Fängt gut an: „Stört es Sie, wenn ich mich ein bisschen zurücklehne? Sie haben Mundgeruch, ziemlich üblen sogar“, sagte Multimillionär Donald Trump zu Talkmaster Larry King während einer Livesendung auf CNN. So beginnen große TV-Shows. Karrieren aber auch. Es gibt manchen erfolgreichen Weg, um nach ganz oben zu gelangen. Der andere ist, ein richtiges Ekel zu sein. Nicht selten scheint das Glück gerade mit den rücksichtslosen Widerlingen zu sein, die wie Mähdrescher völlig schmerzfrei durch ihre Umwelt pflügen und unbarmherzig alles und jeden rasieren, der sich ihnen in den Weg oder dumme Fragen stellt. Welchen Weg man wählt, bleibt letztlich eine Persönlichkeitsfrage. So jedenfalls geht Gemeinsein (.pdf):
- Seien Sie jederzeit von sich überzeugt. Narzissmus schützt vor schlechter Laune. Im Grunde müssen Sie sogar Stolz auf ihre Boshaftigkeit sein. Irgendjemand muss ja die Drecksarbeit machen. Und den anderen fehlt eben der Mut und die Kraft dazu.
- Lügen Sie! Das machen sowieso alle großen Fische: Manager, die sagen, das Unternehmen stünde nicht zum Verkauf, während die Verhandlungen schon laufen, genauso wie Politiker, die von Steuersenkungen palavern. Denken Sie nur an US-Präsident Bill Clinton, der die Wahrheit um seine Affäre erst hauchzart filetierte um sie anschließend neu zu deuten: „Oralsex ist kein Sex.“ Geht doch!
- Beuten Sie andere aus! Delegieren Sie alle unangenehmen Aufgaben an andere. Nur was Spaß bringt, machen Sie selbst. Und wird eins der leidigen Projekte doch noch ein Erfolg, reißen Sie die Sache natürlich sofort wieder an sich.
- Die Leute mit Gegenständen zu bewerfen, ist auch ein probates Mittel, um Menschen auf Distanz zuhalten, sie anzuspornen und das Fürchten zu lehren. Zickenmodel Naomi Campbell soll diese Kunst mit ihrem Handy zu Perfektion getrieben haben.
- Was auch wirkt: Die Leute in den Hintern treten. Physisch. Wörtlich reicht zur Not aber auch. Etwa, indem Sie ihnen a) klar machen, wie dämlich sie sind, b) ihr Aussehen kritisieren, c) sie mitten im Satz unterbrechen, d) sie aus dem Zimmer werfen und e) mit Entlassung drohen. Ideal ist die Kombination von mehreren Buchstaben. Vom mehrfach abgefundenen Chefredakteur Werner Funk gibt es dazu eine schöne Anekdote. Bei einem seiner Jobwechsel lief ihm ein Redakteur über den Weg, den er mit den Worten begrüßt haben soll: „Habe ich Sie nicht schon das letzte Mal gefeuert?“ So macht das!
- Sie können die Leute auch körperlich quälen. Schlafentzug wirkt Wunder, wissen zum Beispiel professionelle Gehirnwäscher. Einfach die Leute abends im Büro mit dringenden Aufgaben lange beschäftigen. Das macht mürbe. Anbrüllen funktioniert aber auch ganz gut. Am Telefon sogar noch besser. In wunderbaren Augenblicken lässt sich dort die Verbindung bemerkbar kappen, sobald einer wagt, sich zu rechtfertigen.
- Richtig fies ist zudem die Kollegen gegeneinander auszuspielen. Übertragen Sie dazu mehreren Mitarbeitern dieselbe Aufgabe. Sollen die ruhig um den Lorbeer kämpfen! Loben und tadeln Sie die Leute dann vor Publikum. Sprechen Sie hinter derem Rücken aber auch reihum schlecht über sie. Das verunsichert und lässt ihre Chargen zu bösartigen, rivalisierenden Kampfmaschinen mutieren, die nach Ihrer Gunst fiebern.
- Killen Sie jeden Widerspruch! Ihr Motto muss sein: Wer nicht spurt, fliegt raus. Am besten laut und schmutzig. Keine Bange, an das Gefühl, die Leute auf dem Papier zu töten, gewöhnt man sich schnell. Jedenfalls bekommt man davon weder Magengeschwüre noch Schlafstörungen.
- Seien Sie unberechenbar! Selektieren Sie ihre Freundlichkeit. Begünstigen Sie nur bestimmte Leute – und nur solange Sie Lust dazu haben. Danach sind Sie wieder grob. Mittendrin auch. Teilen Sie Ihre Umwelt ein in jene, die Ihnen dabei nützen, das zu bekommen, was sie wollen und solche, die Sie bald loswerden. Wichtig ist, dass die Schikane jeden trifft, aber unregelmäßig. So verbreiten Sie Angst und Schrecken. Keiner wird mehr wagen Sie anzugreifen oder zu kritisieren. Das Leben kann so schön sein.
Ein Ekel zu sein, geht ganz leicht. Es macht nur etwas einsam. Aber das ist es an der Spitze ja immer. Falls Sie also diesen Weg gehen wollen, empfehle ich ihnen unbedingt noch die Lektüre von Stanley Bing…
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Norbert Glaab
Warum ist Lug und Betrug ein Erfolgsfaktor?
Das ist es noch was ich gerne herausfinden möchte. Ist es so, dass der Mensch eine Zusage benötigt, egal ob sie stimmt oder nicht. Hauptsache das Versprechen (das Wort sagt es ja schon VER-Sprechen, keine Zusage) gibt die momentane Aussicht auf Erfolg oder positive Veränderung? Oder ist es nur eine Beruhigungspille im persönlichen Verdrängungsprozess?
Oder leben wir Menschen nur vom Glauben alleine?
Jochen Mai
Zu der ersten Frage: Leider bestätigt die Praxis das immer wieder, dass nicht nur der nette, faire Kollege Erfolg hat, sondern auch der, der aufschneidet, betrügt, ausnutzt, manipuliert. Ja, die Welt ist schlecht. Aber man muss ja nicht nach diesen Regeln spielen. Oft reicht es, die Mechanismen zu kennen, um sie zu durchschauen oder zu durchkreuzen.
Die zweite Frage habe ich – offen gestanden – nicht verstanden. Worauf bezieht sich die “Zusage”?
Norbert Glaab
Ich gebe meinem Geschäftspartner eine Zusage (Versprechen). Wenn dies in sein momentanes Weltbild passt, habe ich gewonnen, selbst, wenn ich weis, dass ich es nicht erfüllen kann.
Als Beispiel:
Eine sehr guter Software-Spezialist sagte zu mir einmal: “man weis nie genau, wie der Auftrag realisiert wird, doch irgendwie wird es schon gehen, hauptsache, man glaubt daran.”
Jochen Mai
Was Sie ansprechen, ist durch die Spieltheorie bereits beantwortet: Die Erfolgreichste Strategie heißt “tit for tat”. Wenn Ihnen jemand glaubwürdig eine Zusage gibt, die Sie hören möchten, werden Sie dieser glauben. Sie wollen das ja auch. Stellt sich Ihr Partner aber dauerhaft als leerer Versprecher heraus, werden Sie ihm weder glauben, noch weiterhin mit ihm Geschäfte machen – es sei denn, er hält sich wieder an seine Zusagen.
proziel
Jedes Gemeinsein braucht seine Kultur zum Gedeien.
Nur dort, wo das System es zuläßt, nein besser, es fordert, werden die “Gemeinen” sich austoben können.
*Denn nur eine gemeine Führungskraft ist eine gute Führungskraft.*
Solange solch ein Blödsinn in den Schaltstellen der Entscheidungen kursiert, solange werden Haifischbecken gut durchlüftet.
Das Ausklammern von Empathie auf Führungsebene, das Leugnen der Abhängigkeit vom System wird den eigenen Misserfolg beschleunigen.
Noch nicht, aber auf der Timline ist die Lunte zu Explosion bereits gezündet.
Alles wird gut ….., oder war es Wut?
Viele Grüße aus Bielefeld
M.E.
Menachem
Das ist für mich der Inbegriff des tragisch – komischen und macht mich natürlich auch traurig. Traurig, Jochen, weil du mir wieder etwas raubst – Illusionen, wie gut und schön doch diese Welt sein könnte.
Die Welt ist nicht schlecht – sie ist genau, wie du sie in deinem Beitrag oben beschreibst – das ist der Mensch, das ist unsere Welt. Und sich den Mensch anzuschauen, so wie er ist – da existiert kein Gut oder Böse mehr, vielleicht eher Gewinner und Verlierer.
Und wenn ich mir den Mensch anschaue wie er ist, werde ich vielleicht eines Tages akzeptieren, dass ich auch dazu gehöre und genau so bin.
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