildungsberufe Weiterbildungsmöglichkeiten, um mit einem Studienabschluss gleichgestellt zu sein, ist es jedoch meistens ein relativ langer Weg. Durch die Berufsschulstruktur gibt es für die Auszubildenden annähernd keine Gestaltungsmöglichkeit im Hinblick auf die Theoriephasen. Wie beim dualen Studium haben Auszubildende auch nur den im Vertrag vereinbarten Urlaubsanspruch.
Fazit
Wer praktisch veranlagt ist und sich mit der Organisation der Theoriephasen nicht beschäftigen will, trifft mit einer Ausbildung die beste Wahl. Gerade bei handwerklichen Berufen ist eine Ausbildung oft der einzig mögliche Weg, um den Beruf zu erlernen. Betriebliche Ausbildungen haben – ähnlich wie ein duales Studium – den Vorteil der durchgehenden Bezahlung und der Praxiserfahrung im Betrieb.
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Eva Ihnenfeldt
Ich unterrichte ja Studenten in Marketing und Social Media und sie haben mir berichtet, dass jetzt sogar auf Mathe ein NC ist – auf Mathe! Alle Abiturienten mit einem Abi unter 1,5 müssen sich also zunächst Alternativen einfallen lassen.
Christian Mueller
Hallo Eva,
das höre ich von meinem Studenten die ich im Coaching habe auch. Daher finde ich das duale Studium auch vorteilhaft, hier muss der Bewerber einen Arbeitgeber überzeugen. Dabei spielen Noten sicherlich auch eine Rolle, aber eben nicht so sehr wie beim NC.
Gruß,
Christian
rox
Ich finde es falsch die Studiengebühren als Kostenfaktor so hervorzuheben, im Verhältnis zu Wohnkosten oder Kosten für Lebensmittel etc. sind die Studiengebühren eigentlich schon zu vernachlässigen!
Christian Mueller
Die Lebenshaltungskosten fallen aber bei jedem Bildungsweg an. Als Kriterium für die Differenzierung spielen daher nur Studiengebühren eine Rolle.
Kai
Ein – in meinen Augen – durchaus interessanter Weg wurde nicht betrachtet: Arbeit in einem Unternehmen und ein Hochschulstudium nebenberuflich. Dies zur richtigen Zeit und ein Arbeitnehmer ist im Ergebnis Ende 20, hat mehr als 5 Jahre Berufserfahrung und ein abgeschlossenes Studium.
Christian Mueller
Hallo Kai,
danke für deinen Kommentar. Der von die beschriebene Weg ist eine interessante Alternative. Jedoch ist das bei fast allen Vollzeitstudenten die ich coache ohnehin der Fall, da alle parallel zum Studium arbeiten, teilweise auch mehr als 20 Stunden die Woche.
Kennst du denn Menschen, die so studiert haben, also direkt nach dem Abitur einen Job hatten?
Gruß,
Christian
Kai
Hallo Christian,
ja, bei mir war das der Fall. Ich habe nach dem Abitur gearbeitet und dann mit Mitte 20 begonnen zu studieren – Bei einer 40h Arbeitswoche. Mittlerweile schreibe ich die Diplomarbeit, bin in ca. 4 Monaten fertig und habe zusätzlich noch knapp 10 Jahre Berufserfahrung.
Es ist natürlich eine Ausnahme direkt nach dem Abitur ins Berufsleben starten zu können. Allerdings gibt es durchaus auch Mitstudenten, die eine ganz normale Berufsausbildung abgeschlossen haben und nun noch studieren, natürlich auch nebenberuflich.
Momentan bin ich der Auffassung, dass es die effektivste Art ist zu studieren und Berufserfahrung zu sammeln.
Gruß,
Kai
Juliane
Das ist eine wirklich schöne Übersicht mit vielen Vor-und Nachteilen auf den Punkt gebracht. Einen Aspekt hätte ich auch noch zu ergänzen. Mit einer abgeschlossenen dualen Ausbildung kann man studieren(sogar ohne Abitur). Dieser Weg wird ja auch ziemlich oft eingeschlagen.
@Kai: Das nebenberufliche Studium habe ich bisher auch immer ausser Acht gelassen. Danke für den Hinweis.
Lars Kroll
Kleine Anmerkung: Ab Sommersemester 2012 (also ab März), keine Studiengebühren mehr in Deutschland. (Verwaltungsgebühren schon, ca. 70-120 € pro Semester)
Christian Mueller
Hallo Lars,
woher hast du diese Information? Meines Wissens ist es noch nicht sicher, dass die Studiengebühren endgültig abgeschafft werden, oder?
Gruß,
Christian
Lars Kroll
Hallo Christian,
von meiner Hochschule http://www.hdm-stuttgart.de und hier:
http://mwk.baden-wuerttemberg.de/studium/kosten-eines-studiums/studiengebuehren/
Gruß Lars
Christian Mueller
Hallo Lars,
danke dir. Das gilt allerdings – leider – nur für Baden-Württemberg. Studiengebühren sind – wie die Bildungspolitik an sich – Ländersache. Daher kann nur jedes Bundesland für sich die Studiengebühren abschaffen.
Gruß,
Christian
Lars Kroll
Da hast du recht Christian. Muss mich korrigieren.
Hier eine Übersicht über alle Bundesländer:
http://www.studis-online.de/StudInfo/Gebuehren/
Sind jedoch einige dabei die keine bzw. erst bei Landgzeit- oder Zweitstudium, Gebühren erheben.
Markus
Eine Ausbildung ist und bleibt ein gutes Fundament. Es bleibt aber trotzdem die Frage ob eine Ausbildung jemals so angesehen wird wie ein Studium, auch wenn die beiden mittlerweile durch Bologna garnicht mehr so weit entfernt liegen.
Christian Mueller
Hallo Markus,
es gibt sicher Branchen, in denen eine Ausbildung nach wie vor weniger zählt als ein Studium. Allerdings nimmt der Wert der Ausbildungen zu bzw. differenzieren sich die Aufgaben mehr aus, so dass sowohl Ausbildung als auch Studium ihren Einsatzbereich finden.
Gruß,
Christian