von Jochen Mai am 22. November 2008
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Verhör 2.0 – Die härtesten Fragen im Vorstellungsgespräch
Dass sich Personaler zunehmend für die Spuren von Bewerbern im Internet, in Sozialen Netzwerken, Blogs oder Foren interessieren, um deren Lebensläufe zu durchleuchten, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben. Ebenso, dass dieser Trend stetig zunimmt. So hat jetzt eine neue US-Umfrage ermittelt: 22 Prozent der Arbeitgeber nutzen bereits virtuelle Netzwerke zum Reputations-Check, 9 weitere Prozent haben dies zumindest vor. 2006 waren es jedoch erst 11 Prozent der Arbeitgeber – beinahe eine Verdreifachung des Interesses an Online-Profilen.
Interessanter ist, was die Rekruter und Personaler auf den Webseiten vornehmlich suchen:
- 41 Prozent suchen nach Hinweisen auf Alkohol- oder Drogenkonsum.
- 40 Prozent interessiert, ob sie dort diskreditierende Fotos in den Profilen finden.
- 29 Prozent schätzen so die kommunikativen Fähigkeiten ein.
- 28 Prozent fahnden nach übler Nachrede über Ex-Arbeitgeber oder -Kollegen.
- 27 Prozent achten auf falsche oder zweifelhafte Qualifikationen.
- 22 Prozent schrecken unprofessionelle Profilnamen ab.
- 21 Prozent suchen nach Links, die etwa auf kriminelles Verhalten hinweisen.
- 19 Prozent achten darauf, ob vertrauliche Informationen des letzten Arbeitgebers preisgegeben werden.
Vielleicht sind die folgenden Fragen ihrer Zeit noch etwas voraus. Vielleicht schmunzeln Sie noch, wenn Sie die zugegebenermaßen bewusst zugespitzten Interviewtechniken lesen. Es könnte aber sein, dass Jobkandidaten in nicht allzu ferner Zukunft genau solche Fragen gestellt bekommen. Besser, wenn man sich frühzeitig darauf einstellt und gegebenenfalls Vorsichtsmaßnahmen trifft:
Denkbare künftige Fragen im Vorstellungsgespräch
- “Wir haben ein Video im Netz gefunden, dass Sie bei einem Hallenturnier zeigt. Dabei foulen Sie einen Mitspieler, was der Schiedsrichter jedoch nicht mitbekommen hat. Würden Sie sich auch heute über Regeln hinwegsetzen, wenn es Ihnen nutzt?”
- “Auf Twitter haben Sie sich über die Politik der aktuellen Bundesregierung sehr negativ ausgelassen. Sind Sie ein sehr politischer Mensch?”
- “Sie schreiben in Ihrer Bewerbung, dass Sie gute Kontakte in Ihrer Branche besitzen. In Xing sind Sie aber mit den einschlägigen Leuten und auch mit vielen Ihrer Kollegen gar nicht vernetzt. Wie erklären Sie sich das?”
- “Auf StudiVZ gehören Sie einer Gruppe von Frauen an, die sich dazu bekennt, meistens keine Unterwäsche zu tragen. Glauben Sie das könnte den Betriebsfrieden stören, falls das unsere Kunden erfahren?”
- “Haben Sie schon mal einen persönlich beleidigenden Kommentar in einem Blog gepostet? Wir hatten da neulich etwas gefunden bei… Wie hieß das Blog doch gleich…?”
- “Bei unseren Recherchen haben wir festgestellt, dass Sie bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber während der Arbeitszeit viel online waren und auf anderen Webseiten Kommentare gepostet haben. War das in Ihrem bisherigen Job erlaubt oder waren Sie dort nicht ausgelastet?”
- “In Ihrem Lebenslauf steht, dass Sie sich zwischen März und Juli weitergebildet haben. In Ihrem Facebook-Profil findet man aus dieser Zeit aber fast ausschließlich Strandfotos aus Thailand. Worin genau bestand die Weiterbildung?”
- “In Ihrem Blog beschreiben Sie, dass Sie es hassen mit Kollegen zusammen zu arbeiten, die nicht einmal Ihre Muttersprache richtig sprechen. Wie schätzen Sie Ihre interkulturelle Kompetenz ein?”
- “Im Profil eines Ihrer besten Freunde auf StudiVZ ist ein Foto von Ihnen verlinkt, dass Sie in ziemlich desolatem Zustand auf einer Party zeigt. In den Profilen Ihrer anderen Freunde haben wir ähnliche Bilder gesehen. Könnte das auch die Note 3 in Ihrem Bachelor-Abschluss erklären?”
- “Auf Myspace besteht Ihr Freundeskreis fast ausschließlich aus Pornodarstellerinnen. Kennen Sie die eventuell aus einem früheren Job persönlich?”
- “Ist das wahr, dass das Bedürfnis haben, alle drei Tage Ihre PC-Tastatur und Ihr Handy mit Sakrotan zu reinigen?”
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1. Kommentar
KMTO
24.11.08 um 15:08 Uhr
Zumindest auf die Xing Frage hätte ich eine gute Antwort: Xing? Die sind doch alle auf Twitter ;-) Danke für die wunderbare Sammlung ;-)
2. Kommentar
heiko schwardtmann
24.11.08 um 18:12 Uhr
Hallo Herr Mai,
vielen Dank für diesen Beitrag. Zu Zeiten von web 2.0 kann diese Information und das damit verbundene vernünftge Verhalten mit sozialen Netzwerken gar nicht früh oder ausführlich genug behandelt werden. Die Zahlen sind sehr interessant und ich werde diesen Artikel gern weiterempflehlen.
Beste Grüße!
3. Kommentar
Oliver Springer
27.12.08 um 23:27 Uhr
Auf der anderen Seite dürften sich für den Bewerber ebenso neue Chancen ergeben, immerhin kann er sich über den Personalchef ebenso informieren. Vielleicht wäre das auch mal ein gutes Thema für einen Artikel: “Was sollte ein Bewerber vor dem Bewerbungsgespräch recherchieren – über das Unternehmen und über die am Bewerbungsgespräch teilnehmenden Personen?”
Während der Bewerber bereits im Vorfeld regelmäßig viel über sich Preis gibt, weiß der Bewerber bislang meist wenig über den Menschen, der ihn da – um die Überschrift aufzugreifen – der das Verhör führen wird. Das ändert sich.
4. Kommentar
Jochen Mai
29.12.08 um 16:53 Uhr
@Oliver Springer: Das wäre ein gutes Thema. Ich fürchte nur, dass der Interviewer vorab nicht bekannt ist.
5. Kommentar
Michael (Eifelpfeil) Kieweg
19.06.09 um 10:58 Uhr
Auch wenn der Artikel schon älter ist….
Man kann schon einiges rausfinden. Habe gerade mal 5 min investiert und die Schumag aus Aachen gegoogelt. Heraus kamen Name des Personalchefs und des Leiters der Konstruktionsabteilung und damit deren Mitgliedschaften z.B. bei IQB und ihre Profile bei 123people und Yasni. Von da aus könnte man ja weitermachen…
6. Kommentar
Roman
11.01.10 um 01:50 Uhr
Ich bin fleißiger Leser hier im Blog, aber ich hinterlasse leider viel zu selten einen Kommentar. Vielen Dank für die vielen, interessanten Artikel. :)
Das Internet ist schon ein mächtiges Werkzeug, gerade vor der Bewerbungsphase sollte man auf eine “weiße Weste” im Internet achten.
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