Studieren lohnt sich. Sagt zumindest die Statistik. Eine Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) berichtet etwa, dass 91 Prozent der FH- und 89 Prozent der Uni-Abgänger nach dem Abschluss einen Job gefunden haben. Die Arbeitslosenquote des Absolventen-Jahrgangs von 1997 liegt bei einem Prozent.

Angesichts der aktuellen Lage sind das ermutigende Aussichten. Allerdings profitieren nicht alle Studenten gleichermaßen davon. Denn Fakt ist auch: Die Qualität des Studium variiert stark – vor allem aber haben zahlreiche Unternehmen im Zuge der europaweiten Bologna-Anpassung der Bachelor- und Master-Abschlüsse längst damit begonnen, für sich sogenannte Zieluniversitäten zu definieren. Das sind Hochschulen, die bei den Personalern ein besonders hohes Ansehen genießen, weil von dort aus ihrer jeweiligen Sicht die besten Absolventen kommen. Entsprechend wird hier bevorzugt rekrutiert und von dort auch besonders gerne eingestellt. Für die Absolventen in spe ist die Wahl der richtigen Uni damit eine wesentliche, wenn nicht gar entscheidende für ihre weitere berufliche Karriere.

Seit einiger Zeit gibt es deshalb immer wieder Uni-Rankings, die den Studenten bei ihrer Wahl Orientierung bieten sollen. Die meisten messen allerdings vorrangig, die Qualität der Forschung, die Zahl der Veröffentlichungen in Fachmagazinen, die Ausstattung der Bibliotheken oder die Ausstattung der Hörsäle und Campus-Einrichtungen. Alles nicht unwichtig, keine Frage. Aber für jemand, der später in die Wirtschaft und nicht in die Forschung will (und das ist die Mehrheit der Studenten) ist meist entscheidender, welchen Marktwert seine akademische Ausbildung hat. Immerhin ist diese spätestens nach Einführung der Studiengebühren eine nicht unerhebliche Investition in seine Zukunft – und die sollte sich lohnen.

Die WirtschaftsWoche befragt deshalb schon seit Jahren traditionell Personalverantwortliche, welche Absolventen, beziehungsweise welche Uni die beste ist: Welche Hochschule genießt bundesweit den besten Ruf? Welchen Abschluss sollte man anstreben? Und worauf legen Unternehmen Wert, wenn man sich bei ihnen bewirbt?

Insgesamt wurden auch dieses Jahr wieder über 500 Personaler befragt – insbesondere für die Fachrichtungen BWL, VWL, Jura, Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Wirtschaftsinformatik und Naturwissenschaften. Das Ergebnis ist das Wiwo-Uniranking 2009, das kommenden Montag in der nächsten WirtschaftsWoche erscheint. Einige Ergebnis darf ich aber schon vorab verraten:

So kührten die Personalchefs der größten deutschen Unternehmen die RWTH Aachen zur besten Hochschule des Landes. Sie landete gleich in fünf Kategorien auf dem ersten Platz: Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau, Naturwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen. In den Fächern Maschinenbau und Informatik konnte die RWTH sich mit weitem Abstand an die Spitze setzen: Mit 74,3 Prozent sind fast drei Viertel der Personalexperten der Meinung, dass Aachen die besten Nachwuchs-Maschinenbauer hervorbringt. Auf Rang zwei folgt die TU Darmstadt (45,3 Prozent) vor der TU München (41,2 Prozent). Auch beim Fach Informatik führt die RWTH Aachen das Ranking an, gefolgt von der TU München und der Uni Karlsruhe.

Die weiteren Top-Unis sind:

Rang BWL (Uni) BWL (FH) Maschinenbau Maschinenbau (FH) Jura Informatik
1 Mannheim ESB Reutlingen Aachen (RWTH) FH Aachen LMU München Aachen (RWTH)
2 LMU München FH Münster Darmstadt (TU) FH Esslingen Münster München (TU)
3 Münster FH Köln München (TU) FH Karlsruhe Bucerius Law School Karlsruhe

Ein Debakel erleben bei dem Uniranking 2009 übrigens die meisten der sechs Hochschulen, die der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Oktober 2007 zu „Elite-Unis“ gekürt haben. Die Universitäten Konstanz, Heidelberg, Freiburg sowie die FU Berlin bringen nach Ansicht der Personaler nicht die besten Absolventen hervor und spielen im Ranking eine eher untergeordnete Rolle.

Was die Forschung über Studenten sagt

Die ZEIT fragt sich in der heutigen Ausgabe zudem ob das Studieren auf Bachelor oder Master dumm macht und zitiert den Bamberger Soziologen und Kritiker der Ökonomisierung der Bildung, Richard Münch:

“Anstatt ihrer Wissbegierde zu folgen, jagen Studenten nur den Credits hinterher!” Die Leistungspunkte machten jedes außeruniversitäre Engagement wertlos, die Attraktivität von Vorlesungen messe sich nicht mehr am Erkenntnisgewinn, sondern am Punktwert. Und plötzlich erhält sogar eine Frage ihre Berechtigung, die zunächst nach einer billigen Pointe klingt: Macht Studieren dumm?

Das scheint aber so nicht ganz der Fall zu sein. So hat etwa die Konstanzer AG Hochschulforschung 2007 in ihrem “Studierendensurvey” (pdf) herausgefunden:

  • 71 Prozent studieren aus Interesse am Fach.
  • 58 Prozent leben beim Studium ihre Begabungen aus.
  • 36 Prozent studieren, weil sie auf einen sicheren Arbeitsplatz hoffen.
  • 24 Prozent studieren wegen der besseren Einkommensaussichten.
  • 37 Prozent der Studenten interessieren sich für Politik.
  • 23 Prozent der Erststudenten machen Auslandserfahrungen.
  • 15 Prozent der Bachelor-Studenten studieren auch mal im Ausland.
  • Bei den Master-Studenten sind es 30 Prozent.
  • 34,6 Stunden investieren Bachelor-Studenten pro Woche in ihr Studium.
  • 35,5 Stunden waren es im Schnitt bei Diplomanden.
  • Das Gros der Studenten will heute in 10,6 Semestern fertig sein.
  • 44 Prozent der Studenten arbeiten gar nicht parallel.
  • 26 Prozent arbeiten mehr als 12 Stunden pro Woche.