Wem kann man überhaupt noch heute vertrauen? Wer die Schlagzeilen der Vergangenenheit aufmerksam gelesen hat, dürfte inzwischen reichlich Skepsis gegenüber seiner Umwelt hegen: Wackel-Euro, Boni-Banker, Pedalklemme bei Toyota… sowas schürt Misstrauen. Sollte man meinen.
Tatsächlich aber trauen die Deutschen der Wirtschaft eher wieder mehr. Im repräsentativen Vertrauensindex, den die WirtschaftsWoche zusammen mit dem PR-Agenturenverband GPRA und dem Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid quartalsweise erstellt und am kommenden Montag veröffentlicht, belegen die Lebensmittelbranche (Indexwert: 43,5), die Automobilindustrie (42,7) und die IT- und Kommunikationsbranche (42,4) die vordersten Plätze. Sie genießen bei den Verbrauchern das höchste Vertrauen. Besonders skeptisch sind die Deutschen hingegen gegenüber der Energiewirtschaft (35,3) und dem Finanzsektor (32,3). Letzterer immerhin mit positiver Tendenz: Im Herbst 2009 lag der Indexwert der Banken- und Finanzbranche noch bei 30.
Welchen Branchen die Deutschen vertrauen
| Q1/2010 | Trend | |
|---|---|---|
| Lebensmittel | 43,5 | +1,4 |
| Automobil | 42,7 | +4,4 |
| IT | 42,4 | +3,5 |
| Gesundheit | 38,8 | +1,6 |
| Transport & Verkehr | 38,7 | +2,1 |
| Chemie | 36,4 | +1,8 |
| Energie | 35,3 | +4,8 |
| Finanzen | 32,3 | +2,3 |
Quelle: TNS Emnid, WirtschaftsWoche, GPRA
| Auch innerhalb der Unternehmen ist das Misstrauen eher gesunken. Laut Vertrauensindex trauen ihren eigenen Kollegen noch ganze 84 Prozent der Befragten, den direkten Vorgesetzten mit 77 Prozent sogar etwas mehr als im Vorjahr. Am größten ist der Argwohn gegenüber den Aussagen des Top-Managements. Ihnen glauben nur zwei Drittel der Belegschaft. Am ehesten hören die Deutschen noch auf die Aussagen ihrer Kunden – mit 86 Prozent der Höchstwert der Befragung.
Auffällig ist allerdings, dass sich die neue Zutraulichkeit nicht gleichmäßig verteilt. Stärker als die Männer (65 Prozent) vertrauen Frauen (69 Prozent) sowohl den Aussagen der Unternehmensspitze als auch – mit 88 Prozent – auf ihre Zukunftschancen im Job. Männer tun das nur zu 72 Prozent. Weniger Zweifel haben aber auch die Menschen im Osten der Republik. Der Glaube an die Zukunftsfähigkeit ihres Arbeitgebers stieg gegenüber dem Vorjahr um ganze 17 Prozentpunkte, das Vertrauen in Kollegen gar um 14 Prozentpunkte, das gegenüber den direkten Vorgesetzten um 8 Prozentpunkte. |
Im Detail:
Vertrauen Sie Ihren Kollegen?
| Ja | 84 |
| Nein | 15 |
| Von den Ja-Antworten: | |
| West | 83 |
| Ost | 88 |
| Männer | 86 |
| Frauen | 81 |
Vertrauen Sie Ihrem direkten Vorgesetzten?
| Ja | 77 |
| Nein | 21 |
| Von den Ja-Antworten: | |
| West | 78 |
| Ost | 73 |
| Männer | 76 |
| Frauen | 79 |
Vertrauen Sie den Aussagen Ihres Top-Managements?
| Ja | 67 |
| Nein | 32 |
| Von den Ja-Antworten: | |
| Männer | 65 |
| Frauen | 69 |
Trauen Sie den Kunden zu, Ihre Arbeit zu beurteilen?
| Ja | 86 |
| Nein | 9 |
| Von den Ja-Antworten: | |
| West | 87 |
| Ost | 86 |
| Männer | 83 |
| Frauen | 90 |
Glauben Sie an die Zukunftsfähigkeit Ihres Arbeitgebers?
| Ja | 80 |
| Nein | 19 |
| Von den Ja-Antworten: | |
| West | 79 |
| Ost | 86 |
| Männer | 72 |
| Frauen | 88 |
Alle Angaben in Prozent, Rest zu 100 Prozent: keine Angaben
Quelle: GPRA, TNS Emnid
Apropos: Wie schenkt man eigentlich Vertrauen? Augen zu und hoffen, dass alles gut geht? Klingt reichlich naiv. Fahrlässig könnte es dazu sein. Ebenso ist das Fordern von Vertrauen oft nur eine hohle Phrase, die zwar gut klingt und sympathisch macht, in der Realität aber nie umgesetzt wird. Also: Welche Verhaltensweisen gibt es, die gegenseitiges Vertrauen fördern?
Folgende 10 Punkte fallen mir dazu ein:
- Offenheit gegenüber Vorschlägen und abweichenden Meinungen.
- Ehrlichkeit in Bezug auf eigene Intentionen.
- Interesse an den Mitarbeitern/Kollegen und ihren beruflichen wie persönlichen Problemen.
- Konstantes positives Vorbild – auch in Sachen eigener hervorragender Leistung.
- Einladung an die Kollegen, ebenfalls Entscheidungen zu treffen.
- Offene und angstfreie Gesprächskultur in Meetings.
- Großzügigkeit bei der Weitergabe von Wissen und Kontakten.
- Versprechen geben – und halten!!!
- Kritikkultur, die Fehler in Lernprozesse transformiert.
- Gerechte und transparente Leistungsbeurteilung – und entsprechende Bezahlung.
Falls Ihnen noch etwas einfällt, können Sie das gerne kommentieren. Ansonsten würde ich mich freuen, wenn Sie an der folgenden Umfrage teilnehmen, um herauszufinden, welche der zehn Verhaltensweisen Sie besonders hoch einstufen. Ich vertraue Ihnen dabei völlig…



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