Macht beinhaltet stets die Möglichkeit zur eigenen Entscheidung. Egal, ob man nun ganz oben oder am Ende der Befehlskette steht: Jeder hat ein gewisses Maß an Macht. Selbst einfache Mitarbeiter, deren Rolle darin besteht, Anweisungen zu befolgen. Denn es ist so: Der Chef trägt zwar die Verantwortung, muss aber auch Ergebnisse liefern und ist dabei auf seine Untergebenen angewiesen. Und genau hierin liegt deren Macht.

Dienst nach Vorschrift ist das größte Druckmittel, das Mitarbeiter ausspielen können. Dabei geht es um nichts Geringeres als das Zuweisen von Verantwortung und Schuld. Kein Chef kann alles zu jeder Zeit überblicken. Infolgedessen enthält jede seiner Anweisungen immer einen Entscheidungsspielraum. Der perfide Trick ist, diesen bewusst nicht auszuschöpfen und den Karren sehenden Auges vor die Wand fahren zu lassen, Motto: Ich habe nur getan, was man mir gesagt hat. Die Machtstrategie ist allerdings heimtückisch: Subtil gespielt oder nur als Bedrohungsszenario angedeutet, entfaltet sie große Kraft und beschädigt den Vorgesetzten enorm. Wehe aber, Sie lassen sich etwas dabei zu Schulden kommen. Dann stehen Sie nicht nur als unmündiger Weisungsempfänger da, sondern auch noch als Fehlerteufel. Stärker wirkt, kurz vor der Klippe das Steuer rumzureißen, zu handeln, wie man es vorher empfohlen hatte, und so den Laden und das Gesicht des Chefs zu retten. Allein schon aus Erleichterung wird er Ihnen künftig mehr Gehör schenken und Sie höher schätzen.

Die zweite Strategie setzt voraus, dass Sie etwas können, was kaum ein anderer beherrscht – der Chef schon gar nicht – oder dass Sie über den exklusiven Zugang zu Informationen und Kontakten verfügen, die für das Unternehmen essenziell sind. Im Extremfall kennen Sie die sprichwörtliche Leiche im Keller Ihres Chefs. Derlei Exklusivität ist die beste Strategie, um seinen Wert für das Unternehmen hoch und die Chancen, jemals gefeuert zu werden, gering zu halten. Sie spielt Ihnen ein erhebliches Druckmittel in die Hand – das Sie jedoch nie (!) offen ausspielen dürfen. Das wäre Nötigung und würde nur Hass und Intrigen gegen Sie provozieren. Offiziell sind Sie der bereitwilligste Mitarbeiter, den es gibt. Allenfalls ein paar überraschende grippale Infekte machen die wahren Machtverhältnisse klar.

Die dritte Einflussnahme ist die simpelste: Liebesentzug. Das setzt zwar voraus, dass der Boss ein harmoniebedürftiger Herrscher ist, der sich vor der Einsamkeit an der Spitze fürchtet. Die Wahrheit aber ist: Die meisten Chefs sind das, auch wenn sie es nie zugeben würden. Solchen Menschen die Sympathie, Anerkennung und Bewunderung für ihr Werk zu entziehen, trifft sie an ihrer empfindlichsten Stelle. Aber auch hier gilt: Machen Sie das nie offensichtlich und vermitteln Sie schon gar nicht den Eindruck, Sie wollten eine Revolte anzetteln! Wenn aber Ihre Ergebnisse untadelig und Ihre Loyalität unzweifelhaft sind, dann entfaltet diese Strategie große Wirkung. Erst recht, wenn Sie diese wie kleine Nadelstiche einsetzen. Schon bald wird sich Ihr Chef nach Ihrer uneingeschränkten Gunst sehnen.

Wie heißt es so schön in der Demokratie: Alle Macht geht vom Volke aus!