Sie sind der Albtraum in jedem Jobcenter: die Unvermittelbaren. Keine Ausbildung, keine Erfahrung, keine Chance - oder doch? Für Menschen mit mehreren Vermittlungshemmnissen ist der Weg zurück in den Arbeitsmarkt tatsächlich steiniger als für andere. Was kann ich tun, wenn mich die ganze Welt schon als unvermittelbar abgeschrieben hat? Karrierebibel zeigt Lösungsansätze auf...

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Unvermittelbar: Und jetzt?

Der Matthäus-Effekt besagt: Wer hat, dem wird gegeben. Umgekehrt: Wer nichts hat, bekommt auch nichts.

Arbeitslose stecken in genau diesem Teufelskreis. Ist der Job erst einmal weg, türmen sich vor einem nacheinander weitere Hürden auf. Das Netzwerk wird kleiner, die Expertise veraltet, das Selbstvertrauen sinkt.

Fortschreitendes Alter, Digitalisierung, Depressionen - im Worst Case ist man irgendwann unvermittelbar.

Trotzdem lautet die Antwort auf die Eingangsfrage selbstverständlich: Nein! Auch wer unvermittelbar zu sein scheint, muss nicht arbeitslos bleiben...

Unvermittelbar: Wer ist es?

Unvermittelbar ist, wer de facto keine Aussichten auf einen dauerhaften Arbeitsplatz hat.

Weil er oder sie zum Beispiel weder Schulabschluss noch Ausbildung oder Berufserfahrung vorweisen kann oder die deutsche Sprache nicht beherrscht. Auch Alkohol- oder Drogenprobleme können eine Ursache sein. Oder fehlende charakterliche Eignung, sofern sich diese aus den bisherigen Arbeitszeugnissen herauslesen lässt.

Zusammengefasst: Es können vielerlei formelle, private oder charakterliche Gründe dahinter stecken.

Schwer vermittelbar sind prinzipiell unter anderem...

  • Langzeitarbeitslose
  • Alleinerziehende mit kleinen Kindern
  • Ältere Menschen
  • Chronisch Kranke und Menschen mit Behinderung

Welche Vermittlungshemmnisse gibt es noch?

Oft sind es auch einfach ungünstige Konstellationen, die aus einem Jobsuchenden einen Unvermittelbaren machen. Wenn es ein klares Mismatch zwischen Stellen- und Bewerberprofil gibt.

Konkrete Beispiele:

  • Ein Bauarbeiter, der chronische Rückenprobleme hat.
  • Eine alleinerziehende Verkäuferin, die keinen Kita-Platz für ihr Kind findet - und deswegen nicht zu den erforderlichen Zeiten im Geschäft sein kann.
  • Ein Handwerker, dessen ausländische Ausbildung nicht anerkannt wird.
  • Ein Informatiker mit Hochschulabschluss, der seit fünf Jahren nicht mehr im IT-Beruf gearbeitet hat - und dementsprechend nicht auf dem neuesten Stand ist.
  • Ein überaus freundlicher und kommunikativer Bewerber, der für jedes Call Center eine Bereicherung wäre - nur leider kein Wort deutsch spricht.

Gemeinhin gilt es als Aufgabe der Politik, Arbeitslose und schwer Vermittelbare durch die richtigen Fördermaßnahmen in Arbeit zu bringen. Aber mal angenommen, die Politik hilft Ihnen nicht weiter und auch in Zukunft wird niemand aus dem Jobcenter bei Ihnen anrufen: Was dann?

Kann man selbst etwas tun, um sich aus dem Status der Unvermittelbarkeit upzugraden? Antwort: Natürlich, zumindest teilweise.

Unvermittelbar? Das spricht für Sie!

  • Arbeitsmarkt

    Unvermittelbar? Das spricht für Sie!Richtig ist: Je länger jemand arbeitslos ist, desto schwieriger wird die Jobsuche. Aussichtslos ist sie aber nicht. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit haben 2016 immerhin 187.000 Langzeitarbeitslose den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt geschafft.

    Besonders niedrig sind die Einstiegsbarrieren in den Bereichen Security und Sicherheitsdienste, Garten- und Landschaftsbau, Call Center, Messebau, Hausmeister und Reinigung. Noch hat der deutsche Arbeitsmarkt also auch für Ungelernte, Langzeitarbeitslose oder Wiedereinsteiger offene Stellen zu bieten. Tendenziell aber dürfte die Zahl der niedrigschwelligen Jobs immer weiter abnehmen.


  • Arbeitgeber

    Eine Arbeitgeberumfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergab vor einigen Jahren, dass 33 Prozent der Betriebe prinzipiell dazu bereit sind, langzeitarbeitslosen Bewerbern im Einstellungsprozess eine Chance zu geben. 39 Prozent der Betriebe würden nur Bewerber in Betracht ziehen, die weniger als ein Jahr arbeitslos waren. 16 Prozent der Betriebe würden arbeitslose Bewerber gar nicht berücksichtigen.

    Zudem hatten 40 Prozent der befragten Betriebe bereits Erfahrungen mit langzeitarbeitslosen Mitarbeitern gemacht. Ihr Urteil: überwiegend positiv. Rund ein Drittel bewertete die Eigenschaften Langzeitarbeitsloser mit sehr gut oder gut. Diese Firmen zeigten sich vor allem von Tugenden wie Motivation und Zuverlässigkeit angetan.

    Fazit: Die Einstellung vieler Betriebe gegenüber Langzeitarbeitslosen ist besser, als sie mitunter gezeichnet wird.


  • Historie

    Auch Autisten galten noch vor wenigen Jahren als völlig unvermittelbar. Mittlerweile sind sie gefragte IT-Spezialisten, arbeiten bei SAP, Infineon, Allianz und Siemens. Ein Beispiel, das Mut macht und zeigt: Vermeintliche Schwächen können in Zukunft zu Stärken werden.

    Das könnte zum Beispiel auch verstärkt auf Mütter zutreffen, die nach langer Job-Auszeit bisweilen auch als unvermittelbar gelten. Ein Anfang wäre, die vermeintliche Schwäche im Bewerbungsprozess ganz offensiv in eine Stärke umzuinterpretieren.

    Immerhin bringen Mütter (und Väter) Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein, gutes Zeitmanagement und pädagogische Erfahrungen - oder um es mit einem Euphemismus zu sagen: Leadership-Qualitäten - mit.


Unvermittelbar? Das spricht gegen Sie!

  • Talent Gap

    Unvermittelbar? Das spricht gegen Sie!Schon heute gibt es eine Zweiteilung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. In der einen Spielhälfte stehen stark nachgefragte Fachkräfte und Spezialisten, die teils frei wählen können. Manche Ingenieure und IT-Fachkräfte gehören dazu. In der anderen Spielhälfte steht ein wachsendes Heer Unqualifizierter, das sich um immer weniger niedrigschwellige Jobs balgt.

    Darum: Langfristig sind Sie nur mit der richtigen Ausbildung und brauchbaren Skills wieder drin im Spiel. Mit IT-Kenntnissen oder Verkaufstalent zum Beispiel - oder auch handwerklicher Expertise.


  • Vermittlungshemmnisse

    Nur 3,9 Prozent aller Beschäftigungslosen weisen kein einziges Vermittlungshemmnis auf. Das ergab eine Untersuchung des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik im Jahr 2013. 15,9 Prozent haben demnach ein einziges Vermittlungshemmnis, 29,9 Prozent haben zwei und 28,1 Prozent drei Vermittlungshemmnisse. Vier oder noch mehr Vermittlungshemmnisse haben 22,3 Prozent der Beschäftigungslosen.

    Je mehr Faktoren, die gegen Sie sprechen, desto größer das Risiko für Langzeitarbeitslosigkeit, desto schwerer vermittelbar sind Sie. Damit wären wir beim entscheidenden Punkt...

So bauen Sie Vermittlungshemmnisse ab

Wichtig ist für schwer Vermittelbare und Langzeitarbeitslose vor allem eines: Vermittlungshemmnisse abbauen!

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Schließlich kann man jede Schwäche gar nicht beseitigen. Frauen etwa haben ein höheres Risiko als Männer, arbeitslos zu werden - aber ihr Geschlecht können sie sich nicht aussuchen (obwohl ja sogar das heute schon möglich ist). Auch ältere Menschen sind schwerer vermittelbar als Jüngere, können sich aber nicht durch einen kräftigen Schluck aus dem Jungbrunnen wieder verjüngen.

Aber: Wer vorher vier Vermittlungshemmnisse hatte und hinterher nur noch zwei oder eines, verbessert schon allein dadurch seine Einstellungschancen enorm.

Darum: Schritt für Schritt vorgehen - und mit dem Aspekt beginnen, der für Sie am leichtesten zu bewerkstelligen ist. Das kann am Anfang schon bedeuten, eine geordnete Tagesroutine zu entwickeln oder einmal täglich joggen zu gehen, um körperlich fit zu werden.

Was Sie noch tun können, um Vermittlungshemmnisse abzubauen:

  • Schulabschluss nachholen: Für Bewerber ohne Hauptschulabschluss wird es auf dem Arbeitsmarkt immer schwieriger. Einen Schulabschluss - vielleicht sogar das Abitur - können Sie aber nachholen. Das geht per Fernstudium oder in der Abendschule.
  • Umschulung durchführen: Sollten Sie die "falsche" (weil nicht nachgefragte) Qualifikation haben, dann könnte eine Umschulung für Sie in Betracht kommen. Genauso für Menschen, die aufgrund eines Handicaps nicht mehr als Handwerker arbeiten können - in einem Schreibtischjob aber sehr wohl.
  • Ehrenamt übernehmen: Ein Ehrenamt zeigt, dass Sie Verantwortung übernehmen, sich engagieren wollen. Das gibt ein dickes Plus im Lebenslauf!
  • Kinderbetreuung organisieren: Betrifft vor allem Alleinerziehende. Wichtig ist, einem potenziellen Arbeitgeber klar zu machen: Ich habe einen Profi-Plan in der Tasche - mit Oma, Kita, Tagesmutter usw. - und muss nicht bei jedem Schnupfen meines Kindes nach Hause rennen.
  • Therapie machen: Auch psychische Probleme sind ein nicht seltenes Vermittlungshemmnis. Wer seine Angstzustände, Depressionen etc. durch eine Therapie in den Griff bekommt, verbessert nicht nur sein Leben - sondern auch seine Jobperspektiven.
  • Sprache lernen: Deutsch lernen - das sollte insbesondere für Zuwanderer, die der Sprache nicht mächtig sind, ganz oben auf der To-do-Liste stehen. Aber: Rudimentäres Deutsch bringt einen kaum weiter. Je besser die Sprachfähigkeit, desto besser die Chancen. Also nicht einfach bei A2 aufhören.
  • Kreativität entwickeln: Am Anfang der Bewerbung steht der Lebenslauf: Hier gilt es, die Lücken kreativ zu füllen, die Schwächen durch Stärken zu überdecken. Auch eine professionelle Bewerbung vergrößert Ihre Vermittelbarkeit.
  • Eigenmarketing verbessern: Wer sagt, dass nur Medien- und Marketingfuzzis wie wir zu unkonventionellen Mitteln greifen dürfen? Ersellen Sie doch einfach eine Bewerbungshomepage, auf der Sie um die Gunst der Unternehmen buhlen. Zeugt von Motivation und Antrieb - und wird Ihre Vermittlungschancen sicher nicht verschlechtern.
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