Das lange Bewerben hat sich endlich ausgezahlt: Sie haben eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Kleidung ist hierbei ein wichtiger Punkt, nicht umsonst heißt es: Kleider machen Leute. Bei der Vorstellungsgespräch-Kleidung ist es umso wichtiger, denn der erste Eindruck zählt. Wer hier im Kleiderschrank daneben greift, nicht auf Falten und Flecken achtet, vergibt die Chance für einen guten Eindruck. Damit Sie wissen, welche No-Gos Sie besser vermeiden, haben wir hier für Sie die richtigen Outfits zusammengestellt...

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Vorstellungsgespräch: Kleidung ist die Visitenkarte

Wie wir uns kleiden, sagt etwas darüber aus, wie wir uns selbst wahrnehmen, aber auch, wie wir wahrgenommen werden wollen. Eine alte Geschichte, die eindrucksvoll die Wirkung von Kleidung illustriert, ist die vom "Hauptmann von Köpenick". Darin kleidet sich ein einfacher Schuhmacher als Hauptmann und besetzt das Köpenicker Rathaus.

Das gelingt ihm letztlich, weil er mit seiner Offiziersuniform plötzlich eine Autorität darstellt und respektabel wirkt. Wilhelm Voigt, so der Name des "Hauptmanns", fliegt letztlich auf und muss für einige Jahre ins Gefängnis.

Ganz so schlimm läuft es für die meisten Menschen im Alltag nicht, zumal das obige Beispiel zusätzlich Amtsanmaßung beinhaltet. Dennoch ist die Wirkung von Kleidung unbestritten: Das Team rund um den Psychologen Abraham Rutchick von der California State University untersuchte, wie Kleidung unser Denken beeinflusst.

Für ihre Studie (PDF) wurden 90 Studenten zu Assoziationstests eingeladen. Die eine Hälfte der Probanden trug während der Tests Alltagskleidung, die andere Vorstellungsgespräch Kleidung. Ergebnis: Die formell gekleideten Testpersonen dachten abstrakter und ganzheitlicher.

Dieses Ergebnis konnte auch in einer weiteren Studie untermauert werden, in der Männer einen fiktiven Geschäftsabschluss entweder im Anzug, Jogginghose oder Alltagskleidung tätigen sollten. Dabei wurde der Hormonspiegel der Probanden gemessen.

Ergebnis: Die Anzugträger schnitten auch hier wieder deutlich besser ab. Sie waren dominanter und erfolgreicher und hatten einen durchweg hohen Testosteronspiegel, während der der Konkurrenten in Jogginghose im Dauertief war.

Psychologen sprechen von "Social Priming": Kleidung ist nicht einfach nur neutral Kleidung, sondern wir verbinden etwas damit. Kleidung sagt etwas über das Geschlecht, Macht und Status aus.

Vorbereitung: Die Vorstellungsgespräch Kleidung in Erfahrung bringen

Wie Sie sich für das Vorstellungsgespräch kleiden sollten, hängt von einigen Faktoren ab. Welche Position werden Sie einnehmen? Es macht einen Unterschied, ob Sie sich auf einen Managerposten bewerben oder als Auszubildender in einem Unternehmen anfangen.

In beiden Fällen wird natürlich Wert gelegt werden auf saubere, tadellose Kleidung. Dennoch dürfte ein zukünftiger Lehrling im maßgeschneiderten Anzug mit Rolex-Armbanduhr für Irritationen sorgen. Umgekehrt sollte jemand, der sich auf eine Führungsposition bewirbt, nicht unbedingt im Anzug von H & M vorstellig werden.

Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie lieber etwas konservativer als zu flippig sein. Sie gewinnen häufig durch die Recherche über das Unternehmen bereits einen Eindruck, welche Kleiderordnung vorherrschend ist und sollten sich daran orientieren.

Wer dennoch unsicher ist, kann vor dem Vorstellungsgespräch die Kleidung im Unternehmen erfragen, beispielsweise im Sekretariat. Wem das unangenehm ist, stellt in einem Forum wie Karrierefragen.de seine Frage.

Vorstellungsgespräch Kleidung ist Teil der Selbstpräsentation

Wie bereits oben dargelegt, wirkt sich Kleidung nicht nur auf unser Denken und unsere Haltung aus - im Anzug fläzt man sich halt für gewöhnlich nicht irgendwie im Sessel herum. Es signalisiert auch unserem Gegenüber, mit wem er es zu tun hat.

In formeller Kleidung werden Sie ernst genommen, strahlen Sie Seriosität und Kompetenz aus. Das sind gewissermaßen Vorschusslorbeeren, noch bevor Sie Gelegenheit hatten, sich inhaltlich zu präsentieren. Natürlich hofft ein Personaler, dass Sie auch fachlich überzeugen können.

An der Kleidung im Vorstellungsgespräch erkennt er jedoch bereits, ob Sie zum Unternehmen passen. Denn die Kleidung sollte Sie und Ihre spätere Tätigkeit repräsentieren: Wer beispielsweise viel Kundenkontakt haben wird, ist immer auch zugleich Aushängeschild der Firma.

Sie können anhand bestimmter Aufgaben und den damit verbundenen Dresscodes auch bereits abschätzen, ob Ihnen eine derartige Tätigkeit liegt: Wer nichts von Kundenkontakt und Anzügen mit Schlipsen hält, liegt vermutlich bei einer Bewerbung in der Versicherungsbranche falsch.

Vorstellungsgespräch Kleidung: So punkten Frauen

Frauen haben die Schwierigkeit, dass einerseits häufig ein ansprechendes Äußeres erwartet wird, andererseits die Bewerberin ein Gefühl dafür haben muss, was zu sexy für die Arbeit und insbesondere für das Bewerbungsgespräch ist.

Es gibt zahlreiche Untersuchungen dazu, wie beispielsweise allein die Frisur von Frauen ihre Karriere beeinflusst: Wer ernst genommen werden und beruflich vorankommen möchte, sollte offenes, wallendes Haar lieber meiden.

Binden Sie es lieber zum Zopf oder sorgen Sie dafür, dass es nicht ins Gesicht fällt. Das minimiert außerdem das Risiko, dass Sie im Falle von Nervosität mit Haarsträhnen herumspielen.

Ganz allgemein gilt: Weniger ist mehr. Das heißt, setzen Sie Schmuck sehr sparsam ein. Eine Kette, dezente Ohrringe, eine Uhr - mehr muss nicht sein. Keine ultralangen Fingernägel mit aufwendigem Design und Strasssteinchen (es sei denn, Sie bewerben sich in einem Nagelstudio).

Ebenso sollten Sie mit dem restlichen Make-up verfahren: Sehr dezente Farben, keinen knalligen Lippenstift oder dramatisch geschminkte Augen.

Kleidung

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Frauen sollten bei der Kleidung im Vorstellungsgespräch darauf achten, dass ihre Kostüme die richtige Rocklänge haben: Das Kürzeste ist eine Handbreite über dem Knie. Tief ausgeschnittene oder durchsichtige Oberteile sind ebenso tabu wie sehr figurbetonte Kleidung.

Wer in einem Traditionsunternehmen oder in der Finanz- und Bankenwelt unterwegs ist, sollte auf dezente Kostüme oder Hosenanzüge zurückgreifen. Farblich sollten Sie etwas wählen, das Ihren Teint unterstreicht.

Wer also eher blass ist, sollte Pastellfarben vermeiden; dunkelgrau, braun oder fliederfarben wirken in Kombination mit hellblau und weiß frisch und kompetent.

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Abhängig von der Branche müssen es nicht zwangsläufig weiße Seidenblusen sein, die Sie tragen. Auch ein Shirt mit Dreiviertelarm, hier auf dem Foto in der Mitte, ist für Vorstellungsgespräch Kleidung absolut passend. In Kreativbranchen müssen es nicht zwangsläufig Blazer und Bleistiftrock sein, ein schicker Rock ist ebenso möglich.

Nicht zu empfehlen sind hingegen die folgenden Outfis:

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Zeichnen sich die Konturen deutlich ab oder zeigen Sie zu viel nackte Haut, werden Sie als unseriös und inkompetent wahrgenommen. Das ist bei dem Bild links der Fall, wo der Rock eindeutig zu kurz ist. Ebenfalls kritisch für Frauen im Vorstellungsgespräch ist Kleidung, die rot ist.

Rot als Signalfarbe wirkt aufreizend und/oder aggressiv - beides Eindrücke jedenfalls, die Sie vermeiden wollen. Die Kombination locker übergeworfene Bluse und Jeans ist einfach zu ungezwungen für ein Vorstellungsgespräch und damit nicht angemessen.

Schuhe

Auch High-Heels und nackte Beine gehören nicht an den Arbeitsplatz, weshalb Peeptoes ebenfalls im Schrank bleiben sollten. Was die Tennissocke beim Mann, ist die falsche Strumpfhose bei der Frau: Achten Sie auf einen dezenten Farbton. Helle, hautfarbene Nylons oder passend zur Kostüm- beziehungsweise Hosenfarbe.

Wer im Job repräsentativ gekleidet sein muss, kommt an Pumps oder bestenfalls Ballerinas nicht vorbei. Pumps sollten allerdings nie höher als sechs Zentimeter sein. Bequemschuhe oder gar irgendwelche angesagten Stiefel kommen daher nicht in Frage.

Kleidung Vorstellungsgespraech Frau Damen Schuhe Grafik

Vorstellungsgespräch Kleidung: So punkten Männer

Haare sind beim Mann im Vorstellungsgespräch weniger ein Thema, solange Sie einen ordentlichen Schnitt tragen und nicht die Haare im Nacken aus dem Anzug wuchern. Ähnliches gilt für den Bart, der gepflegt sein sollte.

Die Stilfrage hängt weiterhin von der Branche ab, in der Sie tätig werden: Die Finanz- und Versicherungsbranche gilt eher als konservativ, weshalb ein Anzug für Männer in dunklen Farben mit passendem Schlips nie verkehrt ist.

Unkonventioneller und ungezwungener ist es häufig in der Kreativ- und IT-Branche. In Werbeagenturen können Jeanshosen in Kombination mit Jackett absolut angemessen sein, ebenso in jungen Start-ups. Häufig entwickeln Berufsanfänger im Laufe des Bewerbungsprozesses ein Gefühl dafür, welche Kleidung in welcher Branche üblich ist.

Kleidung

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Mit Anzügen in grau, dunkelblau oder schwarz liegen Sie eigentlich immer richtig. Dazu ein passendes Hemd und eine passende Krawatte - fertig. Je nach Position können Sie wie der Herr ganz links oder in der Mitte zum farblich passenden Einstecktuch greifen, allerdings bietet sich das eher für Führungspositionen an.

Achten Sie auch auf die Beinlänge Ihrer Hosen. Der Saum sollte ein Zentimeter oberhalb des oberen Schuhabsatzrandes enden.

Nicht zu empfehlen sind diese Beispiele:

Kleidung Vorstellungsgespraech Mann Herren falsch Grafik

Die obigen Beispiele sind für ein Vorstellungsgespräch zu salopp gekleidet. Jeanshemd und Chino, oder aber Hemd und Jeanshose mögen später auf der Stelle absolut angemessen sein, ebenso wie die Kleidung auf dem Bild ganz rechts.

Für die Kreativbranche wäre diese Kleidung zwar im Vorstellungsgespräch passend, aber wie sie getragen wird, wiederum nicht: Das Hemd ist zu weit aufgeknöpft, die Manschetten sind offen und das Ganze zu leger.

Schuhe

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Wer am liebsten in Sneakern herumläuft, muss sich für das Vorstellungsgespräch in Lederschuhe quälen, denn die sind Pflicht. Die Farbe wählen Sie passend zum Anzug. Wer einen schwarzen Anzug trägt, sollte auch schwarze Schuhe wählen. Ebenso sollten Sie Schuhe und Gürtel aufeinander abstimmen: Ist dieser schwarz, sollten die Schuhe es ebenfalls sein.

Ein absolutes No-Go bei dunklen Anzügen sind weiße Socken - womöglich noch Tennissocken. Auch die Länge sollten Sie hierbei beachten. Auch im Sitzen sollten die Socken lang genug sein, dass keine haarigen Beine unter der Hose hervorlugen.

Checkliste: Was Sie beachten sollten

Vorstellungsgespräch Kleidung Checkliste Das Beste ist natürlich, Sie müssen nicht völlig überstürzt erst ein Kostüm oder einen Anzug besorgen, sondern haben genügend Zeit, die Vorstellungsgespräch Kleidung in Ruhe auszusuchen.

Denn Sie sollten unbedingt sicherstellen, dass die Sachen Ihnen nicht nur passen und bequem sind, sondern dass Sie genügend Bewegungsfreiheit darin haben. Kleidung sollte daher auch immer im Sitzen anprobiert werden, um zu sehen, wie Hosen oder Röcke fallen.

Für Ihren Auftritt beim Vorstellungsgespräch sollten Sie außerdem auf folgende Punkte achten:

  • Seien Sie sparsam bei der Verwendung von Parfums oder Aftershaves. Nicht jeder teilt Ihren Geschmack und wer den ganzen Tag in geschlossenen Räumen umnebelt von verschiedenen Düften sitzt, kann sich womöglich schlechter auf Sie und Ihre Inhalte konzentrieren.
  • Verdecken Sie Piercings und Tattoos. Egal, wie vermeintlich tolerant sich manche Unternehmen geben, die Details können Sie später besser ausloten. In manchen Branchen ist Körperschmuck gesellschaftlich nicht sehr akzeptiert, in anderen (beispielsweise in medizinischen Berufen) ist er aufgrund von Hygienevorschriften verboten.
  • Überprüfen Sie Ihre Kleidung. Bügeln Sie die Kleidung, überprüfen Sie den Sitz im Spiegel. Achten Sie auf Sauberkeit auch besonders bei den Schuhen. Diese sollten keine abgelaufenen Absätze oder Schrammen aufweisen.
  • Benutzen Sie für Ihre Unterlagen eine Dokumentenmappe. Sie können auch zu einer entsprechend großen Tasche greifen, nur ein Rucksack ist nicht unbedingt passend.
  • Vermeiden Sie lustige Comicsocken. Auch Comickrawatten sind nicht wirklich lustig. Auch wenn es auf Sie spießig wirken mag: unifarben oder mit einem dezenten Muster wirken Sie seriöser. Letztlich sollten Sie alles vermeiden, was irgendwie nach Freizeit oder gar Strand aussieht, also natürlich auch Flip-Flops, egal wie warm es an dem Tag ist.
  • Vermeiden Sie am Tag zuvor Knoblauch und Alkohol. Beides dünstet der Körper auch am nächsten Tag noch aus, schlimmstenfalls weht dem Personaler eine Fahne entgegen.
  • Packen Sie zur Sicherheit Ersatz ein. Gerade für längere Fahrten bietet sich ein Ersatzoberteil an, schließlich wollen Sie nicht verschwitzt und verknittert zum Vorstellungsgespräch kommen. Auch ein Deo, Erfrischungstücher und Kaugummi sollten nicht fehlen.

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