badgeEin Weblog kann ein mächtiges Marketinginstrument sein – oder ein totales PR-Desaster. Auch wenn es so scheint, als sei der Hype um die Bloggerei in Deutschland schon wieder vorbei, so gibt es doch eine Reihe von Unternehmen, die dem Zug in dieses Web 2.0-Dingsbums erst jetzt so richtig folgen (Ich weiß das, ich wurde selbst zu einigen Workshops dazu eingeladen). Zwar wollen alle derzeit lieber twittern, schon bald aber werden beide Kanäle auf den Unternehmensseiten miteinander verschmelzen – und zwar in den sogenannten Corporate Blogs.

Transparenz herstellen, die Marke prägen, mit Kunden und potenziellen Mitarbeitern in den Dialog treten – das sind die Hauptmotive für das Betreiben solcher Firmenblogs. Zumal die jungen Zielgruppen über klassische Medien zunehmend seltener und ungenauer erreicht werden.


Nun gab es vereinzelte Versuche, die ohnehin schon medienbekannten CEOs bloggen zu lassen (oder zumindest so zu tun, als ob diese bloggen würden). Man kann wohl sicher sagen: Diese Experimente sind gescheitert. Zurecht. Wie seriös wirkt auch ein Konzernlenker, der täglich die Zeit findet, ein- oder zweimal einen halbwegs intelligenten Text zu schreiben und dann auch noch auf die eingehenden Kommentare zu reagieren? Da drängt sich doch sofort die Frage auf: Hat der Mann denn sonst nichts zu tun? Und müsste er für sein sechsstelliges Gehalt plus Bonus jetzt nicht viel eher über irgendwelchen Excel-Tabellen brüten, Kosten sparen, Strategien entwerfen, mit Geschäftspartnern verhandeln, Ideen entwickeln, die Konkurrenz platt machen, das Imperium erweitern, Zeugs eben?! Und falls er das tatsächlich tut, dann will man erst recht keine pseudo-authentischen Texte lesen, die die Pressestelle an seiner statt mal eben zusammengeschustert hat. Zumal, wenn das auffliegt, nicht nur die Reputation des Chefs dahin ist.

Die Entwicklung geht deshalb richtigerweise in eine andere Richtung: hin zu Mitarbeiterblogs. Geschrieben von Mitarbeitern für Mitarbeiter und solche, die es vielleicht mal werden wollen. Dass manche der dort publizierten Infromationen womöglich doch durch die Kommunikationsabteilung gefiltert werden, muss gar nicht mal schlecht sein. Erstens aus purem Schutz der vielleicht noch medienunerfahrenen Kollegen vor sich selbst, zweitens weil man – laut Paul Watzlawick – sowieso nicht nicht kommunizieren kann. Und jeder schönfärberische Zensurversuch letztlich auffällt und dann genauso viel über das Unternehmen verrät, als hätte man gleich geschrieben: Transparenz und Ehrlichkeit zu den eigenen Fehlern gibt es bei uns nicht.

Und es stimmt ja auch: Eine bloggende Belegschaft, die authentisch ihren Arbeitsalltag beschreibt, ehrlich über das Betriebsklima, Karrierechancen oder herausragende Projekte berichtet, prägt entscheidend das Firmenimage, rundet es ab und bietet obendrein potenziellen Bewerbern eine gute Orientierung bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers. So sehen jedenfalls jene Unternehmen, die diese Mitarbeiterblogs bereits mehr oder weniger erfolgreich einsetzen.

Wer diese Unternehmen sind? Gute Frage. Als vorläufige Antwort habe ich die folgende Liste angefertigt, die einige davon vorstellt ohne jedoch den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Weitere Vorschläge dürfen daher gerne in den Kommentaren gemacht werden. Fakt ist aber auch: Die hier genannten Mitarbeiterblogs haben es doppelt richtig gemacht. Nicht nur, dass sie über dieses Medium gezielt den Dialog mit Lesern und Bewerbern suchen und pflegen – sie sind auch so gut verlinkt, dass ich sie bei meinen Recherchen relativ zügig gefunden habe. Und das spricht dafür, dass sie auch von Bewerbern (die intuitiv dieselben Suchbegriffe eingeben) genauso leicht gefunden werden. Merke: Im Internet kommt es eben nicht nur darauf an, ein gutes Angebot zu starten – man muss es damit auch in die Suchlisten schaffen. Je weiter oben, desto besser.

Mitarbeiterblogs für Bewerber
  • Aseantic-Mitarbeiterblog – Ende Mai 2008 entstanden, schreiben hier die Mitarbeiter über Neuigkeiten aus ihrem Arbeitsumfeld sowie persönliche Beurteilungen und Meinungen zu ihren jeweiligen Spezialgebieten.
  • Bosch Trainee Blog – Die Bosch-Trainees Can, Constantino, Julia, Katrin, Kevin, Monika, Nicole und Stefano schreiben über das Unternehmen und ihr Ausbildungsprogramm.
  • Daimler-Blog – Die Mutter aller Corporate-Karriereblogs: Das Daimler-Blog ist seit dem 16. Oktober 2007 online und wird von Daimler-Mitarbeitern geschrieben, um Einblicke in das „Leben im Konzern“ zu geben.
  • EnBW-Karriereblog – Hier schreiben die Trainees der EnBW Energie Baden-Württemberg AG über Ihren Berufsalltag.
  • Fraport-Blogs – Den Dialog mit Lesern und Bewerbern führen in diesem Blog Trainees, Praktikanten und Azubis.
  • Frosta-Blog – Hier schreiben etwa die Mitarbeiter aus dem Controlling oder der Produktion über das Innenleben des Lebensmittel-Unternehmens. Und über ihr Essen.
  • Magix-Blog – Autoren sind auch in diesem Webtagebuch die Mitarbeiter, Produkte sollen nur am Rande Thema werden.
  • Müsli-Blog – Die Mymuesli-Mitarbeiter berichten von aktuellen Ereignissen in der Müslibranche, aber auch über ihren Job oder Stellenangebote.
  • Persil-Blog – Die Autoren schreiben zwar mehrheitlich über das namengebende Produkt, dennoch erfährt der Leser zumindest ab und an, was “hinter den Kulissen” passiert.
  • S4Young – Im Blog der Sparkasse Trier schreiben die Azubis über ihren Alltag in der Bank, die Berufsschule und ihre Projekte.
  • Salzgitter-Karriereblog – Das Blog zu den Recruitingaktivitäten, der Ausbildung und dem Berufseinstieg im Salzgitter Konzern.
Mehr zum Thema

Ergänzend zu dem Thema habe ich noch eine Schöne Powerpoint-Präsentation des Daimler-Blogs gefunden, die sowohl die Motivation dahinter als auch die Wirkung des Corporate Blogs dokumentiert: