Unternehmenskultur-Firmenkultur-Team
Der Unterschied zwischen Joghurt und Unternehmen ist: Joghurt hat bisweilen die lebendigere Kultur. Ich glaube, es gibt keinen Manager, der nicht irgendwann die hervorragende Unternehmenskultur in seiner Firma gepriesen oder zumindest beschworen hat, in dem Sinne, dass sie besser werden möge. Und natürlich hört sich das auch prima an: Kultur - das klingt nach einem atmenden Organismus, nach Leben in der Bude, nach Entwicklung, Fortschritt, Rambazamba, lauter positivem Zeugs eben. Mich macht das immer stutzig. Denn oft ist das seelenwunde Geschwurbel von der Unternehmenskultur nichts weiter als eben das: seelenwundes Geschwurbel. Blutleer. Wenn nicht gar glatt gelogen...

Unternehmenskultur: Eine (Schein-)Definition

Würden wir an dieser Stelle Bullshit-Bingo spielen, stünden die Chancen gut, dass nach dem Abhaken der "Unternehmenskultur" bald auch den Begriff "Humankapital" fallen würde. "Wertvoll" vermutlich ebenso. Die Rede von der Unternehmenskultur gleicht oft einem puren Lippenbekenntnis. Entweder, weil diese in der Realität gar nicht existiert. Oder ganz anders.

Das soll jetzt gar kein Manager-Bashing werden. Ich glaube, dass sich Führungskräfte schlicht schwer damit tun, eben jene Unternehmenskultur überhaupt erst einmal zu definieren, bevor sie diese etablieren können.

Oder konkret gefragt: Was ist das überhaupt, eine Unternehmenskultur?

Wikipedia definiert den Begriff "Kultur" beispielsweise so:

Kultur (zu Lateinisch cultura, "Bearbeitung", "Pflege", "Ackerbau", von colere, "wohnen", "pflegen", "den Acker bestellen") ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt. Je nachdem drücken sich in [dem Begriff] das jeweils lebendige Selbstverständnis und der Zeitgeist einer Epoche aus, der Herrschaftsstatus oder -anspruch bestimmter Klassen oder auch wissenschaftliche und philosophisch-anthropologische Anschauungen. Der Begriff kann sich auf eine enge Gruppe von Menschen beziehen, denen allein Kultur zugesprochen wird, oder er bezeichnet das, was allen Menschen als Menschen zukommt, insofern es sie beispielsweise vom Tier unterscheidet.

Das hilft - zugegebenermaßen - nicht wirklich weiter, zeigt aber doch zumindest Eines: Kultur ist etwas, bei dem Menschen ein lebendiges und gemeinsames Selbstverständnis entwickeln.

Doch genau das lässt sich meist nicht verordnen, Motto: "Die Geschäftsleitung hat beschlossen, ab sofort haben wir eine Firmenkultur, und die sieht so und so aus..." Netter Versuch! Allenfalls können Manager ihre Mitarbeiter - im positiven Sinne - beeinflussen, indem sie selbst Vorbild sind und Entwicklungsbarrieren einer Kultur beseitigen.

Unternehmenskultur und Führung

Teamwork-Unternehmenskultur-GemeinsamDa allerdings fängt die eigentliche Aufgabe an: So wie man nicht linksdrehende und rechtsdrehende Kulturen in ein und demselben Joghurt-Becher verquirlen kann, schafft man es auch nicht, eine faire, transparente und wertschätzende Kultur zu etablieren, wenn diese an allen Ecken und Enden ad absurdum geführt wird.

Zu kryptisch? Dann per Beispiel...

Unternehmenskultur beginnt bereits mit dem Arbeitsvertrag.

Ein Manager kann sich nicht hinstellen und sagen, man wolle vor allem Mitarbeiter, die unternehmerisch denken und handeln, also eigenverantwortlich und mutig - und dann in den Arbeitsvertrag schreiben, dass eben jene Unternehmer im Unternehmen mit dem Dienst-PC nicht einmal private E-Mails schreiben dürfen oder ihr Netzwerk auf Facebook & Co. pflegen. Das ist nicht unternehmerisch gedacht, sondern erzieherisch.

Ebenso wenig lässt sich mit einem solchen Passus noch guten Gewissens von einer offenen und transparenten Firmenkultur sprechen. Vielmehr steckt dahinter der Gedanke, Mitarbeiter seien unmündige, unselbstständige und vor allem unmotivierte Wesen, die ganz dringend zur Arbeit (und bitte nur dazu) gezwungen gehören.

Und die Kulturen vom mündigen Mitarbeiter einerseits und vom müden Malocher andererseits passen nun mal nicht in ein und denselben Becher.

Oder metaphorisch gesprochen: Wer einen bestimmten Geist kultivieren will, muss auch dafür sorgen, dass dieser in jedem Winkel frei wehen kann.

Das bedeutet, dass er sich - so profan das auch klingt - in sämtlichen internen wie externen Papieren, Memos und Berichten ebenso widerspiegelt, wie in demonstrierten und sprichwörtlich ausgezeichneten Vorbildern und kollaborativen Umgangsformen.

Das heißt im unangenehmsten Fall aber auch, dass Zuwiderhandeln Konsequenzen haben muss.

Wer etwa wiederholt Kreativität und freies Denken bremst, obwohl beides gewünscht, gefördert und gefordert wird, der sollte dringend aufgefordert werden, sein Verhalten zu ändern - oder sich eine andere Kultur zu suchen.

Wie formulierte es Kant schon im Großen:

Handle stets nach der Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Das heißt umgekehrt und im Kleinen: Willst du das deine Maxime allgemein akzeptiertes Gesetz (oder eben Unternehmenskultur) werde, sorge dafür, dass alle stets danach handeln (können).

Und zuallererst du selbst.

Die Kolumne als Video

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