Besitzen Sie Talente, mit denen Sie andere beeindrucken können? Etwa, weil Sie gute Pläne machen, ein offenes Ohr für die Sorgen Ihrer Mitmenschen haben oder der geborene Anführer sind? Und glauben Sie auch, dass das nichts Besonderes ist? Da täuschen Sie sich. Ist es doch!

Das Besondere an Talenten ist, dass sie für ihre Besitzer selbstverständlich sind. Andere können das nicht – und schauen voller Bewunderung (oder Neid) zu dem auf, der diese Fähigkeiten besitzt. Nur: Wer da gerade Respekt oder Ablehnung erfährt, weiß oft gar nicht, warum ihm das geschieht. Dass das, was ihm so locker von der Hand geht, für andere eine große Leistung ist, kommt ihm oft nicht in den Sinn. Entsprechend ratlos schaut er drein, wenn er nach seinen Begabungen gefragt wird: „Talent? Hab’ ich keins!“

Viele Talente bleiben deswegen ungenutzt oder fristen ein Nischendasein, statt gefördert und weiterentwickelt zu werden. Oft sogar müht sich ihr Besitzer stattdessen, sich irgendwelche anderen Dinge anzueignen, die für den beruflichen Erfolg vermeintlich wichtiger sind. Besonders beliebt dabei: das Ausmerzen angeblicher eigener Schwächen. Und das ist schade. Denn der Ausbau von Stärken ist deutlich leichter als das Beseitigen von Fehlern – auch wenn die meistens leichter zu finden sind.

Begegen Sie sich auf Talentesuche

Bei der Suche nach den eigenen Stärken hilft meist ein Blick auf die Dinge, die Ihnen besonders leicht von der Hand gehen. Das sind – beispielsweise – Ihre Hobbys. Kaum jemand quält sich in seiner Freizeit mit Dingen, die ihm absolut schwer fallen und nur Misserfolge einbringen.

Ein anderer Trick ist: Schreiben Sie eine Geschichte, in der Sie – für ihre eigenen Begriffe – besonders erfolgreich waren. Schreiben Sie auf,

  • was Sie erreichen wollten,
  • wie Sie vorgegangen sind,
  • welche Hindernisse Sie überwinden mussten und
  • welchen Erfolg Sie genau hatten.

Diese Idee stammt von Richard Nelson Bolles, in dessen Buch “Durchstarten zum Traumjob” Sie auch ein Beispiel für eine solche Geschichte finden.

Übrigens finden Sie mit dieser Technik nicht nur Ihre Fähigkeiten, sondern auch Ihre wesentlichen Eigenschaften. Der Unterschied zwischen beiden ist einfach: Gut rechnen zu können ist eine Fähigkeit, die zum Beispiel ein Physiker besitzen sollte, um seine Versuche berechnen zu können. Sorgfalt dagegen ist eine Eigenschaft, die derselbe Physiker benötigt, um die Messergebnisse hinterher korrekt zu dokumentieren.

Eigenschaften bestimmen die grundlegende Vorgehensweise der Menschen. Deswegen sind sie mindestens ebenso wichtig wie Fähigkeiten. Mehr noch: Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Neugier oder Extraversion machen eine Persönlichkeit überhaupt erst aus.

Wenn Sie gar nicht wissen, wo Sie mit der Suche beginnen sollen, können Sie natürlich auch Menschen befragen, die Sie gut kennen:

  • Was kann ich aus Deiner Sicht besonders gut?
  • Was macht mich aus?
  • Was macht mich einzigartig?

Wahrscheinlich wird Ihnen nicht alles gefallen, was Sie dabei zu hören bekommen. In der Regel werden Sie aber überrascht sein, was so alles zu Tage tritt. Ok, manches haben Sie vielleicht schon geahnt – aber auch das wird durch die Bestätigung von außen erst wirklich relevant.

Ihre Talente – insbesondere Ihre Fähigkeiten – können Sie natürlich auch mit Tests entdecken. Die Klassiker sind sogenannte Berufswahl- oder Einstellungstests. Sie zeigen, was man schon ganz gut kann, aber auch, wo noch Verbesserungsmöglichkeiten liegen. Solche Tests finden sie in großer Zahl – auch kostenlos – im Internet. Obwohl sich die meisten an Jugendliche richten, sind Sie für Erwachsene ebenso geeignet. Es lohnt sich durchaus, einen oder zwei davon zu absolvieren. Denn man kann ja nie genug über sich wissen…

Selbstverständlich finden Sie im Netz auch Persönlichkeitstests. Damit sie Ihnen etwas bringen, sollten sie ein gewisses Niveau besitzen. Leider verdagen hier die meisten – insbesondere die kostenlosen. Einer der besseren ist der sogenannte Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI) – den gibt es in seiner ausführlichen Version allerdings nicht für lau.

Üben, üben, üben

Die Talentsuche ist allein schon deswegen sinnvoll, weil Sie beruflich davon profitieren können: Wenn Ihnen die Arbeit leicht von der Hand geht, habe alle mehr davon, als wenn Sie sich abmühen müssen.

Allerdings reicht Talent allein nicht aus. Wahre Meisterschaft kommt durch Üben. Bestes Beispiel dafür sind Musiker, die üben, üben, üben – bis die Saiten glühen oder die Finger blind über die Klaviertasten huschen. Ebenso Sportler, die ihre Bewegungsabläufe trainieren, bis diese praktisch automatisch abrufbar sind.

Rund 10.000 Stunden muss man eine Sache üben, bis man sie wirklich beherrscht. Dieser Einsatz macht den entscheidenden Unterschied: Gefeierte Solisten haben in Ihrer Kindheit und Jugend mindestens so lange geübt; wer dagegen nur 4000 Stunden übte, wurde allenfalls Musiklehrer – obwohl beide Personengruppen annähernd gleich talentiert waren.

Mehr noch: Fleiß, Ausdauer und Engagement schlagen häufig sogar Talent. Oliver Kahn war beispielsweise als Torwart anfangs nur mäßig begabt. Weil er aber ein Torwart der Spitzenklasse werden wollte, hat er sich im Training entsprechend rein gehängt – und damit manch’ hochgelobte Nachwuchshoffnung verdrängt, die sich auf ihrem Talent ausgeruht hat.

Kurs halten

Wen Sie Ihre Talente entdeckt haben, sind Sie aber längst nicht am Ziel. Um dorthin zu kommen, müssen Sie erst Mal eins bestimmen – und dann den Kurs dahin feststellen. Wenn Sie beispielsweise Software-Entwickler werden wollen, müssen Sie zunächst herausfinden, welche Fähigkeiten Sie dafür brauchen. Idealerweise fragen Sie dazu natürlich Software-Entwickler selbst, was sie für ihren Job können müssen. Je mehr Praktiker Sie fragen, desto besser wissen Sie, worauf es wirklich ankommt.

Im zweiten Schritt prüfen Sie, welche Fähigkeiten Sie bereits besitzen. Hier kommen die oben schon genannten Tests ins Spiel. Sie zeigen Ihnen, was sie noch trainieren oder gar von Grund auf entwickeln müssen. Und da hängen Sie sich richtig rein! Gleichermaßen lassen sich die Eigenschaften bis zu einem gewissen Grad trainieren: So kann ein introvertierter Mensch lernen, offener zu werden und mehr auf Menschen zuzugehen. Eine sprichwörtliche Rampensau wird so jemand aber nur in Ausnahmefällen.

Das alles Entscheidende ist aber, wie konsequent Sie Ihr Ziel verfolgen. Dazu benötigen Sie viel Frustrationstoleranz, um sich von Rückschlägen nicht ermutigen zu lassen. Vor allem aber müsse Sie das, was Sie tun, auch wirklich wollen. Was Sie verfolgen, muss Ihr eigenes Ziel sein. Erst dann haben Sie die nötige Energie, um es erreichen zu können – oder gar darüber hinaus zu wachsen.