Pimp my Card – Visitenkartentuning könnte man den Trend auch nennen, den manche Unternehmen – vorrangig in den USA – betreiben. Statt sich mit stinknormalen Berufsbezeichnungen abzugeben, dürfen sich dort einige aufstrebende Führungskräfte mit Phantasietiteln schmücken. Das spart die eine oder andere Gehaltserhöhung und bringt frischen Wind in die Bude. Auch so mancher Freiberufler greift schon mal zum Kunsttitel oder wird bei der Größe seines Ladens kreativ. In gewissen Grenzen ist das nicht verkehrt, Image ist der halbe Erfolg und so. Wer es damit aber übertreibt, könnte sich ebenso gut “Profilneurotiker” auf die Karte schreiben.
Bevor Sie also Ihre eigene Visitenkarte designen, hier ein paar Hinweise, welche Botschaften sich unweigerlich mit einigen Titeln verbinden:
Geschäftsführer
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| Gut: Seriös, gewerblich, einflussreich. | Schlecht: Häufig, gewöhnlich, langweilig. |
CEO
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| Gut: Deutet an, dass Ihr Unternehmen nach großen strebt und Sie nicht der einzige im Board sind. | Schlecht: Ihr Unternehmen ist groß und Sie sind eben nicht der einzige im Board. |
Direktor
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| Gut: Klingt imposant und wer weiß schon, wie groß das Unternehmen ist. | Schlecht: Könnte auch andeuten, dass Ihr Unternehmen erst noch aufbauen müssen. |
Inhaber
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| Gut: Macht klipp und klar, dass Sie das Sagen haben. | Schlecht: Könnte auch bedeuten, dass es außer Ihnen und Ihrem Ego niemanden gibt, dem Sie was zu sagen haben. |
Großkaiser für Wettbewerb, Social Media Kreuzritter
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| Gut: Sie haben Humor und arbeiten offenbar für ein aufgeschlossenes Unternehmen. | Schlecht: Möglicherweise ist Ihr Humor größer als Ihr Einfluss. |
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Daniel
Ich bin ja vielleicht gerade etwas übermüdet – aber in einem Posting aus 2010 auf einen Handelsblatt-Artikel von 2001 zu verlinken, um einen Trend zu “beweisen” finde ich gewagt. Oder ich hab den Witz nicht verstanden.
Jochen Mai
@Daniel: Du hast den Witz nicht verstanden. Der HB-Link liegt schließlich auf dem Wort “Phantasietitel” – damit dient er nicht dem Beleg eines Trends, sondern der Erläuterung von Phantasietiteln. Davon abgesehen kann ein Trend durchaus seinen Ursprung in 2001 nehmen und bis heute anhalten und der Beitrag womöglich auch gar nicht so ernst gemeint sein.
Manfred Böcker
Das mit dem “CEO” habe ich in den vergangenen Jahren auch gelegentlich bei Einmann-Konstruktionen beobachtet. Nichts gegen Einmann- oder Einfrau-Konstruktionen, aber da wird es schnell lächerlich. Es stecken meist keine entsprechende Rechtsform, keine Mitarbeiter und kein gar nichts dahinter. Wer so etwas auf seine Visitenkarte schreibt, sollte auch die entsprechenden Fakten im Hintergrund liefern können.
Ein “Social Media Kreuzritter” hat zwar einen lustigen Titel, teilt dem Markt aber nicht richtig mit, worin sein Angebot besteht. Zudem würde ich mir nicht freiwillig einen Kreuzritter ins Haus beziehungsweise ins Unternehmen holen. Ist ja schön für die Menschen, wenn sie von ihrem Arbeitsgebiet derart beseelt sind, aber so ein Titel verheißt nicht gerade ein ruhiges Händchen für pragmatische Lösungen. Ein Ritter ohne Furcht, Tadel und Bodenhaftung eben…
Christoph H.
Wie steht ihr zur Bezeichnung “Partner”? Konkret geht es bei mir um eine Beratungsgesellschaft aus den drei Gründern. Können wir uns statt Geschäftsführer auch Partner nennen? Wie kommt das an?
Jochen Mai
Meine persönliche Meinung: “Partner” klingt immer nach Agentur oder Beratung – und damit auch nach einer Ansammlung von Alphatieren, die alle gerne Chef wäre, sich aber nicht einigen können und deshalb “Partner” als KGN gefunden haben…
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