Zum guten Ton im Top-Management gehört es, dass wenn sich Führungskräfte von Ihren Unternehmen unfreiwillig trennen, das Ganze nach außen wie einen choreographierten Akt aussehen zu lassen. Die Formeln dafür lauten dann, man trennte sich „in gegenseitigem Einvernehmen“ oder etwas härter aufgrund „unüberbrückbarer Differenzen“. Das klingt zivilisiert, trotzdem ahnt natürlich jeder, dass in dem Laden die Fetzen geflogen sind und dem plötzlichen Ausscheiden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fiese Macht- und Grabenkämpfe vorausgegangen sind. Immerhin: Derlei geschasste Manager fallen meisten weich, dem „goldenen Handschlag“ sei Dank.

Ganz anders sieht das einige Etagen darunter aus. Auch hier gibt es ohne Zweifel immer wieder unüberbrückbare Differenzen mit dem Chef, die eine weitere Zusammenarbeit unmöglich machen. Und glaubt man einschlägigen Umfragen, wie hier, hier und hier berichtet, dann nimmt dieses Gefühl gerade massiv zu.

Wer sich jedoch aus einem ungekündigten Verhältnis heraus woanders bewirbt, wird früher oder später mit der vielleicht heikelsten Frage im Vorstellungsgespräch konfrontiert: „Warum wollen Sie wechseln?“ Heikel ist sie deshalb, weil man darauf kaum offenherzig antworten sollte, Motto: „Weil mein Chef ein Menschenschinder ist, weil er inkompetent ist und weil die Kollegen Idioten sind.“ Es ist schlicht ein Bewerbungskiller über den bisherigen Arbeitgeber im Allgemeinen, den blöden Boss und die chaotischen Kollegen im Besonderen zu lästern. Zum Einen, weil das einfach unsympathisch macht und zum Zweiten, weil der gerade umworbene Arbeitgeber bald auch schon wieder ein Ex-Arbeitgeber sein könnte – und wer will schon, dass man hinterher genauso schlecht über ihn redet?!

Hinter der Frage nach dem Wechselwunsch steckt allerdings noch mehr. Es ist das latente Misstrauen, der Bewerber könnte auch deshalb wechseln wollen, weil er in Wahrheit ein Autoritätsproblem hat, weil sich schlecht in Teams einfügen kann und kritikresistent ist – um nicht gar von Renitenz zu sprechen. Auch deshalb sollte man seine Antwort mit Bedacht wählen, um diesen Grundverdacht sofort auszuräumen. Sie sollten dabei jedoch auch nicht selber schlecht aussehen, Motto: „Ich halte es dort nicht mehr aus, der Job macht mir keinen Spaß, ich sehe keine Perspektive mehr für mich.“ Das wiederum wirkt nämlich unsouverän bis passiv, auch wenn Sie gerade in einem Jobinterview sitzen, das Sie womöglich aktiv angestoßen haben. Jammern ist nun mal keine förderliche Attitüde!

Wie also antworten Sie auf eine solche Frage?

Drehen Sie die Frage herum. Sie zielt in die Vergangenheit, aber das heißt nicht, dass Sie auch so antworten müssten. Antworten Sie vorwärtsgerichtet: Sie wollen wechseln, weil Sie für sich eine neue Herausforderung suchen. Sie möchten sich weiterentwickeln und zwar in die Richtung als … (hier bitte ein persönliches Karriereziel einfügen) und Sie haben gehört, dass dieser Arbeitgeber (bei dem Sie sich gerade bewerben) und dieser Job die besten Perspektiven dazu am Markt bietet und seine Mitarbeiter vorbildlich entwickelt.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Sie sollen dabei nicht lügen. Das würde auffallen. Vielmehr sollten Sie einen ebenso positiven wie diplomatischen Weg finden, nicht über etwaige Frustrationen zu referieren, sondern diese in eigene Motivation und Engagement zu kanalisieren. Zum Beispiel wäre es auch noch akzeptabel, wenn Sie sagen, dass gerne künftig für ein Unternehmen arbeiten wollen, dass besser und moderner aufgestellt ist und sich noch stärker auf die Zukunft ausrichtet. Dass Sie sich von Erfolg angezogen fühlen, ist schließlich legitim.

Beschreiben Sie also weder multiple Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten, sondern lieber die Dinge, die gut gelaufen sind – und warum Sie jetzt aber nach Größerem streben und glauben, das beim neuen Arbeitgeber besser erreichen zu können. Vermeiden Sie aber auch den Eindruck, dass man Sie dort nicht geschätzt hat, Motto: „Bei Beförderungen wurde ich stets übergangen.“ Auch das könnte schließlich den Verdacht nähren, Sie halten sich für besser als Sie letztlich sind. Erst andersrum wird ein Schuh daraus: Sie kommen einer möglichen Beförderung zuvor, weil Sie ohnehin glauben, im neuen Job mehr zu erreichen. Es reizt Sie die neue Aufgabe mehr als ein Aufstieg im alten Unternehmen.