fireexitNun gibt es die Finanzkrise nicht gerade erst seit gestern. Und Krisenmanagement ist auch keine Millenium-Erfindung. Trotzdem herrscht weltweit ein dramatischer Mangel an Führungsstärke und geeigneten Strategien, um den Anforderungen der aktuellen Wirtschaftskrise adäquat zu begegnen. Trotz akuter Refinanzierungsprobleme konzentrieren sich nur 65 Prozent der finanziell angeschlagenen Unternehmen um Aufbau und Erhalt ihrer Liquidität. Laut Selbsteinschätzung verfügt ein Drittel nicht mal über kein tragfähiges Konzept, um in der Krise zu bestehen. Entsprechend trauen 40 Prozent der Manager unterhalb der CEO-Ebene ihren Bossen kein überzeugendes Krisenmanagement zu – und 46 Prozent bezweifeln, dass die verkündeten Maßnahmen überhaupt umzusetzen wären. Das ist das alarmierende Bild, das eine aktuelle Studie der Strategieberatung Booz & Company zeichnet. Dazu wurden im Dezember 2008 weltweit rund 830 Manager der obersten Führungsebene, davon 133 aus dem deutschsprachigen Raum, befragt.


Offenbar schöpft selbst ein Viertel der soliden Unternehmen seine Wachstumspotenziale nicht genügend aus und geht Investitionen, Expansionen und Unternehmensübernahmen eher aus dem Weg. Und das, obwohl mehr als jeder zweite Top-Manager (54 Prozent) davon ausgeht, sich im Zuge der Krise einen Wettbewerbsvorteil verschaffen zu können. Dabei befürchten nur 20 Prozent eine Verschlechterung ihrer Situation. Sicher, führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem erheblichen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes, manche gar mit einer Rezession. Und wenn die Exporte tatsächlich wie prognostiziert um neun Prozent zurückgehen, stehen einige Industriezweige vor erheblichen Problemen. Umso beachtlicher aber ist, dass die Skepsis gegenüber der Krisenresistenz des eigenen Unternehmens unterhalb der ersten und zweiten Führungsebene deutlich zunimmt. So sprechen über die Hälfte dieser Führungskräfte dem Topmanagement die Fähigkeit zum geeigneten Krisenmanagement ab. Beachtlich deshalb, weil es sich dabei nicht mehr nur um eine Finanz-, sondern vor allem um eine Vertrauenkrise handelt. Und nur wenn die Belegschaft grundsätzlich an das Gelingen glaubt und dafür kämpft, kann die Wende auch gelingen. So aber nicht.