Völlig verrückt: Diese Vorstellungsgespräche gab es wirklich
Das Hemd falsch zugeknöpft oder den Nachnamen des Interviewers falsch notiert - so viele Details, auf die man achten sollte. Doch auf ein Vorstellungsgespräch kann man sich nur bis zu einem gewissen Grade vorbereiten. Manchmal bringen einen fiese Fangfragen aus der Balance, spontane Eingebungen das andere Mal Pluspunkte. Und manchmal passiert auch etwas ganz und gar Außergewöhnliches, ungewollt, ungeplant, mit gutem oder schlechtem Ausgang. So erging es auch diesen sechs Damen und Herren ...

Vorstellungsgespräch: Echt jetzt?

Perfekt vorbereitet, intelligente Antworten überlegt, noch intelligentere Rückfragen - und am Ende den Job in der Tasche. Das ist das Wunschszenario eines jeden Bewerbers. Aber nicht immer läuft das Jobinterview so reibunglos ab. Es gibt Situationen, auf die man sich beim besten Willen nicht vorbereiten kann.

Auch der britische Guardian hat seine Leser nach ihren denkwürdigsten Erfahrungen, nach den kuriosesten Jobinterviews gefragt. Herausgekommen ist eine wirklich lesenswerte Anekdoten-Sammlung. Hier sind die besten Geschichten von der Insel ...

Very british: 6 außergewöhnliche Vorstellungsgespräche

  1. “Sie schleppten meinen Wagen ab“

    Ich war auf dem Weg zum Jobinterview bei einem großen Unternehmen im Norden Londons. Ich kam pünktlich an, parkte meinen Wagen, bereitete mich noch kurz vor und ging selbstbewusst ins Bewerbungsgespräch. Im Gesprächsraum konnte man den Parkplatz überblicken und nach ungefähr der Hälfte des Interviews sah ich plötzlich, wie ein Abschleppwagen mein Auto davonzog. Was sollte ich tun? Im Rückblick hätte ich den Mund halten sollen, aber in dem Moment war ich richtig im Schockzustand. Also sagte ich meiner Gesprächspartnerin, dass mein Wagen gerade abgeschleppt wurde und hoffte auf ihr Verständnis. Ich erwartete von ihr, dass sie vorschlug, das Interview kurz zu unterbrechen. Ihre Reaktion? Eiskalt. „Es gibt nichts, was Sie jetzt dagegen tun können, also lassen Sie uns fortfahren.“ Ich kann mich nicht mehr richtig daran erinnern, wie es danach weiterlief, aber ich wusste, dass ich die Stelle nicht bekommen würde und selbst wenn, dass ich mit jemandem, der so rücksichtslos ist, nicht hätte zusammenarbeiten wollen.

  2. "Ich war noch nie 24 Stunden zu spät"

    Ich bekam eine Einladung zu einem Interview am Mittwoch, für eine Stelle, die ich wirklich wollte. Am Dienstag erhielt ich dann noch einen Anruf und wurde gefragt, ob ich auch zum Interview kommen würde. Ich sagte „Ja, ich komme morgen.“ Die Person am anderen Ende der Leitung aber meinte, dass das Interview schon heute wäre. Ich hatte den Termin völlig durcheinandergebracht. Zum Glück lud sie mich für den nächsten Tag zu einem neuen Interview ein. Ich ging hin und sagte zu ihr: „Ich war schon mal fünf Minuten zu spät, eine halbe Stunde zu spät, aber nie 24 Stunden zu spät.“ Alle meine Antworten waren absolut ehrlich und ich glaubte nicht daran, dass ich eine große Chance hätte. Ich bekam den Job. Drei Jahre später war ich bei einer Preisverleihung, wo ich eine Auszeichnung für unsere Arbeit mit jungen Menschen erhielt. Die Person, die mich damals interviewt hatte, lehnte sich zu mir herüber und sagte: „Ich wusste, dass Sie die richtige Person für diese Rolle sind, obwohl Sie zu spät waren.“

  3. “Ich landete in einer Pfütze"

    Ich hatte vor einigen Jahren ein Vorstellungsgespräch bei meiner Traumschule. Ich war früh dran, als es plötzlich anfing in Strömen zu regnen. Als ich den Parkplatz überquert hatte, war ich schon völlig durchnässt. Meine Sachen fingen gerade an zu trocknen, da nahm der stellvertretende Schulleiter mich und die anderen Bewerber mit auf eine Führung durch die Schule. Die Tour begann damit, dass ich über den erneuerten Bodenbelag in der Eingangshalle rutschte, auf meinen Händen und mit meinen Knien in einer kleinen Pfütze landete. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich die Stelle nicht bekam.

  4. "Wir machten im Pub weiter"

    Nachdem ich 1976 meinen Uni-Abschluss gemacht hatte, saß ich in einer heißen, staubigen Stadt fest, während alle anderen ihre neuen Jobs antraten, nach Hause oder in Urlaub fuhren. Aus reiner Langeweile bewarb ich mich für einen Job, für den ich nicht qualifiziert war und über den ich rein gar nichts wusste. Ich war erstaunt, dass ich zum Jobinterview eingeladen wurde und noch erstaunter, als der Interviewer, ein Universitäts-Professor, mir nach 20 Minuten unterbreitete, ich solle doch gehen, mich zum Thema vernünftig einlesen und später noch mal wiederkommen. Das tat ich, woraufhin er die Fortsetzung des Bewerbungsgesprächs ins Pub verlegte. Nach ein paar Drinks sagte er zu mir, ich könne entweder den Job haben oder zwei Wochen mit ihm über die Isle of Skye reisen. Ich entschied mich für den Urlaub. Es war völlig platonisch und wir hatten tolle zwei Wochen. Obwohl ich mich manchmal frage, ob ich nicht besser den Job hätte nehmen sollen.

  5. "Ich schlug mir zwei Zähne aus"

    Ich hatte ein Jobinterview bei einem IT-Unternehmen, das sehr gut verlief. Das informelle zweite Interview mit meinem potenziellen direkten Vorgesetzten lief sogar noch besser. Sie fragten mich dann, ob ich das Mittagessen mit einer Sekretärin bei einem Edel-Restaurant verbringen wolle - was auch sehr gut lief - während sie meine Bewerbung mit dem Chef diskutierten. Ich kam vom Mittagessen ziemlich nervös, aber auch selbstbewusst zurück. „Der Chef wird Sie in zehn Minuten empfangen“. Ich ordnete meine Unterlagen, kämmte mein Haar, reinigte meine Zähne mit Zahnseide. Ich war in Hochform. Ich ging also ins Chefbüro. „Schön, Sie zu sehen.“ Ich nahm mir einen Stuhl, aber verstellte aus Versehen den Höhenmechanismus. Der Stuhl flog hoch, schlug mir ins Gesicht und zwei meiner Vorderzähne aus. Überall war Blut. Das Gespräch mit dem Boss verlief trotzdem gut (nach einer kurzen Pause), aber das Gehalt, das sie mir anboten, war erbärmlich und ich glaube, dass mich dieser erste Eindruck eine Menge gekostet hat.

  6. “Ich hatte das falsche Sternzeichen“

    Ich war frischgebackener Design-Absolvent und hatte bereits zwei Vorstellungsgespräch bei einer führenden Modedesignerin hinter mir. Ihre Geschäftspartner liebten mein Portfolio und ich dachte, ich hätte den Job sicher. Das dritte Interview hatte ich mit dem Ehemann der Designerin. Er kam in den Raum und stellte mir nur eine Frage: „Was ist Ihr Sternzeichen?“ Nachdem er meine Antwort gehört hatte, machte er kehrt und verließ umgehend den Raum. Ich war völlig perplex, wandte mich an seinen Geschäftspartner und fragte, was ich falsch gemacht hätte. Er schüttelte nur den Kopf und sagte: „Das Gleiche wie von seiner Frau. Es kommt niemand in Frage, der das gleiche Sternzeichen hat wie sie.“ Und das war’s dann für mich.

[Quelle: The Guardian, Bildnachweis: ra2studio by shutterstock.com]