Erstmal: Herzlichen Glückwunsch! Sie sind zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden, haben also die erste, meist größte Hürde im Bewerbungsprozess erfolgreich genommen. Als nächstes gilt es, sich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten: Kennzahlen über das Unternehmen recherchieren, mögliche Fragen vorbereiten, die spezifischen Stärken herausarbeiten. Schließlich wollen Sie zeigen, dass Sie die Idealbesetzung für diese Stelle sind – ohne jedoch zu kokett zu wirken.

Und genau da liegt das Problem: Das Jobinterview ist Teil der BeWERBUNG, sie müssen also für sich dabei kräftig trommeln. Das wird auch erwartet und akzeptiert. Tiefstapeln jedenfalls wäre fatal, dann könnten Sie genauso gut zuhause bleiben. Gleichzeitig sollen Sie aber auch nicht zu forsch wirken. Denn das könnte Ihnen als überheblich ausgelegt werden. Kurzum: Der Grat zwischen selbstbewusstem Eigenmarketing und Arroganz ist schmal. Und es wäre schon ärgerlich, erst so weit zu kommen, um dann an der eigenen Chuzpe zu scheitern. Was also tun?

Lassen Sie uns zunächst ein Blick auf die Definition der beiden Begriffe werfen:

  • Selbst·be·wusst – Ein selbstbewusster Mensch kennt seine Stärken und Fähigkeiten und vertraut darauf in so starkem Maße, dass er seiner Zukunft relativ optimistisch, sorglos und unbekümmert entgegengeht.
  • A·rro·gant – Ein arroganter Mensch indes leidet an Selbstüberschätzung. Auch er kennt seine Talente, leitet daraus aber (s)eine Überlegenheit ab und stellt diese stolz zur Schau.

An sein Können und Wert zu glauben, ist essenziell in jedem Bewerbungsprozess. Ich rate seit Jahren davon ab, hier die Attitüde eines Bittstellers zu etablieren – auch wenn einer schon 100 Absagen kassiert hat. So kann das auch beim 101. Mal nichts werden. Sie müssen Ihren Arbeitgeber in spe schon davon überzeugen, dass Sie die beste Fachkraft sind, die er für diese Stelle bekommen kann. Und wie soll das gelingen, wenn Sie schon nicht einmal selbst von sich überzeugt sind?

Oder anders gefragt: Mit Ihrem Wissen über sich selbst – würden Sie sich für den Job einstellen? Lautet die Antwort “Ja”, dann sollten Sie das auch ausstrahlen und vermitteln. Nicht nur Sie sollten sich vertrauen, der Personaler muss es Ihnen auch zutrauen und vertrauen können. Also sprechen Sie ruhig über Ihre Fähigkeiten und Talente – wohlgemerkt aber vor allem über jene, die Ihnen in der neuen Position dabei helfen, Mehrwert zu schaffen.

SelbstbewusstIn Arroganz schlägt das um, wenn Sie den Eindruck erwecken, Sie seien der einzige, der diesen Erfolg hinterher bewerkstelligt hat. Ja, Sie sind der oder die Richtige – aber der anschließende Mehrwert ist ein Teamerfolg. Man stellt Sie schließlich nicht als Solist ein, sondern als Orchesterspieler. Und selbst die erste Geige braucht ein paar Streicher neben sich, um sich überhaupt als erste Geige definieren zu können.

Streichen Sie Ihre Stärken und bisherigen Erfolge also ruhig ungeniert heraus, vergessen Sie aber nicht dabei gleichzeitig die Rolle der künftigen Kollegen zu wertschätzen – und wie Sie mit Ihren Talenten die Leistung ihres Teams gemeinsam weiter steigern können.