Das iPad wurde bei seiner Vorstellung im Jahr 2010 von vielen als reines Konsum-Gerät abgestempelt. Inzwischen haben die zahlreichen iOS-Apps das jedoch geändert und das iPad lässt sich als Arbeitsgerät für vielfältige Aufgaben einsetzen. Mit dem vor kurzem erschienenen Chrome Browser für iOS lassen sich sowohl iPhone als auch iPad ein ganzes Stück produktiver einsetzen. Denn auch wenn der Browser aus dem Hause Google nicht auf die native Jaca Script Nitro Engine zugreifen kann, die Safari verwendet – Apple lässt das für Drittanbieter nicht zu – hat Chrome für iOS viel zu bieten. Wir nehmen den Browser für Sie unter die Lupe.
Optik und Funktionen
Wer Chrome auf dem Desktop – sei es auf Mac oder PC – verwendet, wird sich auf Anhieb zu Hause fühlen. Die Optik auf dem iPhone unterscheidet sich – auf Grund des deutlich geringeren Platzes – natürlich von den “großen” Versionen, doch auf dem iPad wirkt Chrome fast identisch zum Desktop. Die obere Leiste (1) kombiniert – wie gewohnt – Adress- und Suchleiste in einem – eine Funktion, die Safari mit iOS 6 ebenfalls erhalten wird. Die Sprachsuche (2) funktioniert hervorragend und versteht die Suchbegriffe in den meisten Fällen problemlos. Hinter den drei parallelen Strichen (3) verbergen sich die Einstellungen und weitere Funktionen.

Diese fallen recht umfangreich aus und bieten beispielsweise Inkognito-Tabs (4), welche nicht in der Liste der zuletzt geöffneten Seiten auftauchen und bei denen auch keine Passwörter oder andere Daten gespeichert werden. Hinter dem Punkt “Andere Geräte” (5) erwartet den Nutzer eine praktische Funktion. Hier werden die geöffneten Tabs anderen Geräte mit Chrome angezeigt, die der Nutzer im Einsatz hat. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie sich zuvor in den Einstellungen mit Ihrem Google-Konto angemeldet und die Synchronisation aktiviert haben. Zwischen Mac und iOS-Geräten wird das Safari ebenfalls ab iOS 6 können, doch Chrome ist plattformübergreifend einsetzbar. Der Punkt “E-Mail-Adresse” (6) ist schlecht formuliert, denn hier haben Sie die Möglichkeit, die URL der aktuellen Seite per E-Mail zu versenden. Im Safari ist das klarer benannt. Eine Besonderheit stellt jedoch der Eintrag “Desktop-Version anfordern” (7) dar. Durch einen Klick können Sie vom mobilen Layout einer Webseite auf das Desktop-Layout umschalten – das kann bei vielen Seiten – beispielsweise Google+ – enorm hilfreich sein.

Der Praxiseinsatz
Funktionen bietet Chrom für iOS also genug, doch wie schlägt er sich in der Praxis? In einem Wort: hervorragend. Chrome ist in unserem Test kein einziges Mal abgestürzt und kam auch mit großen und bildlastigen Seiten gut zurecht. Das Scrollen funktioniert bei den meisten Webseiten wunderbar flüssig, die einzige Ausnahme stellt Google+ in der Desktop-Ansicht dar. Doch im Safari ist das Netzwerk fast unbenutzbar, daher stellt Chrome hier eine deutliche Verbesserung dar. Endlich können auch Google+-Seiten mit dem iPad vernünftig – wenn auch nicht optimal – und bearbeitet werden. Für alle WordPress-Blogger gibt es ebenfalls gute Neuigkeiten: Das WordPress-Backend ist mit Chrome gut benutzbar, es ruckelt nichts und Artikel lassen sich problemlos bearbeiten. In Apples Safari ist das fast unmöglich und sehr frickelig.
Klingt fast zu schön um wahr zu sein, oder? Ist es auch, denn leider lässt sich Chrome nur mittels Jailbreak als Standard-Browser festlegen. Von Haus aus bietet iOS diese Möglichkeit jedoch nicht. Mit einem kleinen Umweg können Sie jedoch eine Seite direkt aus dem mobilen Safari in Chrome öffnen. Dazu hinterlegen Sie im Safari ein Lesezeichen, dessen Adresse wie folgt lautet:
javascript:location.href=”googlechrome”+location.href.substring(4);
Der Tipp stammt von Caschy, der Chrome für iOS ebenfalls einen eigenen Artikel gewidmet hat und begeistert ist. Dem können wir uns nur anschließen, denn Googles mobiler Browser überzeugt auf der ganzen Linie.
Update
Wir haben noch ein Hands-on-Video gedreht, in dem wir Ihnen weitere Details des Chrome-Browsers zeigen. Ach ja, die Tastatur hat Google auch etwas angepasst. Sie finden über der letzten Buchstaben-Zeile eine zusätzliche Leiste, in der Sie die Symbole Punkt, Doppelpunkt, Bindestrich, Schrägstrich und .com sehen. Viel Vergnügen mit unserem Video!
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Ivan Blatter
Ein sehr guter Bericht, danke dafür!
Ich habe Chrome für iOS soeben zum Absturz gebracht, lustigerweise indem ich Google+ auf die Desktop-Version umschaltete. :-)
Dafür habe ich diesen Kommentar problemlos auf dem iPad und in Chrome geschrieben. Ich bleibe dennoch bei Safari, einfach weil es mir besser gefällt. Auf dem Mac nutze ich auch und gerne Safari, unter Windows bin ich schon lange auf Chrome umgestiegen.
Herbert
Unter Pruktivitätsgesichtspunkten finde ich iCab mit all seinen Plugins zu Evernote, Pocket, Drppbox usw. allerdings deutlich besser ….
Christian Mueller
Hallo Herbert,
iCab mag – noch, ich bin sicher, Google wird hier noch einiges tun – mehr Funktionen haben. Doch für mich ist Chrome der stabilste Browser auf dem iPad, mit dem ich auf so gut wie allen Seiten problemlos arbeiten kann. Das macht ihn für mich auch zum produktivsten Browser.
Gruß,
Christian