Ein Gastbeitrag von Johannes Czwalina und Clemens Brandstetter
Prolog
Persönlichkeit ist die Kompetenz der Zukunft. Sie ist schwieriger zu erlernen als Management- und Fachwissen. Ein Mensch mit personaler Kompetenz verfügt über Konsensfähigkeit. Er ist mit einem hohen Grad von Selbstachtung ausgestattet und zeigt Menschen gegenüber Wertschätzung, Einfühlungsvermögen, Fairness, Offenheit und Toleranz.
Der Mensch wird durch seine Erbanlage und das Umfeld bestimmt, sagen die Einen. Andere sagen auch, dass der Charakter eben die Mischung aus beidem sei. Selbst aktuelle Forschungsergebnisse der Neurobiologie vermitteln das Ausgeliefertsein an „biochemische Reaktionen“ und die begrenzte Steuerbarkeit von Verhalten beziehungsweise Veränderbarkeit des Charakters.
Das Wort „Charakter“ ist eigentlich wertneutral. Im Duden heißt es: „Kennzeichnendes Merkmal“ oder „dem Menschen eingeprägte, innere Form“. Wörtlich aus dem Griechischen: „Das Eingeritzte“. Seit dem 17. Jahrhundert wird dieses Merkmal auf das sittliche Verhalten des Menschen übertragen. „Das Eingeritzte“ klingt wie unveränderbar.
Solche Definitionen vermitteln uns den Eindruck, als sei der Charakter etwas Unveränderbares. Wir wären ihm ausgeliefert und könnten uns dann gewissermaßen entschuldigen: „Das ist nun mal mein Charakter“. Dann kann aber auch von anderen mein Charakter wie eine unheilbare Krankheit beurteilt werden, die mich zum Outsider stempelt: „Er hat eben einen schlechten Charakter“.
Charakter lässt sich verändern
Die Substanz des Charakters ist aber nicht so hart, dass man ihn ein Leben lang nicht mehr verändern könnte. Charakter ist eine veränderbare Größe und nicht einfach unser Schicksal, dem wir passiv ausgesetzt sind. Neben Erbgut, Erziehung, Umwelt und neurobiologischen Triggern ist er am meisten geprägt durch unsere Gewohnheiten. Die kann man, wenn es auch bisweilen schwer ist, ändern. Charakter ist ein Weg, eine Entwicklung, ein dynamischer Prozess.
Charakter ist das, was ein Mensch langfristig ausstrahlt, nicht das, was er bisweilen vorgibt zu sein.
Gewohnheiten indes sind die Fenster unseres Charakters. Es genügt also nicht, Gewohnheiten einfach durch andere Gewohnheiten zu ersetzen, wenn nicht zuvor die Vision, die Ziele, die Werte überprüft werden. Schlechte Gewohnheiten sind oft Ausdruck von Resignation. Der Ausdruck eines Charakters sind seine Prägungen, Einstellungen und Gesinnungen. Freundlichkeit, Optimismus, Loyalität, Vertrauen, Charisma, Ausstrahlung, Kritikfähigkeit und Selbstwertschätzung sind allesamt Attribute, die entstehen können, wenn man am Charakter arbeitet.
Charakterveränderungen beginnen nicht bei den Umständen, sondern bei uns selbst. Veränderungen geschehen von innen nach außen.
Ich kann anders sein, wahrhaftiger, freundlicher, sorgfältiger, kooperativer und interessierter. Ich beginne, Versprechen zu halten, ich arbeite an meinem Einflussbereich, ich entscheide mich, auf Rechtfertigungen zu verzichten, ich entscheide mich, zu verstehen statt zu richten, ich höre auf, destruktive Dinge zu sagen, ich löse mich von der Einstellung, dass es sowieso keinen Wert habe. Die Arbeit an mir selbst entdecke ich als die wichtigste Art der Einflussnahme.
Die Voraussetzung für eine positive Veränderung des Charakters ist demnach auch die Bereitschaft zur Selbsterkenntnis.
Das wiederum hat etwas mit innerer Arbeit zu tun, die anstrengend und durchaus schmerzhaft sein kann, und es gehört Mut dazu. Die Voraussetzung für eine positive Veränderung ist also die Erkenntnis, dass jede Veränderung der anderen und der Umstände bei mir selbst anfängt. Manchmal kann schon eine Liste helfen, auf der wir alle Punkte aufschreiben, die wir ändern, erneuern oder festigen möchten.
Der Charakter stellt gewissermaßen die Metaebene dar, die die täglichen Abläufe und den Kurs eines Unternehmens steuert. Die fehlende Sicht für personale Kompetenz war in den vergangenen Jahrzehnten oft Ursache für Firmenzusammenbrüche. Schon aus Gründen der Selbsterhaltung sollte es uns daher wichtig sein, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Frei von Erwartungen Dritter
Alle vorangegangenen Punkte erfordern eine bewusste Arbeit an der eigenen Person als Weg zu mehr Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung im gegenwärtigen Wandel, sich selbst treu zu bleiben und die kardinalen Lebensbedürfnisse zu verteidigen: Frei von Erwartungen Dritter, gesellschaftlichem Druck oder Marktzwängen; zumindest frei von hemmenden Verhaltensmustern, einschränkenden Konditionierungen oder unbewussten Antrieben und Projektionen, die Last und Korsett sind und der eigenen Entwicklung und einem selbstbestimmten Leben im Wege stehen. Die Veränderung – an Herausforderungen wachsend, aus Krisen gestärkt hervorgehend sowie Spannungsfelder auflösend – kann dabei nur von innen nach außen gelingen.
Wie also in der modernen Arbeitswelt bestehen?
- Gib Deinem Leben und Deiner Arbeit (neuen) Sinn.
- Befreie Dich vom materiellen Diktat – mehr Einkommen und Karriere bedeuten nicht mehr Lebensqualität.
- Baue Dir ein tragfähiges soziales Umfeld (Familie, Freunde) auf als Konstante und „Sicherungsnetz“ im Leben.
- Lerne zu teilen und zu (zurückzu-) geben, von dem, was du erhalten hast; leiste einen persönlichen Beitrag für die Gesellschaft.
- Nutze Veränderungen und Krisen – betrachte Scheitern als Chance für Neuanfang und Entwicklung.
Epilog

Über das Buch
Die Arbeit vieler Menschen wird auf immer wenige Köpfe verteilt. Die Verantwortung des Einzelnen wächst, ob man will oder nicht. Die Gastautoren geben in ihrem Buch „Vom Glück zu arbeiten” Anstöße, wie man unabhängig davon Erfüllung findet. Es ist ein Werkzeugkoffer, für High Potentials und Performer.







Menachem
Die vielen unterschiedlichen Themen in diesem blog sind einfach klasse. Ich hab` s zwar schon mal geschrieben, aber an dieser Stelle wiederhole ich mich gerne.
Sandra
Dieser Beitrag hat mich sehr bewegt. Und ich muss sagen, dass ich schon erlebt habe, wie charakterlich schwache Kollegen entlassen wurden, aus “wirtschaftlichen” Gründen.
Alex
In einem entscheidenden Punkt irren die Autoren, nämlich wenn sie sagen, das Ziel sei “Frei von Erwartungen Dritter, gesellschaftlichem Druck oder Marktzwängen” zu sein. Das geht doch heute gar nicht mehr. Ein Arbeitnehmer, dem die Erwartungen seiner Firma egal sind, ist schneller draußen, als er gucken kann. Der rasante Anstieg von Burnout und Depressionen hat nichts, aber auch rein gar nichts damit zu tun, daß Menschen nicht an ihrem Charakter arbeiten würden. Das hat mit äußeren Einflüssen, vor allem aus der Arbeitswelt, zu tun. Sei es, daß Mitarbeiter völlig überarbeitet und überfordert werden, oder sei es, daß Menschen gar nicht die Chance bekommen, arbeiten zu dürfen, und daran zerbrechen. Es ist daher falsch, den Leuten zu sagen, sie sollen das hinnehmen und halt an sich arbeiten. Nein, die Arbeitswelt muß sich ändern. Sie muß menschlicher werden, die Arbeit muß wieder so verteilt werden, daß der Einzelne nicht überfordert wird. Menschen sind keine Maschinen und eine Melkkühe, die immer noch mehr Leistung bringen, wenn man sie nur charakterlich optimiert.