Mir ist klar: Diese Studie wird polarisieren, verärgern, zum Widerspruch anregen, denn sie ist alles andere als kommod. Christian Tröster, Professor an der Kühne Logistics University in Hamburg, und Stefan Thau, Professor an der London Business School haben untersucht, wie Manager die Ergebnisse ihrer Mitarbeiter verbessern und deren Leistung steigern können. Eine typische Management- beziehungsweise Motivationsfrage. Die meisten denken dann zuerst an Geld, also mehr Gehalt. Etwas Versiertere werden sagen: Geld bewirkt nur kurzfristige Effekte, Anerkennung und herausfordernde Aufgaben sind viel wichtiger. Stimmt. Doch jetzt kommen Tröster und Thau und sagen:

Wenn Chefs einzelne Mitarbeiter besser behandeln als die Kollegen, also klar bevorzugen, dann erbringen die besonders gute Leistungen und steigern so die Teamleistung.

Okay, bevor Sie Ihre Magensäfte jetzt ein wenig köcheln lassen… Das Ergebnis lässt sich leider nicht so einfach wegschieben. Daran beteiligt waren zum Beispiel auch Forscher aus Kanada und den Niederlanden. Will sagen: Damit haben sich nicht nur zwei nutty professors beschäftigt. Insgesamt gab es sogar vier Studien mit unterschiedlichen Experimenten und Versuchsgruppen dazu. Immer das gleiche Resultat:

Ein bevorteilender Führungsstil führt zu besseren Ergebnissen.

Vetternwirtschaft: Ein ethisches Dilemma

Keine Frage, Günstlingswirtschaft ist den Menschen verhasst, im eigenen Laden noch mehr als anderswo. Insbesondere die Schleimer und Chefzäpfchen, die den Mangel an Leistung durch rektoskopische Nähe zum Chef ausgleichen – und damit auch noch durchkommen.

Es ist aber auch so: Positive Emotionen, ein verbessertes Selbstwertgefühl und damit verbundene Arbeitszufriedenheit steigern nachweislich die Leistung.

Das Dilemma, in dem Manager nun stecken, ist: Bevorzugen sie die einen, steigert das deren Motivation und Leistung. Gleichzeitig aber schüren sie den Missmut der anderen Kollegen und werten diese indirekt ab. Was sich wiederum auf deren Leistung negativ auswirkt.

Davon abgesehen ist ein solches Vorgehen natürlich auch noch moralisch zweifelhaft. Um es klar zu sagen: Als bewusste Management-Methode ist es sogar eine besonders perfide Form der Manipulation. Angebliche Gleichbehandlung und Fairness werden damit zur Farce.

Christian Tröster kommentiert das selbst so:

Der moralische Imperativ, jeden gleich gut zu behandeln, ist in unserer Gesellschaft stark verwurzelt. Seit den Vierzigerjahren predigen Führungstheorien, dass es sich auszahlt, wenn man allen Mitarbeitern mit der gleichen Aufmerksamkeit begegnet. Unsere Studie gibt der Forschung einen neuen Dreh: Wir zeigen, dass es sich lohnt, nicht alle gleich zu behandeln. Das bedeutet nicht, dass Vorgesetzte andere Mitarbeiter respektlos behandeln sollten. Vielmehr gilt es, die Kollegen normal gut und fair zu behandeln. Die Bevorteilung muss auf eine sensible Art und Weise geschehen, die den Einzelnen stärkt und das Team nicht schwächt.

Leistung Einzelner honorieren, die anderen bei Laune halten – soweit jedenfalls die Theorie.

Mitarbeiter streben nach der Aufmerksamkeit vom Chef

Dennoch stellt sich die Frage: Warum funktioniert der Trick überhaupt so gut? Die Antwort geht auf ein altes Gruppenwert-Modell von Tom R. Tyler zurück. Danach wünscht sich jeder Mitarbeiter Anerkennung von seinem Vorgesetzten, um sein Ansehen innerhalb des Teams zu steigern. Wir sind also aufgrund simpler sozialer Vergleichsprozesse manipulierbar.

„Ob Mitarbeiter die Führungsqualitäten ihres Chef schätzen, richtet sich danach, wie der sie im Vergleich zu anderen behandelt – diese Annahme liegt auch unserer Studie zugrunde“, sagt Tröster. „In einem unserer Experimente waren Gruppenleiter zu einzelnen Teilnehmern besonders freundlich. Sie hielten mit ihnen verstärkt Augenkontakt, gaben ihnen häufiger das erste Wort und lobten ihre Beiträge besonders. Ergebnis: Wer sich im Vergleich zu anderen besser behandelt fühlte, stärkte das Team und steigerte so die Produktivität. Dagegen brachten Mitarbeiter, die gleich gut wie ihre Kollegen behandelt wurden, weniger gute Ergebnisse.“

Seine Schlussfolgerung: Für das Unternehmen zahle es sich also aus, wenn der Chef Einzelne bevorteilt – freilich ohne dabei andere respektlos zu behandeln oder gar zu verprellen. Und selbstverständlich sei das nur sinnvoll, wenn sich der Chef bei der Auswahl seiner Günstlinge vor allem auf Kollegen mit hohem Potenzial konzentriert.

Führen wie Steve Jobs

Die Masche habe übrigens ein prominentes Vorbild: den legendären Apple-Chef Steve Jobs. Leistungsträger besonders zu pushen, war auch sein Erfolgsrezept. Der ehemalige Apple-Chef war bekannt für seinen tyrannischen und launenhaften, aber auch charismatischen Führungsstil. Weniger gute Kollegen behandelte er wie Bauern auf dem Schachbrett. Gleichzeitig widmete er sich jedoch Einzelnen besonders und motivierte sie zu außerordentlichen Leistungen.

Man kann nicht sagen, er wäre damit nicht erfolgreich gewesen. Und seiner Verehrung hat es auch nicht geschadet.