Eigentlich will das jeder: Erfolg im Beruf und in der Partnerschaft. Leicht ist das nicht. Vor allem, wenn beide Partner nicht in derselben Stadt arbeiten. Das Ergebnis sind dann so genannte Fernbeziehungen. Glaubt man den Statistiken, so haben sich hier zu Lande rund vier Millionen Doppel-Karrieren-Paare für diese Liebe auf Distanz entschieden. Bei Akademikern führt statistisch sogar jedes vierte Paar – zumindest für einige Jahre – eine Wochenendbeziehung. Dabei sind diese Distanzbeziehungen keinesfalls brüchiger als diejenigen von Paaren, die sich jeden Tag sehen. Das hat der US-Psychologe Gregory Guldner von der Purdue Universität untersucht und seine Erkenntnisse in dem Buch Long Distance Relationship – The Complete Guide zusammengefasst. Er verglich Paare, die durchschnittlich 500 Kilometer auseinander lebten, mit Paaren in Nahbeziehungen. Herauskam: 40 Prozent trennten sich spätestens nach drei Jahren – allerdings in beiden Gruppen. Das verflixte dritte Jahr war der Scheitelpunkt der Fernbeziehung: Danach zogen die Partner entweder zusammen oder sie trennten sich.

Natürlich sind Fernbeziehungen nicht ohne Probleme. Sie haben sogar ihre eigenen – wie fehlende Nähe, mangelnde Kommunikation und unerfüllte Sexualität. Der daraus entstehende Frust kann sich leicht auf den Job übertragen. Leute mit Liebeskummer bringen automatisch weniger Leistung. Damit das Immerwiedersehen auf Dauer funktioniert, sollten sich die Pendlerpaare an einen bestimmten Verhaltenscodex halten.

So wie Stefan und Andrea. Die Freunde von uns haben jahrelang eine Fernbeziehung geführt und erzählen immer wieder: Das Wichtigste sei, sich auf Augenhöhe zu begegnen, also: Keine Karriere geht vor! Räumlich und zeitlich flexibel zu sein, ist eine Voraussetzung für den Erfolg im Job. Also muss jeder bereit sein, auch mal zurückzustecken. Nur sollte das nicht überhandnehmen. Auch das gehört zur Fernbeziehung: feste Zeiten für die Zweisamkeit zu reservieren – Wochenenden, Urlaub, Beziehungsjubiläen. „Die Spontaneität geht so schon mal flöten“, gibt Andrea zu. Das könne zur Belastung werden. Genauso wie das Wiedersehen: Oft wird es mit Erwartungen überladen. Weihnachtseffekt nennen Paarforscher das Phänomen: Beide haben eine genaue Vorstellung, wie das nächste Treffen ablaufen soll – nur leider jeder eine andere. Enttäuschung und Streit sind dann programmiert. Besser: sich vorher genau absprechen „oder wirklich für alles offen sein“, sagt Stefan. Und nie im Streit trennen sowie lange Abschiedsszenen vermeiden! Besser mit einem Termin ausei-nandergehen, worauf man hinarbeiten kann. Die beiden haben übrigens nach drei Jahren geheiratet.