rache“Die beste Rache ist massiver Erfolg”, befand einst Frank Sinatra. Das war clever. “Wie du mir, so ich dir”, findet der Volksmund. Und das ist in der Regel ziemlich dumm.

Rache rächt sich. Und zwar nicht nur wegen des Reziprozitäts-Prinzips, wonach wir Menschen die Eigenart besitzen, Gleiches mit Gleichem zu vergelten – im Guten wie im Schlechten. Zahlreiche Soziologen, darunter etwa auch Alvin Gouldner, kommen zu dem Schluss, dass die Verpflichtung zur Gegenseitigkeit etwas zutiefst Menschliches und in sämtlichen Gesellschaften nachweisbares Prinzip ist. Es ist das, was Netzwerke zusammenhält, Seilschaften, Kumpanei und Klüngel befördert sowie hinter den Redensarten Eine Hand wächst die andere, aber eben auch hinter Wie du mir, so ich dir oder Auge um Auge, Zahn um Zahn steckt.

Dennoch ist es reichlich dämlich, offen mit Faust und Waffe oder subtil mit Wort und Intrige gegen seine Widersacher vorzugehen. Erstens löst das so gut wie immer eine kaum noch zu kontrollierende Rachespirale aus, zweitens verliert man dabei die innere Unabhängigkeit von den Tyrannen im Büro.

Aber auch langfristig zahlt sich Rache nicht aus, wie jetzt die Wissenschaftler Thomas Dohmen und Armin Falk von der Universität Maastricht beziehungsweise Universität Bonn in einer Studie dokumentierten. Dazu werteten sie die Daten von 21.000 Personen und ihrem reziproken Verhalten aus. Allerlei Kurioses kam dabei heraus: Große Menschen neigen eher zu positiv-reziprokem Verhalten, Frauen mit steigendem Alter ebenfalls. Aber auch das war ein Ergebnis: Rachsüchtige und nachtragenden Menschen (negativ-reziprok), waren mit ihrem Leben deutlich unzufriedener. Sobald sie sich im Job ungerecht behandelt fühlten, neigten sie zur inneren Kündigung oder gar zur Untreue oder Sabotage. Obendrein waren sie sogar merklich häufiger arbeitslos als ihre positiv-reziproken Zeitgenossen.

Das korrespondiert mit einer Untersuchung von Bernardo Jiménez-Moreno, der 511 Mitarbeiter von drei Telekommunikationsunternehmen in Madrid befragte. Während sich andere Forscher in der Regel darauf konzentrieren, wie organisatorische Faktoren die Wahrscheinlichkeit von Mobbing erhöhen, wählte Morenos Team einen anderen Ansatz: Sie erforschten, wie Mitarbeiter auf Mobbing-Situationen reagieren, jedoch abhängig von ihrer Persönlichkeit. Das Erstaunliche: Stress und Konflikte auf der Arbeit erhöhten zwar die Chance, zum Opfer von Intrigen und Mobbing zu werden. Jedoch nicht bei Menschen, die in der Lage waren, sich gedanklich von der Arbeit zu lösen und weniger Rachegelüste entwickelten. Oder anders formuliert: Wer bei allem Ärger über Chef und Kollegen weniger über mögliche Rache-Aktionen fantasierte, empfand nicht nur weniger psychische Belastungen – er wurde auch weniger zur Belastung für alle anderen.