Unzufrieden im Job Umschulung unzufrieden im Job Gespräch mit Chef
Morgens fällt es schon schwer, aus dem Bett zu kommen. Der Weg ins Büro - eine einzige Qual. Die Arbeitstage ziehen sich wie Kaugummi. Und auch das Wochenende hilft nicht wirklich dabei, abzuschalten und sich zu erholen. Kurz: Sie sind unzufrieden im Job. Das kann vielfältige Gründe haben: Das Arbeitsklima lässt zu wünschen übrig; Sie haben keinen guten Draht zum Chef; Sie können sich nicht mehr für Ihre Aufgaben begeistern oder das Gehalt stimmt auch nicht. Vielleicht ist es sogar ein bisschen was von allem. Wie lässt sich dann die aktuelle Situation verbessern? Vor allem: Wie sagt man das dem Chef - ohne gleich wie ein Jammerlappen oder Weichei dazustehen? Eine Hilfestellung für das Gespräch mit dem Chef unter vier Augen...

Unzufriedenheit im Job hat zwei Ursachen

Wenn man die Ursachen für die Unzufriedenheit im Job stark vereinfacht und auf das Wesentliche reduziert, dann sind es fast immer diese beiden Gründe, die Ihnen den Beruf vermiesen:

  1. Falscher Job

    Sie haben zunehmend das Gefühl, den falschen Beruf gewählt zu haben. Die Arbeitsinhalte hatten Sie sich anders vorgestellt, spannender, abwechslungsreicher. Es fehlen die Herausforderungen und der Flow ist schon lange futsch. Nicht wenige Arbeitnehmer haben das Gefühl, nicht das zu tun, was sie wirklich wollen. Sie sind zufällig in ein Arbeitsumfeld hinein geraten, wollten ursprünglich jedoch etwas ganz anderes machen, haben sich dann aber auf Prognosen über angeblich sichere Jobs verlassen, statt nach persönlichen Interessen zu entscheiden. Ein Fehler - ganz offenbar.

  2. Falsches Umfeld

    Sie haben den richtigen Beruf gewählt und lieben Ihre erfüllende Tätigkeit. Dafür macht Sie das Arbeitsumfeld kaputt: Der Chef ist ein Tyrann, die Kollegen intrigante Neider und notorische Miesepeter. Mit der Hölle braucht ihnen die Kirche gar nicht kommen - Sie erleben sie jeden Tag.

Egal, was davon zutrifft (worst case: beides!): Ein Zustand dauerhafter Unzufriedenheit hinterlässt Spuren in der Psyche. Erst kommt der Frust, dann körperliche Symptome wie Schlafstörung und Antriebslosigkeit, danach folgen Depressionen oder Burnout.

Schon allein deswegen, sollten Sie anhaltende Unzufriedenheit nie herunterschlucken und einfach weitermachen wie bisher. Denn unter der Oberfläche brodelt es weiter, Ihre Unzufriedenheit wächst und irgendwann schaden Sie sich selbst - und das nachhaltig.

In solchen Fällen bleiben uns immer drei Optionen: love it, leave it or change it. Lerne es zu lieben, ändere es - oder geh.

  • Die Variante 1 - liebe es - scheint offenbar nicht zu funktionieren. Sonst wären Frust und Unzufriedenheit allenfalls sporadische Begleiter (und das ist völlig normal - kein Job ist perfekt).
  • Die letzte Variante - verlasse es - bleibt Ihnen immer noch. Sie ist der Heldennotausgang, setzt allerdings Mut und gute Jobaussichten voraus.
  • Deshalb behandeln wir hier und heute vor allem Variante 2: ändere es. Und zwar zuerst durch ein Gespräch mit dem Chef...

Das sollten Sie jedoch frühzeitig suchen. Nur so können Sie an der bestehenden Situation am meisten ändern und zeigen Selbstbewusstsein und -verantwortung, bevor man Ihnen berechtigterweise vorwerfen könnte: Warum haben Sie das nicht schon viel eher gesagt?

Unzufrieden im Job: Innere Einstellung überprüfen

Bevor Sie jedoch zum Äußersten greifen, sollten Sie kurz innehalten. Einer aktuellen Studie (PDF) der Manpower Group zufolge würden 46 Prozent aller Arbeitnehmer sofort den Job wechseln.

Die Gründe dafür sind höchst vielfältig, allerdings sind die meisten Befragten (23 Prozent) der Meinung, dass sie vor allem nicht angemessen für ihre Tätigkeit entlohnt werden.

Bei einer derart hohen Anzahl von unzufriedenen Arbeitnehmern - und andere Studien kommen sogar auf bis zu 90 Prozent aller Teilnehmer - stellt sich allerdings die Frage, ob die Ansprüche an einen Job noch realistisch sind? Um das zu gewährleisten, sollten Sie sich folgende Aspekte durch den Kopf gehen lassen:

  • Erwartungshaltung

    Wer meint, dass jeder Job die absolute Erfüllung mit Spiel, Spannung, Spaß bringen sollte, geht womöglich zu naiv an die Sache heran. Anders gesagt: In jedem Job gibt es auch Anteile, die eher nicht so spannend sind, die im Alltag zur Routine werden. Es ist auch nicht gerechtfertigt, seinen Unmut an den Kollegen oder dem Chef auszulassen, denn im Normalfall weiß jeder Arbeitnehmer, worauf er sich einlässt. Das Gehalt ist ein Tauschhandel für die Tätigkeit, die Sie machen und die sollte nach bestem Gewissen immer ordentlich ausgeführt werden.

  • Bezahlung

    Mehr Geld geht immer, denken vermutlich die meisten. Und klar, es sichert einen gewissen Komfort und Lebensstandard. Es geht auch nicht darum, den Wunsch nach einer angemessenen Entlohnung zu verteufeln - vielleicht ist wirklich eine Gehaltserhöhung angebracht. Allerdings sollten Sie sich im Vorfeld gute Gedanken dazu machen, was Sie in der Vergangenheit geleistet und welche Erfolge Sie vorzuweisen haben. Gleichzeitig sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass aus Ihrer puren Anwesenheit noch kein Mehrwert für das Unternehmen entspringt. Ebenfalls sollten Sie überprüfen, ob Sie nur dem Geld hinterher jagen oder auch noch den Blick für wesentliche andere Dinge im Job haben.

  • Anspruchshaltung

    Viele Arbeitnehmer wünschen sich mehr Wertschätzung im Beruf. Das ist auch ein völlig nachvollziehbarer und berechtigter Wunsch. Gleichzeitig sollte auch hier das Augenmaß nicht verloren werden: Ein Chef kann nicht fünf Tage die Woche acht Stunden lang jedem seiner Mitarbeiter seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen - jedenfalls nicht wortwörtlich und in Romanlänge. Wem ein kurzes danke zu wenig ist, sollte seine Anspruchshaltung überprüfen.

  • Realitätssinn

    Viele Arbeitnehmer schleppen dieselben Probleme von Job zu Job mit sich herum. Ein klares Indiz dafür, dass es nicht ausschließlich in der Arbeitsstelle begründet sein kann, sondern bestimmte Dinge sich nicht ändern. Wer also gerne mehr Gestaltungsspielraum und dafür weniger Routine hätte, wer hier und da mit nervigen Kollegen und Vorgesetzten kämpft, muss sich klarmachen, dass diese Phänomene Bestandteil des Berufslebens sind. Die Alternative läge höchstens in einem Job im stillen Kämmerlein.

Unzufriedenheit im Job macht krank

Bei alledem sollte natürlich nicht vergessen werden, dass ein Jobwechsel durchaus angebracht sein kann. Gemäß besagter Manpower-Studie sind mangelnde Wertschätzung und ein schlechtes Betriebsklima direkt auf Platz zwei und drei unter den meist genannten Gründen für Jobfrust.

Diese Gefühle müssen nicht zwangsläufig auf ein gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl zurückzuführen sein. Wer auf seiner Arbeitsstelle mit Mobbing oder gar Bossing zu kämpfen hat, hat einen schweren Stand.

Beides kann zu körperlichen und psychischen Problemen bis hin zu Depressionen führen. Aber auch wer ständig zu viel arbeitet, ist womöglich unzufrieden im Job und kann infolgedessen Schlafprobleme und ein schlechteres Immunsystem haben.

Wer tatsächlich entsprechende Symptome bei sich beobachtet, muss unbedingt aktiv werden. Gegebenenfalls ist eine Umschulung angebracht. Zuvor sollten Sie aber Ihre Möglichkeiten ausloten - und die bestehen zunächst einmal in einem Gespräch mit dem Vorgesetzten.

Gespräch mit dem Chef: Wie spreche ich meine Unzufriedenheit an?

Unzufrieden im Job Umschulung"Sprich, damit ich dich sehe", mahnte schon Sokrates. Wenn Sie die Dinge, die Sie stören, nicht ansprechen, werden nur wenige Vorgesetzte erkennen, dass etwas nicht stimmt. Ihr Chef ist schließlich kein Medium, hat in der Regel zahlreiche Baustellen und muss sich um die Anliegen zahlreicher Mitarbeiter kümmern. Deswegen sollten Sie den ersten Schritt machen und um ein Gespräch bitten.

Zugegeben, das fällt vielen schwer. Bei dem Gedanken mit dem Chef über ihre Unzufriedenheit und Probleme zu sprechen, verlässt die meisten der Mut. Warum eigentlich?

Was viele Arbeitnehmer fürchten:

  • Als Nörgler oder Weichei dazustehen.
  • Sich ins Abseits zu befördern.
  • Auf Unverständnis zu treffen.
  • Eine Verschlechterung der Situation nach dem Gespräch.
  • Auf die Abschussliste des Chef zu kommen.

Wenn Sie das Gespräch mit dem Chef richtig angehen und nicht das Pech haben, einen Soziopathen zum Vorgesetzten zu haben, brauchen Sie sich darüber aber keine Sorgen zu machen. Wir haben dafür ein paar erprobte Hilfestellungen...

Unzufrieden? Wie Sie das Chef-Gespräch angehen sollten

  1. Vereinbaren Sie einen Termin.

    Über Unzufriedenheit zu sprechen, ist kein Gespräch zwischen Tür und Angel. Dieses Thema lässt sich nur in Ruhe besprechen. Es kann aber auch nicht schaden, sich vorab über den richtigen Zeitpunkt für das Gespräch Gedanken zu machen: Wie ist die aktuelle Lage? Stehen wichtige Termine oder der Abschluss eines großen Projekts an, der die Aufmerksamkeit des Chefs bindet? Erkundigen Sie sich ruhig bei den Assistenten und bitten Sie diese einen geeigneten Terminvorschlag zu machen.

  2. Überlegen Sie sich gute Argumente.

    Auf keinen Fall sollten Sie unvorbereitet in das Gespräch gehen und einfach nur Frust ventilieren. Das machen tatsächlich nur Jammerlappen. Vor dem Gespräch unerlässlich sind Selbstreflexion und die Analyse der Ursachen für Ihre Unzufriedenheit. Entscheidend für das Gespräch sind zwei Fragen, die Sie beantworten können sollten: Was genau macht Sie unzufrieden? Warum macht es Sie unzufrieden?

  3. Achten Sie auf Ihre Körpersprache.

    Unsere Körpersprache und Mimik verrät, wie es uns wirklich geht. In unangenehmen Situationen tendieren viele dazu, dem Blick des Gegenüber auszuweichen und stattdessen zu Boden zu schauen. Oder sie nehmen eine zusammengesackte Haltung ein und sprechen mit leiser, fast erstickter Stimme. Fehler! So vermitteln Sie, dass Sie sich schuldig fühlen oder selbst nicht an die Berechtigung Ihrer Argumente glauben. Halten Sie stattdessen Blickkontakt, achten Sie auf einen offenen und freundlichen Gesichtsausdruck und nehmen Sie eine aufrechte Sitzhaltung ein.

  4. Verzichten Sie auf Schuldzuweisungen.

    Das Ganze verpacken Sie bitte in sogenannte Ich-Botschaften und frei von Vorwürfen. Rufen Sie sich ins Gedächtnis, warum Sie das Gespräch führen: Ihr Ziel ist ja, etwas an der bestehenden Situation zu ändern. Das gelingt sicher nicht mit Schuldzuweisungen und indem Sie mal richtig Dampf ablassen. Im Gespräch mit dem Chef müssen Sie sachlich argumentieren und bloß nicht emotional werden. Mit Schuldzuweisungen treiben Sie Ihr Gegenüber in die Defensive. Effekt: Er verschließt sich und reagiert abwehrend.

  5. Geben Sie konkrete Beispiele.

    Wenn Sie über Ihre Unzufriedenheit sprechen, sollte dies so konkret wie möglich geschehen. Pauschalaussagen sind weder glaubwürdig, noch überzeugend. Verzichten Sie auf Wörter wie "immer", "jedes Mal", "absolut". Diese Verallgemeinerungen sind immer falsch und lassen Ihr Anliegen wie einen wütenden Rundumschlag aussehen. Sie wollen aber nicht den Eindruck vermitteln, dass die Gesamtsituation unerträglich ist (dann bliebe ja nur noch die Kündigung), sondern dass einzelne Aspekte Ihres Jobs verbessert werden können.

  6. Bieten Sie Lösungsvorschläge an.

    Apropos "verbessert werden können": Konstruktiv wird das Gespräch mit dem Chef erst, wenn Sie auch gleich Lösungen mitliefern, sprich: Ihre Hausaufgaben gemacht haben. Sie wissen schließlich am besten, was Ihnen in der Situation helfen würde. Wodurch lässt sich die Unzufriedenheit mildern? Überlegen Sie sich vorab mögliche Lösungen und stellen Sie diese im Gespräch sachlich vor. Sie dienen aber bitte nur als Diskussionsgrundlage. Ihre Vorschläge sollten Sie nicht mit einer Friss-oder-stirb-Attitüde vortragen. Wenn der Chef das Gefühl behält, selbst mitwirken zu können, stimmt er eher zu. Allerdings sollten Sie ihm nie die Gesamtverantwortung übertragen. Mitarbeiter, die Arbeit abwälzen, mag kein Vorgesetzter. Chefs sind nicht die alleinigen Hüter der Gerechtigkeit.

  7. Üben Sie das Gespräch vorher.

    Wer sich unsicher fühlt und Angst hat, dass ihm die Worte fehlen, sobald er dem Chef gegenüber sitzt, sollte das Gespräch vorher üben. Spielen Sie zuhause mit Freunden oder Familie die Situation (zur Not auch vor dem Spiegel) durch. Das verleiht Ihnen zusätzliche Sicherheit.

Apropos viele Unternehmen nutzen vor allem den Jahreswechsel für ein sogenanntes Jahresgespräch mit den Mitarbeitern. Das könnte auch für Sie eine Gelegenheit sein.

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