Link-Permalink-Linkbait-Kette
Das Wesen des Netzwerkens lässt sich auf die simple Formel reduzieren: Geben und Nehmen – exakt in dieser Reihenfolge. Wie kein anderes Medium zuvor hat das Internet das Netzwerken revolutioniert, und wohl kein anderer Begriff drückt die Ambivalenz des Netzwerk-Prinzips so konzentriert aus wie das Verlinken. Wenn Blogger sich untereinander verlinken – ob nun in einzelnen Beiträgen oder in ihrer Blogroll –, dann ist das auch ein Nehmen und Geben: Der Eine nimmt Informationen auf und gibt Leserinteresse weiter, der andere zieht Leser an, um neue Informationen der Diskussion hinzuzufügen. So oder so: Beide haben etwas davon – und das Ergebnis ist mehr Wert als die Summe seiner Teile. Allerdings gibt es verschiedene Link-Arten...

Wer verlinkt schafft sich Reichweite

Leider ist die deutsche Bloglandschaft nicht ansatzweise so gut vernetzt, wie sie sein könnte. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, zwei der wichtigsten:

  • Konkurrenzdenken
  • Neid

Es gibt nicht wenige Blogger, die eher Links kaufen, als ihre Quellen zu nennen und andere Blogger im gleichen Themengebiet zu verlinken. Das ist kein Vorwurf, sondern eine reine Feststellung. Dieses Verhalten – welche Gründe es auch immer haben mag – schadet schlussendlich jedoch allen und beraubt Blogs einer ihrer größten Stärken: der engen Vernetzung.

Es ist DAS Alleinstellungsmerkmal von Blogs gegenüber klassischen Medienhäusern, dass sie nicht mit Links geizen. Und es hat Vorteile: Für sich genommen verfügen auch die größten Blogs nur über eine begrenzte Reichweite, doch über das Netzwerk zahlreicher Blogs kann diese enorm gesteigert werden.

Auch im Blick auf die Ressourcen ist Vernetzung sinnvoll. Selbst große Blogs mit mehreren Autoren verfügen in der Regel über ein überschaubares Budget. Personelle und finanzielle Ressourcen sind daher bei größeren Projekten schnell erschöpft. Kooperieren jedoch mehrere Blogs miteinander, lassen sich Aufgaben verteilen und auch anspruchsvolle Projekte stemmen.

Warum externe Links so wichtig sind

Was Links eigentlich sind oder sein sollten: ein redaktioneller Hinweis auf weiterführende hilfreiche Inhalte und Ressourcen im Netz.

Oder anders formuliert: Gut ausgewählt, erweitern Sie den Artikel, werten ihn auf und helfen dem Online-Suchenden, seine Fragen noch besser zu beantworten. Und das sieht Google ganz genauso und berücksichtigt dies seit einiger Zeit in seinen Algorithmen. Mit enormen Auswirkungen.

Ein Beispiel: Ein Leser kommt über Google auf das Blog, weil er eine konkrete Frage hat. Leider findet er dort nur ein paar Antworten, die aber haben ihm noch nicht ganz geholfen. Statt seine Suche nun von vorne zu beginnen (was schlecht wäre, weil das die sogenannte Bounce-Rate erhöht), findet er am Ende des Artikels eine Liste mit weiterführenden Links.

Eine feine Sache, denn siehe da: Die helfen ihm, seine Frage vollständig zu beantworten oder sein Problem zu lösen. Und am Ende sucht er nach etwas völlig anderem oder geht im Netz ein bisschen einkaufen...

Genau das misst Google inzwischen sehr gut und genau. Möglich macht das schon der Umstand, dass rund 75 Prozent der Webseiten weltweit irgendwelche Google-Codes enthalten - und sei es nur Adsense-Werbung, ein Suchtool oder einen G+ Button.

Damit erfüllt ein externer Link dann gleich zwei Funktionen:

  • Er hilft dem Leser (vorausgesetzt es ist kein Spam).
  • Er wertet den eigenen Content auf.

Selbst wenn der eigene Artikel nicht perfekt ist, lässt er sich mit einer solchen Linkliste zu weiterführenden Angeboten aufwerten. Das eigene Blog - wenn schon nicht der optimale Ratgeber - wird so wenigstens zu einem interessanten Information-Hub. Und auch dafür gibt es von den Suchmaschinen Pluspunkte.

Sehr schön auf den Punkt gebracht hat das auch mein Freund und SEO-Kenner Marcus Tandler bei seinem Vortrag (Englisch) über die Zukunft der Websuche. Die oben genannte Wirkungskette kommt allerdings eher im letzten Drittel (was die ersten zwei aber nicht uninteressanter macht)...

Diese Link-Arten sollten Sie ab und an verwenden

Allerdings sind Links nicht einfach nur ein Mittel zum Netzwerken. Tatsächlich können sie viel mehr Aufgaben erfüllen oder gar sublime Aussagen treffen. Hier allein schon acht Link-Arten, die Sie kennen sollten:

  1. Der Quellen-Link.

    "Nenne deine Quellen!", lautet eines der Credos der Blogoshäre – durchaus zu Recht. Wer sich auf wissenschaftliche Studien, Statistiken, Umfragen und dergleichen beruft, sollte diese Quellen verlinken. So hat der Leser, die Chance, die Zahlen zu überprüfen – aber auch die Schlussfolgerung des Autors besser einzuschätzen. Wir versuchen das so oft wie möglich zu beherzigen, es gelingt aber nicht durchgängig. Etwa dann, wenn die Quelle aus einer gedruckten Vorlage stammt, im Internet aber (noch) nicht oder nicht mehr zu finden ist.

  2. Der Inspirations-Link.

    Das Netz ist voller Informationen, Gedanken, Geschichten. Die Qualität mag stark variieren – das hat sie mit dem Geschmack gemein –, trotzdem regen mich fremde Gedanken fast immer an. Häufig ist Kreativität ja auch nichts anderes, als zwei alte Gedanken neu zu verknüpfen. Aber dazu braucht es eben erst einmal zwei alte. Entsprechend gehört es zur guten Sitte in Blogs, solche Inspirationsquellen zu verlinken.

  3. Der Glossar-Link.

    Manchmal verwenden wir in einem Artikel Fachbegriffe, manchmal Namen (oder Zitate) von historischen Personen oder Wissenschaftlern. In all diesen Fällen würde eine Erklärung oder ein Abriss des Lebenslaufs der erwähnten Person den jeweiligen Beitrag nur aufblähen. Der Link ersetzt hier das Glossar: Wer nachschlagen will, was gemeint ist, klickt einfach auf das verlinkte Wort.

  4. Der Ergänzungs-Link.

    Gerade bei komplexen Themen, kann es sinnvoll sein, sich auf einen Aspekt zu konzentrieren und diesen dafür umso tiefer zu behandeln. Der Versuch, beispielsweise alles zum Thema "Bewerbung" in einen Beitrag zu packen, endet nicht mit einem Artikel, sondern mit einem Buch. Hier helfen weiterführende Links, die angesprochenen Aspekte zu ergänzen und extern zu erweitern. Gerade das sind die Vorzüge des Internets, besonders aber von Blogs, die damit Ihren Lesern im Subtext viel Recherchearbeit abnehmen. Voraussetzung ist freilich, die Links sorgfältig zu wählen.

  5. Der selbstreferenzielle Link.

    Wirkt latent eitel, hat aber Sinn: ein Link, der auf einen eigenen Beitrag verweist. Gerade wer sich in seinem Blog auf ein Thema konzentriert, wird zwangsläufig einander angrenzende, wenn nicht gar ergänzende Inhalte beschreiben. Da diese selten hintereinander erscheinen, nehmen solche Links den (neuen) Lesern die Mühe ab, danach zu suchen. Aber auch unter SEO-Gesichtspunkten haben solche Links Vorteile: Sie vernetzen das Blog stärker und werten den verknüpften Beitrag auf.

  6. Der Lesetipp-Link.

    Der Klassiker – vor allem, wenn man gerade keine Lust hat, selbst etwas zu formulieren oder an akuter Schreibblockade leidet: Bei einigen Bloggern heißen solche Beiträge Lesetipps, Der Link am Morgen oder Fundsachen. Es sind Stücke, die man in anderen Blogs aufschnappt, sammelt und seinen Lesern in der Regel als Sammelsurium darreicht. Und natürlich sind solche Linksmmlungen immer auch ein Dankeschön an die Urheber, deren Beitrag einem immerhin so gut gefallen hat, dass man ihn weiterempfiehlt.

  7. Der Gag-Link.

    Wir selbst machen das nur selten, weil sich dieses Stilmittel sonst a) abnutzt und b) latente Leserirreführung ist: Einen Link setzen, der zu nichts führt - außer zu Klamauk. Grundsätzlich erleichtert Humor jedes noch so schwere Thema und gehört zu einem Blog zuweilen dazu. Das Leben ist ja auch nicht nur bierernst. Allerdings sollte man damit vorsichtig sein: Ironie ist, wenn's der Leser nicht versteht. Bei solchen Verknüpfungen stellt sich leicht der Eindruck ein, der ganze Beitrag sei vielleicht nicht ernst gemeint oder aber die Leser vermuten künftig hinter jeder verlinkten Zeile Nonsens. Damit verpuffen aber zugleich die Chancen der oben genannten Link-Typen.

  8. Der Link-Link.

    Das gezielte Permalinken, auch Linkbaiting genannt, ist eine klassische Form, um für sein Blog mehr Aufmerksamkeit und Traffic zu erzielen. Dazu wird der Beitrag mit einem (ganz wichtig) ebenso stark frequentierten wie vernetzten Top-Blog aufgegriffen, weitergesponnen und natürlich per Trackback verknüpft, so dass die dortigen Leser angelockt werden. Das funktioniert, keine Frage – wird aber nur gerne gesehen, wenn der verlinkte Artikel sich auch wirklich auf den Ursprungstext bezieht. Andernfalls nennt sich das Link-Spam und ist eine Unsitte.

Apropos: Fallen Ihnen noch Link-Arten ein? Welche? Dann schreiben Sie uns einen Kommentar dazu!

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