Das Verhältnis deutscher Unternehmen zu den Social Media lässt sich – freundlich formuliert – als ambivalent beschreiben. Einerseits ist den meisten Unternehmen und Geschäftsführern inzwischen klar, dass Social Media kontinuierlich an Einfluss gewinnen und in absehbarer Zeit nicht verschwinden werden. Andererseits scheuen nach wie vor zahlreiche Unternehmen den Schritt in die Social Media oder lassen – noch schlimmer – bei ihrem Engagement ein klare Linie und Haltung vermissen. Die Bedenken sind teilweise berechtigt, basieren in großem Umfang jedoch auch auf Vorurteilen und Falschinformationen. Doch alle Unternehmen werden sich früher oder später mit den Social Media befassen müssen. Denn diese werden in absehbarer Zeit zu einem Pflichtbestandteil der Unternehmenskommunikation. Diese Tendenz ist bereits heute sichtbar.
Beachten Sie bitte, dass ich den Begriff Soziale Media hier nicht als Synonym für die sozialen Netzwerke verwende. Social Media umfassen viel mehr als Facebook, Twitter und Google+. Auch Kanäle wie Youtube und ein Corporate Blog gehören zum Arsenal der Social Media Kommunikation und bieten Unternehmen deutliche Vorteile. Doch diese Vorteile sind nicht der Hauptgrund, der Social Media zum Pflichtbestandteil der Unternehmenskommunikation machen wird. Nein, es sind in erster Linie die Erwartung von Kunden und Fans und deren veränderte Kommunikationsgewohnheiten.
Social Media sind akzeptierte Kommunikationskanäle
Social Media haben sich in den letzten Jahren von einer Nische zu intensiv genutzten Kommunikationskanälen entwickelt. Heutzutage sind soziale Netzwerke, Youtube und Blogs akzeptiert und werden von Menschen aller Altersklassen genutzt. Mehr noch: Es gibt inzwischen eine ganze Generation, für die Facebook, Youtube und andere soziale Netzwerke ganz selbstverständlich Teil der täglichen Kommunikation und Informationsbeschaffung sind. Mitglieder dieser Generation setzen voraus, dass Unternehmen in den sozialen Netzwerken nicht nur präsent sind, sondern dort auch aktiv in Dialoge einsteigen und auf Fragen antworten. Auch eine gut gemachte Webseite und ein Unternehmens-Blog mit weiterführenden Informationen werden in der Regel von diesen Kunden und Fans erwartet.
Das gilt umso mehr für nachfolgende Generationen, daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis Unternehmen sich in den Social Media engagieren müssen. Doch es gibt noch einen anderen Aspekt: Auch die Mitarbeiter der Unternehmen nutzen die Social Media in der Regel aktiv. Ein Unternehmen, dass seine Mitarbeiter daher über aktuelle Entwicklungen informieren und sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren will, kann dieses Ziel am besten über die Social Media erreichen. Natürlich wird es immer Informationen geben, die nur intern verbreitet werden. Doch aktuell kommt es immer noch vor, das Mitarbeiter einschneidende Veränderungen im Unternehmen zuerst auf Nachrichtenseiten oder in Zeitungen lesen und erst im Nachhinein von ihrer Geschäftsleitung informiert werden. Keine gute Basis für eine vertrauensvolle und loyale Zusammenarbeit.
Social Media erfordern eine neue Kommunikationskultur
Nur um das klarzustellen: Unternehmen können von den Social Media als Kommunikationskanäle enorm profitieren. Mit vergleichsweise geringem Einsatz von Ressourcen kann hier eine enorme Reichweite erzielt und die Botschaft des Unternehmens verbreitet werden. Damit die Social Media jedoch sinnvoll genutzt werden können, ist in manchen Unternehmen ein Umdenken und die Etablierung einer neuen Kommunikationskultur notwendig. Denn in den Social Media findet die Kommunikation auf Augenhöhe und – wenn sie gut gesteuert wird – im Dialog statt. Die Anliegen von Kunden und Fans müssen ernstgenommen und zeitnah beantwortet werden.
In den Social Media – der Name verrät es bereits – geht es um den Aufbau nachhaltiger Kommunikationsbeziehungen und aktiver Communitys, nicht um reine Werbung. Diese findet dort natürlich auch statt und hat ihre Berechtigung, doch sie darf die aktive Unternehmenskommunikation nicht ersetzen oder stören.
Social Media werden zur Kommunikationsbasis
Mittel- und langfristig werden die Social Media und speziell die sozialen Netzwerke die bevorzugten Kommunikationskanäle vieler Kunden und Fans sein. Unternehmen werden dann keine andere Wahl haben, als diese Kanäle ebenfalls zu nutzen, denn sonst erreichen sie einen großen Teil ihrer (potentiellen) Kundschaft einfach nicht mehr. Das gilt auch für die Suche nach hoch qualifizierten Mitarbeitern, diese setzen bei der Jobsuche schon heute verstärkt auf soziale Netzwerke.
Auch im Business-to-Business-Bereich werden Social Media deutlich wichtiger werden. Bereits heute bieten qualitativ gute Corporate Blogs einen hervorragenden Weg, um Kunden und Geschäftspartner in diesem Bereich auf dem aktuellen Stand zu halten. Früher oder später wird sich das Branding einer Marke auch gegenüber anderen Unternehmen primär über die Aktivitäten in den Social Media definieren. Diese Entwicklung ist aus meiner Sicht bereits in vollem Gange und lässt sich nicht mehr aufhalten. Unternehmen sollten sich daher heute mit den Social Media befassen und sich dort professionell engagieren. Je länger sie warten, desto schwieriger wird es, sich in den Social Media zu positionieren und die eigene Marke dort aufzubauen.
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Kevin Goldhausen
Hallo, ich teile den Inhalte Deines Artikels voll und ganz, möchte jedoch bei zwei Punkt nachhaken: Wie erklärt es sich, dass sich Unternehmen teilweise nicht trauen, den Schritt in Richtung Social Media zu gehen (auch wenn sie den “Bedarf” erkannt haben) und welche Branchen siehst Du bzgl. Social Media am weitesten bzw. am wenigsten entwickelt? VG, Kevin
Christian Mueller
Hallo,
was das Zögern beim Einstieg in die Social Media betrifft, gibt es da sehr unterschiedliche Gründe. Meiner Erfahrung mit verschiedenen Unternehmen und Kunden nach ist es – in Deutschland – oft die Sorge, das interne Informationen nach außen gelangen könnten. Mittelständische Unternehmen können sich oft nicht vorstellen, welchen Nutzen sie aus den Social Media ziehen können. Und bei großen Unternehmen hängt es oft an einerseits verkrusteten und unflexiblen Strukturen und am mangelnden Verständnis der Entscheider für die Social Media. Das sind die häufigsten – aber ganz sicher nicht die einzigen – Gründe, denen ich häufig begegne.
Was die Branchen angeht: Vor allem im sozialen Bereich und bei Handwerksbetrieben erlebe ich viel Skepsis und Zurückhaltung, hier meiner Meinung nach auch die größten Defizite. Doch auch NPOs und NGOs könnten hier noch deutlich mehr tun. Im B2B-Bereich liegt ebenfalls noch viel ungenutztes Potenzial, da sich hier der Nutzen von Social Media langsamer durchsetzt, als im B2C-Bereich.
Gruß,
Christian
Julian Stünkel
Schöner Artikel, 100% aggree!
Genau dies sollten sich Unternehmen vor Augen halten, wenn/bevor sie im Social Media tätig werden möchten.
Für mich sind die Social Media-Kanäle darüber hinaus besonders im Kundenservice sinn- und wertvoll. Weg vom Service-Anrufbeantworter, hin zum öffentlichen und transparanten Dialog. Vertrauen und Nähe schaffen, das sollten vorrangige Ziele in der digitalen Unternehmenskommunikation sein.
Social Web – da werden sie geholfen!
Kevin Goldhausen
Hallo Julian, ganz Deiner Meinung. Jedoch scheuen sich noch viele Unternehmen diese Transparenz herzustellen indem sie Twitter und Facebook als Service-Kanal bewusst nicht betrachten und maximal Support-Foren betreiben die nicht öffentlich und nur Kunden vorbehalten sind. Es soll ja nicht jeder mitbekommen, dass es Probleme gibt… Das dennoch über diese Unternehmen und deren Services in Social Media gesprochen und ggf. negativen Einfluss auf die Brand genommen wird, wird leider noch zu oft ignoriert.
Lou Cloos
Ich glaube Social Media ist schon längst Pflicht. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass viele Unternehmen, obwohl sie es nicht offen zugeben, sich schon längst mit den Thema auseinandersetzen. Waren es vor Jahren noch die Gefahren, die im Vordergrund standen, so rücken nun immer öfter die Chancen in den Fokus. Das passive Nutzen von Social Media, zu Monitoring-Zwecken, ist längst an der Tagesordnung. Von dort ist es nur mehr ein kleiner Schritt zur aktiven Nutzung. Dass sich nach wie vor so viele scheinbar reserviert zeigen gegenüber einer aktiven Nutzung (und in diesem Beitrag geht es ja primär um aktives Nutzen), hat nicht nur mit Ängsten zu tun, sondern auch mit der Tatsache, dass es in den Kommunikationsabteilungen ein Umdenken gibt: Weniger Reden mehr Zuhören, aus Unternehmenssprechern wurden Unternehmenszuhörer. Unternehmen, die nicht nur sprechen, sondern auch zuhören können, haben alle Voraussetzungen für einen funktionierenden Dialog. Das gibt Hoffnung.
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Jens Voshage
Schöner Beitrag, dem ich grundsätzlich zustimme. An einer Stelle kommt von mir jedoch Widerspruch: bei der Kommunikationsbasis. Die Basis für die Online-Kommunikation muss aus meiner Sicht immer die klassische Unternehmens-Website sein. Wohlgemerkt: die Basis. Hier lassen sich alle Social-Media-Aktivitäten verankern. Hier werden die Aktivitäten im Zweifelsfall zusammengeführt. Und sie besteht auch noch dann, wenn ein früher als strategisch wichtige erkannter Social-Media-Kanal plötzlich oder schleichend den Zuspruch der Dialoggruppen verliert.
Wer Social Media als Basis versteht, baut das Fundament seiner Kommunikation im Niemandsland. Dies halte ich für gefährlich und kurzsichtig.
Wenn die Zwischenüberschrift jedoch so gemeint ist, das Social Media zum alltäglichen Tool in der Unternehmenskommunikation wird, dann stimme ich diesem Ansatz natürlich zu.
Christian Mueller
Hallo Jens,
du gibst dir die Antwort auf deine – unausgesprochene – Frage schon selbst: Mit Basis meine ich hier, dass Social Media zur Grundlage der Unternehmenskommunikation werden müssen. Und ich schreibe zu Beginn des Artikels klar, dass ich auch die Webseite und das Corporate Blog unter Social Media einordne und diese nicht mit den sozialen Netzerken gleichsetze. Wie du in zahlreichen Artikeln – beispielsweise hier: http://karrierebibel.de/social-media-im-mittelstand-so-bauen-sie-ihre-marke-auf/ und hier: http://www.sozial-pr.net/homepage-und-social-media-wichtig-auch-fuer-mittelstaendler-und-kleinbetriebe-infografik/ – nachlesen kannst, stimme ich dir da völlig zu. Blog und Webseite sind die Kommunikationszentrale, die sozialen Netzwerke kommen unterstützend dazu.
Gruß,
Christian