Diensthandy, 24-Zoll-Flachbildschirm, Markenlaptop – für manchen Büroarbeiter ist das nur technischer Schnickschnack, Werkzeuge eben, für andere eine moderne Form typisch männlicher Vergleichsonanie. Für die meisten aber sind diese Büroutensilien schlichtweg Indizien für entgegen gebrachte Wertschätzung und Motivation zugleich. Das jedenfalls ist die Quintessenz einer gerade veröffentlichten Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest. Im Auftrag des Druckerherstellers Brother wurden dazu in diesem Sommer 1047 Büroangestellte in Deutschland nach ihrer Produktivität und Druckerorganisation befragt. Die Ergebnisse sind – wenn auch wirtschaftlich motiviert – durchaus spannend und aufschlussreich.
So sagen etwa nahezu drei Viertel der Befragten, dass die technische Ausstattung ihres Büros erheblichen Einfluss auf Ihre Motivation hat (siehe Grafiken rechts). Mehr noch: Wie andere Untersuchungen zeigen, wirkt sich allein die Bildschirmgröße auf die Produktivität aus. So arbeiten diejenigen Mitarbeiter mit einem 24 Zoll Monitor um 52 Prozent, mit einem 20 Zoll Bildschirm immer noch 44 Prozent schneller als ihre Kollegen mit einem mickrigen 18-Zöller, so das Ergebnis einer Untersuchung der Universität von Utah. Zu groß ist allerdings auch nicht gut: Bei einem 26 Zoll Monitor fiel die Zeitersparnis deutlich geringer aus. Size matters!
Umgekehrt ist es allerdings auch so, dass 20 Prozent der Büroarbeiter alte Geräte als Geringschätzung ihnen gegenüber empfinden, weitere 21,7 Prozent emfinden das immerhin noch ansatzweise so.
Bleibt die Frage, welche Geräte Arbeitnehmer an einem optimalen Arbeitsplatz erwarten: ein schickes Telefon? Ein persönlicher Drucker im Büro? Eine eigene Klimaanlage? Auch danach wurde gefragt. Und tatsächlich: Genau diese Geräte rangieren in der Gunst der Befragten am höchsten. Interessant aber auch der Wunsch nach einem eigenen Aktenvernichter. In turbulenten Zeiten wie diesen vielleicht nicht allzu unnütz.
| Gerät | Prozent |
| Telefon mit Kurzwahltasten | 58,6 |
| Eigener Drucker | 56,2 |
| Klimaanlage | 47,7 |
| Laptop | 32,4 |
| Kabellose Maus | 30,9 |
| Eigener Aktenvernichter | 14,9 |
Zeitfresser gibt es in jedem Büro. In den meisten Fällen sind es wohl die vielen unnötigen E-Mails, hereinplatzende Kollegen, Technik, die nicht macht, was sie soll. Umgekehrt kann Technik aber auch helfen, produktiver zu werden sowie Zeit zu sparen. Überraschend, dass hierbei die meisten Arbeitnehmer die Lauferei zum Etagendrucker oder –Kopierer am meisten nervt, aufhält, stört. Hübsch bis verräterisch aber auch: die eigene Kaffeemaschine.
| Gerät | Prozent |
| Drucker im Büro | 41,9 |
| Eigener Scanner/Faxgerät | 36,3 |
| Telefon-Headset | 31,9 |
| Zweiter Bildschirm | 23,9 |
| Eigene Kaffeemaschine | 17,7 |
Dass der persönliche Drucker so einen hohen Stellenwert genießt verwundert nicht. So gaben die Befragten an, im Durschnitt 13 mal pro Tag zum Drucker zu laufen – und dort pro Tag im Schnitt 111,2 Sekunden zu vertrödeln, weil gerade Papierstau ist, der Kollege schneller war oder der Toner gewechselt werden muss.
| Zeit | Prozent |
| Ca. 2 Minuten | 17,8 |
| Unter 2 Minuten | 16,3 |
| Ca. 5 Minuten | 10,2 |
| Ca. 10 Minuten | 4,5 |
| Über 10 Minuten | 1,6 |
| Selten bis gar nicht | 49,3 |
Alle diese Werte kann man natürlich kumulieren: Der durchschnittliche Büroarbeiter geht also etwa 13 Mal am Tag zum Etagendrucker, um dort ein Dokument abzuholen, 45 Sekunden später sitzt er wieder am Platz – es sei denn, es gibt Stau, was täglich etwa 1,8 Minuten in Anspruch nimmt. Insgesamt verbringt der Angestellte also pro Tag 11,6 Minuten mit dem Drucken und Abholen von Dokumenten. Auf das Jahr hochgerechnet wären das 46, 4 Stunden oder 5,8 Arbeitstage. Bei einem Unternehmen mit 50 Angestellten könnte man dann einen Mitarbeiter ein Jahr lang und täglich 10 Stunden damit beschäftigen, zwischen Drucker und Schreibtisch zu pendeln. Aber das ist zum Glück nur Statistik.
1. Kommentar
Bernd
30.10.08 um 11:34 Uhr
Diese Ergebnisse sind meiner Erfahrung nach nicht überraschend. Natürlich ist es auch ein Zeichen von Wertschätzung des Mitarbeiters wenn er mit ordentlichen Geräten versorgt ist – aber ich glaube dass viele diese gewünschten technischen Geräte einfach Nervereien verhindern. Ein vernünfiges Telefon, ein eigener Drucker wo man eben nicht immer hinrennen muss und zwischen x Ausdrucken seinen eigenen Ausdruck sucht und ein Bildschirm, auf dem man eben auch vernünftig arbeiten kann, ist eben doch auf Dauer mit absoluter Sicherheit eine vernünftige Investition. Man ist weniger genervt und das spart definitiv Arbeitszeit.
Also ich könnte mir vorstellen dass es eine interessante Studie wäre, dieses “weniger genervt und produktiver” in effektive Geldersparnis umzurechnen. Ich glaube die Ergebnisse wären überraschend und würden zeigen, dass derartige Investitionen sich in sehr kurzer Zeit auszahlen.
2. Kommentar
Holger Reich
30.10.08 um 18:31 Uhr
Für mich ist der Gang zum Drucker eine Notwendigkeit und ein (kleiner) Beitrag für meine Gesundheit. Den Weg gehe ich bewußt und rolle meine Füße ab, um die “Venenpumpe” zu betätigen. Diese Zeit ist also investiert und nicht vergeudet – diejenigen die den Drucker nebenan haben wollen gehen dafür gerne mal “eine rauchen”. Das dauert mehr als 1,xx Minuten (mal x Zigaretten pro Tag).
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